1899 Hoffenheim: Hopp will sich von Rangnick nicht erpressen lassen

Von Eric Schmidt und Ulrike John


Fussball - Dietmar Hopp kam nicht zur Ruhe. Eigentlich wollte der Mäzen von 1899 Hoffenheim am Sonntagnachmittag gemütlich 18 Loch in seinem Golfclub in St. Leon-Rot spielen, doch immer wieder funkte auf dem Fairway sein Handy dazwischen. „Mein Telefon steht nicht mehr still“, erklärte der 69-Jährige gegenüber der Heilbronner Stimme.

Zwölf Spiele in Folge sieglos, Absturz vom ersten auf den neunten Tabellenplatz und nun auch verbale Scharmützel in der Führungsetage des Vereins: Beim abgewrackten Herbstmeister der Fußball-Bundesliga hängt vier Spieltage vor Saisonende der Haussegen schief. Dabei liegen sich vor allem Hopp und Ralf Rangnick in den Haaren. Nach der 0:4-Pleite beim VfL Wolfsburg ging der Trainer zu seinem Club und Arbeitgeber erkennbar auf Distanz.

Forderungen

„Mit Mittelmaß kann ich mich nicht identifizieren. Ich bin nicht bereit, weitere Rückschritte in Kauf zu nehmen“, sagte der 50 Jahre alte Coach nach der höchsten Saisonniederlage und beklagte, dass ihm für die gewünschten sechs bis sieben Neuzugänge bisher nur zehn Millionen Euro genehmigt worden seien: „Selbst Hannover 96 hat mehr Geld. Profis mit Qualität kommen nun mal nicht nicht wegen der guten Landluft nach Hoffenheim. Meine Vorgabe war, dass ich Hoffenheim in die 1. Liga führen sollte. Mir wurde gesagt: Dann geht es richtig los.“

Dietmar Hopp reagierte verwundert auf Rangnicks Aussagen. „Ich weiß nicht, was das soll. Und ich lasse mich nicht erpressen. Ich lasse mich durch den Ehrgeiz von anderen nicht zu halsbrecherischen Aktionen verleiten. Es ist der falsche Zeitpunkt, wenn der Trainer nach solch einer Vorstellung sein Bleiben in Frage stellt“, sagte der 69-Jährige, der Rangnick keinen Blankoscheck zur personellen Aufrüstung ausstellen will: „Der Etat muss in erster Linie wirtschaftlich ausgewogen und sinnvoll sein.“ Dass überhaupt Zahlen in die Öffentlichkeit geraten seien, sei sehr ärgerlich. Und Ralf Rangnick empfahl er: „Ich denke, der Trainer ist jetzt gut beraten, wenn er seine Arbeit macht. Wir haben seit zwölf Spielen nicht gewonnen. Dies zu ändern, das ist seine Aufgabe. Wir sind die schlechtestes Rückrundenmannschaft. Wenn es so weitergeht, steigen wir nächste Saison ab.“

Ob Rangnick dann aber noch Trainer sein wird? Am Donnerstag, bei der Pressekonferenz vor dem Wolfsburg-Spiel, wunderten sich einige Journalisten über sein offenkundiges Desinteresse, als Manager Jan Schindelmeiser über die Zielsetzung für kommende Saison sprach. Mehrfach hatte der „Hoffe“-Coach gelangweilt in Richtung Fenster geschaut. Dass er sich konkret mit Wechselgedanken getragen habe, bestritt Rangnick allerdings, meinte aber: „Wir kommen jetzt in Bereiche, wo Gefühle nicht mehr ausschlaggebend sind.“ Derzeit konzentriere er sich ausschließlich auf Hoffenheim: „Ich befasse mich mit nichts anderem, so lange ich das Gefühl habe, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Ob ich das Gefühl habe, wird man in den nächsten sechs Wochen sehen.“

Gesprächsbedarf

Hopp will sich mit Rangnick nun zu einem klärenden Gespräch zusammen setzen. „Der Trainer hat Vertrag bis 2011. Ich gehe davon aus, dass er diesen Vertrag erfüllen wird“, sagte der Mäzen. Dass er Kontakt zu anderen Trainern habe - etwa zu Jürgen Klinsmann, mit dem er freundschaftlich verbunden ist -, dementierte er gegenüber unserer Zeitung energisch: „Das ist Quatsch.“



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