Babbel neuer Trainer von 1899 Hoffenheim

Der neue Trainer von 1899 Hoffenheim, Markus Babbel (r), begrüßt den Klubmanager Ernst Tanner.  Uwe Anspach (dpa)
Fußball - Markus Babbel ist neuer Trainer bei 1899 Hoffenheim. Der Fußball-Bundesligist stellte den 39-Jährigen am Freitag offiziell als Nachfolger von Holger Stanislawski vor. Babbel war zuletzt Coach von Hertha BSC, musste dort aber wegen interner Unstimmigkeiten am 18. Dezember seinen Posten räumen. In Hoffenheim erhält er einen Vertrag bis 2014. Den Kontrakt soll Babbel nach dem Training am Freitag unterschreiben. Er wird sein neues Team bereits am Samstag beim Auswärtsspiel in Bremen betreuen.

„Er wird in erster Linie psychologisch tätig sein müssen“, sagte Manager Ernst Tanner. Die Mannschaft sei nach den Misserfolgen der vergangenen Wochen verunsichert. Hoffenheim war am Mittwoch im Viertelfinale des DFB-Pokals daheim 0:1 gegen Zweitligist Greuther Fürth ausgeschieden. Tanner räumte ein, es habe auch Kontakte zu anderen Trainern gegeben, persönlichen Kontakt aber nur zu Babbel.

„Es ist so, dass ich das Projekt Hoffenheim schon sehr lange kenne“, sagte Babbel und betonte: „Ich habe gehofft, dass der Stani die Kurve kriegt, aber leider hat es sich anders entwickelt. Für uns geht es neu los, wir wollen die Mannschaft wieder auf Kurs bringen und kurzfristig beeinflussen, damit sie morgen eine gute Leistung zeigt.“ Als Co-Trainer brachte Babbel Rainer Widmayer mit, er hatte dem Europameister von 1996 auch in Berlin assistiert. Babbel gastiert mit Hoffenheim am letzten Spieltag dieser Saison bei Hertha BSC. Die Berliner haben mittlerweile akute Abstiegssorgen.

Entlassung

Die Entlassung Stanislawskis am Donnerstag war der fünfte Trainerwechsel der laufenden Erstligasaison.

 

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„Wir schätzen Holger Stanislawski als Menschen und als fachkundigen Trainer. Doch nach einem langen, konstruktiven Gespräch mit ihm sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, die Zusammenarbeit im Interesse aller Beteiligten zu beenden“, erklärte Manager Ernst Tanner in einer Pressemitteilung vom Donnerstag. „Die jüngsten sportlichen Entwicklungen waren hierfür sicherlich ausschlaggebend.“

Im Trainingszentrum in Zuzenhausen verlas Tanner später nur eine dürre Erklärung, wollte keine Fragen beantworten und bat um Verständnis: „Wir haben in zwei Tagen ein Bundesliga-Spiel in Bremen und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung.“

Babbel war ausgerechnet beim 1:1 in Hoffenheim am 17. Dezember zum letzten Mal Hertha-Trainer. Danach eskalierte der Streit mit Manager Michael Preetz um seinen zum Sommer 2012 geplanten Abschied aus Berlin. Die beiden bezichtigten sich öffentlich gegenseitig der Lüge, einen Tag später musste der Europameister von 1996 und 51-fache Nationalspieler gehen.

 

 

Dasselbe Schicksal ereilte nun Stanislawski. Der langjährige Coach des FC St. Pauli betreute 1899 erst seit Beginn dieser Saison und hatte ursprünglich einen Vertrag bis zum 30. Juni 2014. Die Hoffenheimer waren am Mittwochabend mit 0:1 gegen Fürth im DFB-Pokal-Viertelfinale ausgeschieden. Bereits am Samstag nach dem 2:2 gegen den FC Augsburg hatte Stanislawski heftig seine Spieler kritisiert und erste Zeichen von Resignation gezeigt. In der Liga holte sein Team aus den letzten zehn Spielen nur einen Sieg und gewann die letzten fünf Heimspiele nicht mehr.

Stanislawski scheiterte auch am mächtigen Mäzen Dietmar Hopp. Der Milliardär hatte einerseits einen Sparkurs ausgerufen. So wurden Leistungsträger wie Demba Ba, Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic verkauft. Andererseits wollte Hopp nicht länger mit ansehen, wie sich die Hoffenheimer, die enorm an Klasse verloren haben, allmählich zum Abstiegskandidaten entwickelten. Noch am 30. Januar hatte der SAP-Mitbegründer in einem „Kicker“-Interview gemahnt: „Wir müssen Geduld haben, das habe ich auch Stani gesagt. Und ich hoffe, Stani ist in acht Jahren noch hier.“

Fans feiern Stanislawski

Am Donnerstagmorgen bekam „Stani“, wie ihn auch in Hoffenheim alle nannten, von Tanner mitgeteilt, dass das Arbeitsverhältnis beendet ist. Da half auch die lautstarke Unterstützung der Fans im Pokalspiel nichts mehr: Als die Mannschaftsaufstellung vom Stadionsprecher ausgerufen wurde, da brüllten die Anhänger nach jedem Spieler-Vornamen: „Stanislawski!“

Auch nach der Niederlage riefen die Zuschauer nach dem 1899-Coach, der winkte um 20.53 Uhr noch einmal Richtung Südtribüne. Da ahnte er schon, dass er im Kraichgau keine Perspektive mehr hatte. Zumal Hopp seine Arbeit noch kurz vor der Partie öffentlich kritisiert hatte: „Ich sehe keine Linie im Spiel der Mannschaft, es ist keine Entwicklung zu erkennen.“

Stanislawski lobte am Mittwochabend noch sein Team für einen engagierten Auftritt, spielerisch war die Partie jedoch wieder einmal ein Armutszeugnis. Und so musste er als fünfter Trainer in der laufenden Bundesliga-Saison seinen Posten vorzeitig räumen.

In Hoffenheim ist nach dem Abgang von Erfolgscoach Ralf Rangnick vor gut einem Jahr keine Kontinuität eingekehrt: Nach Marco Pezzaiuoli scheiterte nun der volksnahe Stanislawski, der dem Retortenclub Seele und Leidenschaft einhauchen sollte. Mit dem Cheftrainer verlassen auch seine Assistenten André Trulsen und Hans-Peter Nemet den Club. sid/lsw

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