Die Kirche wird im Dorf gelassen

Von Eric Schmidt

Die Kirche wird im Dorf gelassen

„Es ist eine bittere Phase. Das tut auch weh.“

Jan Schindelmeiser

 

Fussball - Gut sieht er aus. Erholt. Entspannt. Lächelnd sitzt Jan Schindelmeiser auf dem Podium der Pressekonferenz, das sonst so helle Gesicht ist erstaunlich gut gebräunt. Am Mittwoch ist der Manager von 1899 Hoffenheim von einem mehrtägigen Argentinien-Aufenthalt zurückgekehrt, und fast könnte man meinen, es sei eine Vergnügungsreise mit Strandurlaub gewesen. Doch das war es natürlich nicht. Schindelmeiser war rein dienstlich im Land der Messis und Maradonas, zur Spielerbeobachtung. „Die Tribünen dort sind nicht alle überdacht. Wenn man dann einen Platz hat, wo die Sonne draufknallt, macht sich das auch am Teint entsprechend bemerkbar“, sagt der 45-Jährige.

Planspiele

Ein bisschen Farbe - sie kann nicht schaden. Es ist ein trister, grauer Frühling für den Herbstmeister der Fußball-Bundesliga, blass ist 1899 Hoffenheim geworden. Seit elf Spielen hat die Elf von Ralf Rangnick nicht mehr gewonnen, noch immer hinkt sie der berauschenden Form der Vorrunde hinterher. Wenn am Samstag, 15.30 Uhr, das Auswärtsspiel bei Tabellenführer VfL Wolfsburg steigt, geht es nur noch für die „Wölfe“ um fette Beute, um Meisterschaft und Champions League. Für Hoffenheim ist es eine Art Freispiel. Und ein weiteres Vorbereitungsspiel für die kommende Saison.

„Es ist eine bittere Phase. Das tut auch weh“, gibt Schindelmeiser zu, erklärt aber: „Dass es eine solche Phase geben würde, hat man fast erwarten müssen. Es ist eine notwendige Konsolidierung. Wichtig ist jetzt, dass man sich neu sortiert.“ Schindelmeiser scheint dabei der Ordnungshüter zu sein. Und der Kompass des Vereins. Er gibt die Richtung vor. Er zeigt, wo es lang geht und stellt die Dinge richtig, wenn es sein muss.

Europacup in der Rhein-Neckar-Arena? Manchester United in „Hoffe“? Die Schlagzeilen während seiner Abwesenheit haben den Manager irritiert. Am Sonntag hatten sowohl die Deutsche Presseagentur (dpa) als auch der Sportinformationsdienst (sid) berichtet, dass Hoffenheim künftig auf der europäischen Bühne spielen wolle. Dabei wurden entsprechende Worte von Dietmar Hopp zitiert. Das internationale Geschäft sei in der kommenden Saison die Vorgabe, hatte der Mäzen via sid und dpa verbreitet.

Realo Schindelmeiser

Wie diese Äußerungen in die Presse kamen? Ob Hopp zu weit vorpreschte? Oder einfach nur falsch verstanden wurde? Er wolle keine Medienschelte betreiben, erklärt Schindelmeiser, ohne konkret zu werden. Er lässt die Kirche lieber im Dorf. „Ich spiegele die Realität wider. Von einem Einzug in einen internationalen Wettbewerb wird in der Vereinsspitze nicht geträumt.“ Es sei ja gar keine Frage, dass man Ambitionen habe. „Aber wir sind im zweiten Profijahr. Der Europacup geht über das hinaus, was der Club zu leisten im Stande ist. Das kann und wird nicht unsere Zielsetzung sein. Das ist viel zu ambitioniert. Wir wollen uns erst einmal in der Bundesliga etablieren.“

Als „großen Nonsens“ bezeichnet Schindelmeiser Meldungen, wonach „Hoffe“ verstärkt auf erfahrene Spieler setzen werde. Natürlich brauche man Ersatz für routinierte Profis wie Zsolt Löw, Jochen Seitz oder Francisco Copado. „Aber wir werden weiterhin mit jungen Spielern arbeiten. Das ist integraler Bestandteil dessen, was wir vorhaben. Das ist unser Kerngeschäft und das Markenbild von 1899.“

Keine Rolle in den weiteren Planungen spielt Boubacar Sanogo. Der glücklose Leiharbeiter von Werder Bremen, der in elf Spielen ein einziges Tor schoss, dafür aber mehrmals Latte und Pfosten traf, muss den Kraichgau am Ende der Saison verlassen. Bis zum 30. April gab es eine Kaufoption, Hoffenheim ließ sie ungenutzt verstreichen - auch aus finanziellen Gründen. Ein weiterer Grund ist die schnelle Genesung von Vedad Ibisevic. Der am Kreuzband operierte Torjäger hat mit dem Lauftraining begonnen, am Mittwoch schoss er sogar einige Bälle auf die kleinen Tore im Trainingszentrum.

Ob er einen kleinen Messi aus Argentinien mitgebracht habe, wird Jan Schindelmeiser noch gefragt. Der Manager antwortet ausweichend. Er sagt nur: „Es gehört zu meinen Hausaufgaben, auch mal über die Grenzen zu schauen.“



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