Maric auf dem Weg zum Fußballlehrer (09.11.2009)

Interview - Am Samstag sauste er in der Schlussphase des Bundesligaspiels zwischen 1899 Hoffenheim und dem VfL Wolfsburg schnell die Seitenlinie entlang, um den Einwechselspielern als Assistenztrainer letzte Anweisungen zu geben. Seit gestern ist Tomislav Maric wieder in Köln, um seine Ausbildung zum Fußballlehrer fortzuführen. Lars Müller-Appenzeller hat sich mit dem gebürtigen Heilbronner unterhalten.



Herr Maric, wie läuft Ihre Ausbildung?

Tomislav Maric: Wie in jeder Schule muss man halt viel lernen. Man tauscht sich mit den anderen Lehrgangsteilnehmern aus, die ja zum Teil schon als Trainer im Verein arbeiten. Da lernt man viele neue Sichtweisen kennen.



Konnten Sie Erkenntnisse schon bei 1899 Hoffenheim einbringen?

Maric: Man versucht sich täglich einzubringen.



Hat sich die Zusammenarbeit mit Cheftrainer Ralf Rangnick verändert, seit Sie den Lehrgang machen? Halten Sie mal eine Trainingsform an und sagen zu den Spielern: Ihr hättet das jetzt so und so machen sollen?

Maric: Natürlich halte ich keine Übungsform an und unterbreche das Training. Ralf Rangnick ist Cheftrainer und er entscheidet. Aber klar gibt man Spielern Tipps und Ratschläge, in welcher Situation sie eventuell etwas anderes hätten machen können.



Die Berufsaussichten sind vielversprechend, wenn die jungen Kollegen Tuchel, Oenning, Herrlich und Babbel Bundesligisten trainieren, oder?

Maric: Über solche Sachen mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Ich bin froh, dass wir bei 1899 Hoffenheim in den vergangenen drei Jahren so eine Entwicklung genommen haben und bin sehr glücklich, dass ich in diesen drei Jahren sehr viel lernen konnte. Wichtig ist erst einmal ein Sieg am nächsten Spieltag - und dass ich Ende März meinen Fußballlehrer bestehe. Der Fußball ist sehr schnelllebig, da sollte man sich die Ziele immer Schritt für Schritt setzen.



Wie anspruchsvoll ist so eine Ausbildung, körperlich und mental?

Maric: Ich war 16 Jahre Fußball-Profi. Aber das war schon eine Umstellung für mich. Es ist anstrengend, weil vieles für mich neu ist. Die Frage ist immer, wie man das anpackt: Ich kann jeden Tag rummosern, oder ich sage, wie es mein Naturell ist: Ich freue mich auf die Aufgabe und gehe die Schule positiv an, auch wenn es anstrengend ist.



Wie viel Zeit verbringen Sie auf dem Platz, wie viel im Hörsaal?

Maric: Bis 16.30 Uhr sitzen wir im Hörsaal, viel läuft in Gruppenarbeit. Anschließend wird das Gelernte auf dem Trainingsplatz umgesetzt.



Gibt es Hausaufgaben?

Maric: Man schreibt Berichte über die Arbeit im Praktikum und muss halt schauen, dass man immer auf dem Laufenden ist. Du musst schon jetzt viel lernen, damit du nicht kurz vor den Prüfungen vor einem zu großen Berg stehst.



Sie haben in Hoffenheim ausgezeichnete Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen. Spricht man da mal einen Kollegen an wie den Sportpsychologen Hans-Dieter Hermann?

Maric: Es ist völlig normal, dass ich mir die Meinung meiner Kollegen in Hoffenheim einhole.



Mit welchem Lehrgangskollegen verstehen Sie sich am besten?

Maric: Grundsätzlich ist die Gruppe sehr intakt, jeder kommt mit jedem gut klar. Und jeder hat seine individuelle Stärke.



Wie viele Fehlzeiten haben Sie?

Maric: Ich habe ein Mal gefehlt: Da war DFB-Pokal unter der Woche.

Was glauben Sie: Kommt Ihr Stuttgarter Ausbildungs-Kollege Markus Babbel mit seinen Fehlzeiten hin?

Maric: Da habe ich zu wenig Einblick.



Aber es wird im Lehrgang doch bestimmt über Markus Babbel gesprochen, weil er ein Beispiel ist, wie weit es ein Kursteilnehmer bringen kann.

Maric: Ich denke schon, dass jeder Fußballlehrer davon träumt, einmal in der zweiten oder ersten Liga zu arbeiten. Aber dafür braucht es Reife, Glück und natürlich Qualität. Ich mache mir keine Gedanken, was in ein paar Jahren sein könnte. In meiner Profikarriere habe ich es mir abgewöhnt, mir Zeitfenster zu setzen - Ziele natürlich schon.



Haben Sie einen besonderen Blick auf die Unterländer Fußballszene?

Maric: In den vergangenen fünf, sechs Monaten hatte ich nicht so viel Zeit, weil ich eben viel in Köln bin. Aber sicherlich habe ich da ein Auge drauf. Ich hoffe, dass es der Heilbronner Fußball irgendwann einmal in die Regionalliga oder die 3. Liga schafft.



Mit Ihnen als Trainer?

Maric: (lacht) Sie hören mir nicht zu. Soweit schaue ich nicht in die Zukunft.




Zur Person: Tomislav Maric

Der 36-Jährige wurde in Heilbronn geboren. Er begann beim TSV Talheim mit dem Fußball. Über den VfR Heilbronn kam er in die Bundesliga. Seine beste Zeit hatte Maric beim VfL Wolfsburg. Im Januar 2006 unterschrieb der Stürmer beim Regionalligisten Hoffenheim. Nach dem Karriereende bekam er einen Anschlussvertrag im Trainerstab. red




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