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Auf den Barrikaden
Von Eric Schmidt
Fussball - Torsten Hartl redet nicht lange um den heißen Brei herum. Es rumort bei den Anhängern von 1899 Hoffenheim, und zwar gewaltig. "Es ist Unmut da bei den Fans. Und ich kann es sehr gut verstehen. Verein und Fans sollten an einem Strang ziehen statt gegeneinander zu arbeiten", sagt der Vorsitzende des Fanclubs "Zwinger".
Exodus
Es war kein Sitzstreik. Es war Flucht. Das Heimspiel gegen Borussia Dortmund hatten Fans des Fußball-Bundesligisten zu einem Exodus genutzt. Für knapp eine Viertelstunde verließen rund 200 Sympathisanten die Südkurve der Rhein-Neckar-Arena. Die Botschaft war unmissverständlich: "Die Krakeeler verlassen jetzt den Block", stand auf einem Transparent, das die Boykotteure in die Höhe hielten.
"Krakeeler" ist ein Zitat von Mike Diehl. Der Fanbeauftragte hatte nach dem Auswärtsspiel beim 1. FC Köln das Verhalten einiger "Hoffe"-Fans im Zug moniert. "Krakeeler" seien dabei gewesen, schrieb Diehl in einer Mail an den Fanverband. Das Wort "Krakeeler" kam gar nicht gut an in der Szene. "Ein Sonderzug der HSV-Fans legt eineinhalb Stunden lang einen Bahnhof lahm. Bei uns macht man schon rum, wenn man Aufkleber irgendwo hin klebt", sagt Hartl und meint: "Wir sollen uns immer alles gefallen lassen."
Leidensfähig
Der Zwinger-Chef weiß es nur zu gut: "Hoffe"-Fans haben es nicht leicht. Und sie sind leidensfähig. Bei Auswärtsspielen reißt man ihnen die Schals vom Hals, auch tätliche Übergriffe bleiben nicht aus. Beleidigungen sind an der Tagesordnung: "Ihr seid alle gekauft", "Hurensöhne", "Wir bauen eine U-Bahn von Hoffenheim nach Dachau". Selbst bei Heimspielen sind die Anhänger nicht mehr sicher. Gegen Dortmund wurden Zuschauer angepöbelt und belästigt.
Gerd Feuchtenbeiner aus Bad Rappenau berichtet von "Dortmund-Hooligans", die zwei Plätze von ihm entfernt im Block C saßen. "Die haben ihr Bier die Tribüne runtergeschüttet, auf Leute, die da unten waren. Es fällt schwer, da ruhig zu bleiben." Eine Frau vom Zwinger-Club bekam die Tür vor der Nase zugeschlagen, als sie sich ins Auto setzte. Dass dann der eigene Verein das Leben noch schwer macht, macht wenig Mut.
Dem Fanprotest am Samstag schlossen sich gleich mehrere Fanclubs an. Auch der Zwingerclub war mit von der Partie. Der fühlt sich ohnehin nicht gut behandelt, vor kurzem musste er seinen Fancontainer vor dem Dietmar-Hopp-Stadion schließen - aus "fadenscheinigen Gründen", wie Torsten Hartl findet. "Jetzt müssen wir unsere Sitzungen in einer Gaststätte machen", sagt er .
Treffen
Dass die Zuschauer zu Wegschauern werden und "Hoffe" die kalte Schulter zeigen, das ist nicht im Interesse des Bundesligisten. Deshalb soll es am 10. Dezember einen runden Tisch geben - mit den Vereinsverantwortlichen, den Fans und der Polizei.
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