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Ein Rohdiamant wird geschliffen
Von Florian Huber
Fussball - Der Blick fällt unweigerlich darauf. Beim Brasilianer Maicosuel funkelt da etwas. Ein Brillant ziert das linke Ohr des Stürmers von 1899 Hoffenheim. Als ungeschliffener fußballerischer Rohdiamant ist er im Sommer aus Rio de Janeiro in den Kraichgau gekommen. Die ersten Wochen waren hart. Besonders im Trainingslager in Österreich. Als ob er eine unsichtbare Eisenkugel hinter sich herziehen würde, wirkte der 23-Jährige damals im Juli, wie er nach den vielen Übungseinheiten zurück ins Teamhotel trottete. "Ich habe mich sehr schwergetan. In Brasilien war das Training bei weitem nicht so intensiv wie hier", sagt Maicosuel.
Tempodribblings
Langsam wird er zu Maicocruel, dem Stürmer, der die Gegner schrecklich schwindelig spielt. So haben sie ihn in seiner Heimat Brasilien getauft. Zuletzt gegen Freiburg glänzte er mit Tempodribblings - und dem Tor zum 1:0. "Bei ihm ist der Groschen gefallen. Er legt eine ganz andere Körpersprache an den Tag", sagt Hoffenheims Ralf Rangnick. Er und sein Trainerteam schleifen sich den fußballerischen Rohdiamanten zurecht. "Im Pokal gegen Koblenz und jetzt gegen Freiburg hat er mit die meisten Meter zurückgelegt.
Das hätte ich vor sechs Wochen noch nicht für möglich gehalten", sagt Rangnick. Demba Ba noch angeschlagen, Chinedu Obasi verletzt - Maicosuel wird auch an diesem Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr) in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena von Beginn an stürmen. "Ich will aber nicht nur durch Verletzungen der anderen in die Mannschaft rutschen", sagt der Brasilianer.
Schüchtern präsentierte er sich am Donnerstagmittag beim Pressegespräch. Ganz anders wie auf dem Spielfeld. Leise gibt er auf Portugiesisch Auskunft über das Leben in seiner neuen Heimat. Mehr als ein "Ich bin sehr glücklich" ist noch nicht drin auf Deutsch. "Dabei kann er die neue Sprache schon richtig gut", sagt 1899-Torwarttrainer César Thier, sein Dolmetscher. Nur: Vor so einer Horde Journalisten kostet das mehr Überwindung, als den Gegnern auf dem Rasen einen Knoten in die Beine zu spielen.
Brasilianische Familie
In Zuzenhausen hat sich Maicosuel mittlerweile eingelebt. Auch dank der Integrationshilfe der anderen Kraichgau-Brasilianer um Carlos Eduardo, Luiz Gustavo und César Thier. Häufig verbringen sie miteinander ihre Freizeit, die Familienmenschen aus Südamerika. Ehefrau Mari, das Töchterchen Eduarda, sie sind die wichtigsten Menschen in Maicosuels Leben. Gemeinsam mit seiner Tochter (ein Jahr und neun Monate alt) möchte der Papa den ersten Schnee in seinem Leben erleben. "Einen Schneemann bauen, das wäre nicht schlecht", sagt er. Vor den tiefen Böden des deutschen Winters in den Stadien hat er keine Angst. "Daran werde ich mich gewöhnen", ist er sicher. Genau wie an die Belastungen des Trainings.
Sportlich ist Landsmann Carlos Eduardo das große Vorbild, der vor seinem Debüt in der brasilianischen Nationalmannschaft steht. "Carlos darf da ruhig ein gutes Wort für mich einlegen", sagt Maicosuel: "Die Nationalmannschaft ist aber noch weit entfernt für mich. Ich will mich in der Bundesliga etablieren." Jedes Tor funkelt wie ein Brillant.
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