Ein kleiner Blick zurück und ein großer nach vorne

Von Marc Schmerbeck

Fussball - Es klang beinahe nach einer Bewerbung. „Ich gönne München den Titel. Ich mag die Bayern“, sagte Sejad Salihovic, Mittelfeldspieler beim Bundesligisten 1899 Hoffenheim. „Aber nicht am Samstag“, fügte er hinzu. Denn da empfängt Hoffenheim um 15.30 Uhr den FC Bayern München. „Wir können frei aufspielen und denen das Leben schwer machen.“ Nach zwei Siegen in Folge hat der Herbstmeister Geschmack am Jubeln gefunden.

Arbeitssiege Das Selbstvertrauen ist wieder zurück. Auch wenn Trainer Ralf Rangnick die Erfolge gegen den 1. FC Köln und Arminia Bielefeld eher in die Kategorie „Arbeitssiege“ einordnet. „Vor allem gegen Bielefeld hatten wir etwas Glück. Und einen richtig guten Torhüter, der uns die drei Punkte festgehalten hat“, sagte Rangnick. Timo Hildebrand wird dies mit einem Lächeln zur Kenntnis nehmen. Hatte er doch vor drei, vier Wochen noch Kritik einstecken müssen. Nachdem er seine Verletzungen überstanden hat und regelmäßig trainiert und spielt, zeigt die Formkurve aber nach oben. Wie die des gesamten Teams. „Timo ist gut drauf, das hat man gesehen. Es ist schön, dass wir einen Torhüter haben, der den Vorderleuten Sicherheit gibt“, sagte Salihovic. Für Bielefeld war es hingegen ein Nackenschlag im Abstiegskampf.

Seit gestern Mittag ist das 2:0 in Ostwestfalen kein Thema mehr in Hoffenheim. Jetzt läuft die Vorbereitung auf das Spiel gegen München. „Wir müssen sehen, wer uns zur Verfügung steht“, sagte Rangnick. Denn am Donnerstag hatte sich auch noch Per Nilsson abgemeldet. Nach einem Pressschlag gegen die Arminia plagen ihn Schmerzen im Knie. Eine Kernspintomographie soll Aufschluss geben. Andreas Beck ärgert sich mit einer Virusinfektion herum und auch Marvin Compper musste behandelt werden. Dafür ist Andreas Ibertsberger wieder einsatzbereit. Das Hinspiel spielte bei der Vorbereitung keine Rolle - heißt es. Auch wenn die Niederlage damals im hochklassigen Spitzenspiel genauso „ärgerlich wie unnötig“ (Rangnick) war. „Wir haben gegenüber den Bayern keinerlei Vorteile mehr“, sagt Rangnick. Denn sein Team ist in der Realität angekommen. Seit Mittwoch steht fest, dass Hoffenheim endgültig der schlechteste Bundesliga-Herbstmeister aller Zeiten ist und keine Chance mehr hat, die Europa League (bisher Uefa-Cup) zu erreichen. Keine Spur mehr ist ehr von dem Hype zu sehen. Von der Euphorie, die noch am Ende der Winter-Vorbereitung herrschte. Vor dem Vorrundenspiel gegen München platzte der Raum bei der Pressekonferenz mit rund 100 Journalisten beinahe aus allen Nähten. Gestern waren es 13.

Alles beim Alten Vor den Hinspiel hatten sich Bayern-Manager Uli Hoeneß und Rangnick Wortgefechte geliefert. Dieses Mal gab es keine. Und so ist alles wie vor der Saison erwartet: Der Emporkömmling spielt im Mittelmaß, der FCB kämpft um die Meisterschaft. „Ich denke, da haben Hertha und Wolfsburg die beste Ausgangsposition“, sagt Rangnick. Und die Bayern? Die müssen schließlich noch gegen Hoffenheim und Stuttgart spielen. „Mich würde es nicht wundern, wenn Wolfsburg die beiden letzten Spiele gewinnt. Und München hat es schwer, noch drei Tore aufzuholen.“ Vor allem da Sejad Salihovic von seinen Wolfsburger Kumpels Misimovic und Dzeko den Auftrag bekommen hat, zwei Treffer zu machen. Gegen die von ihm so geliebten Bayern.

Aber Job ist Job.



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