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Ende eines Experiments
Von unserem Redakteur Eric Schmidt
Fussball - Man hätte meinen können, dass noch schnell ein paar Erinnerungsfotos geschossen werden. Als nach der 0:1-Pokalniederlage am Mittwochabend gegen Greuther Fürth die Pressekonferenz stattfand, hatte sich ein ganzer Pulk von Fotografen vor Holger Stanislawski aufgebaut. "Stani" von links, "Stani" von rechts. "Stani" von unten, "Stani" von oben. Aus allen möglichen Perspektiven wurde der Trainer von 1899 Hoffenheim abgelichtet. "Wer weiß, wie lange er noch Trainer ist, was hier alles passiert", hatte einer der Fotografen einem anderen kurz zuvor zugeflüstert.
Krisengespräch Es ist dann tatsächlich passiert. Am Morgen danach trennten sich Hoffenheim und Holger Stanislawski − "einvernehmlich", wie es in einer um 11.22 Uhr verschickten Pressemitteilung hieß. Der kauzige Kultcoach aus Hamburg, der den als "Plastik- und Retortenclub" verschrienen Verein vom Dorf zu einem neuen Image führen sollte, ist in seiner Mission nach nur einem halben Jahr gescheitert. In Abstimmung mit der Vereinsführung, den Gesellschaftern und dem Beirat wurde das Experiment beendet und der bis zum 30. Juni 2014 datierte Vertrag aufgelöst.
"Wir schätzen Holger Stanislawski als Menschen und als fachkundigen Trainer. Doch nach einem langen, konstruktiven Gespräch mit ihm sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, die Zusammenarbeit im Interesse aller Beteiligten zu beenden", erklärte Manager Ernst Tanner und ergänzte: "Die jüngsten sportlichen Entwicklungen waren ausschlaggebend."
Auch Präsident Peter Hofmann machte gegenüber der Heilbronner Stimme allein sportliche Gründe geltend: "Auch wir sind Fans von ,Stani’, auch wir mögen ihn. Er ist sympathisch und bodenständig und hat ein frisches, familiäres Leben ins Trainingszentrum reingebracht. Aber man darf sich im Fußball nicht allein von Gefühlen leiten lassen." Hofmann verwies auf die sportliche Misere mit nur einem Sieg in den letzten zehn Punktspielen und den Pokal-K.o. gegen Fürth. Damit sei eine "Riesenchance" vertan worden. Klar, man sei fast eine Stunde in Unterzahl gewesen. "Aber Fürth ist ein Zweitligist. Im modernen Fußball ist es kein so großer Nachteil mehr, nur mit zehn Mann zu spielen."
Risse Die Frage ist, wie die Fans auf die Trennung reagieren. Trotz des Aus im Pokal war Stanislawski gefeiert worden. "Stani, wir lieben dich", sangen die Anhänger in der Südkurve nach dem Abpfiff. Während des Spiels hatten sie "Pro-Stani"-Blätter in die Höhe gehalten und bei der Präsentation der Mannschaftsvorstellung 18 Mal seinen Namen gerufen. "Stani" winkte zurück und bedankte sich später bei der Pressekonferenz: "Ich werde es im Stillen genießen. Wichtig ist aber, dass die Mannschaft unterstützt wird." Es waren seine letzten Worte als TSG-Trainer. Insgeheim dürfte er gewusst haben, dass das Pokal-Viertelfinale sein persönliches Endspiel war. "Ich würde mich freuen, wenn die Jungs so weitermachen", sagte er am Mittwochabend. Er sagte nicht: "Wir werden so weitermachen."
Was den Großteil der Mannschaft betrifft, so hätte sie gerne mit ihm weitergemacht. Wie die Elf gekämpft, wie sie alles versucht hatte, war ein deutliches Bekenntnis zum Trainer. "Wir haben in erster Linie für uns gespielt. Aber wir haben auch für den Trainer gespielt", sagte Kapitän Andreas Beck. Torwart Tom Starke sah eine "völlig intakte Mannschaft": "Kämpferisch war das absolut in Ordnung. Da haben wir uns nichts vorzuwerfen. Wenn wir da in den nächsten Spielen anknüpfen, werden wir punkten − und ich hoffe mit dem Trainer." Dass es ohne "Stani" weitergeht, wollte sich Starke am Mittwochabend nicht vorstellen: "Dann haben wir wieder Unruhe. Der Trainer ist ein Sympathieträger. Für die Zuschauer und für den Verein."
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