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Hoffenheimer Simunic litt an Depressionen

Sinsheim - Abwehrspieler Josip Simunic vom Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim hat in seiner Profikarriere mit Depressionen zu kämpfen gehabt. „Ich wollte mit Fußball aufhören. Ich war stark depressiv, körperlich am Ende. Zum Teil habe ich sieben Tage am Stück keine Minute geschlafen“, sagte der kroatische Nationalspieler in der „Sport Bild“ über seine Zeit beim Hamburger SV und bei Hertha BSC.
Sein damaliger Mentaltrainer Gerd Driehorst macht die Schwere der Erkrankung deutlich. Simunic habe jeden Tag Versagensängste und Selbstzweifel gehabt: „Ein Fehlpass im Training reichte, und er war am Boden zerstört, hat alles infrage gestellt. Er hat sich selbst
zerfleischt.“
Simunic sprach nicht darüber, wie es ihm heute geht, forderte aber mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander: „Jeder sollte kapieren, dass auch wir Sportler Menschen aus Fleisch und Blut sind. Und dass auch wir Schwächen haben.“ Nach Angaben von Driehorst hat der 31-Jährige 2001 gesagt, in sechs Jahren spiele er definitiv kein Fußball mehr. „Jetzt tut er es doch. Und das als zweimaliger WM- und EM-Teilnehmer nicht ganz unerfolgreich.“
Mentale Stärke sei ein „trainierbarer Muskel“ und Prävention wichtig. „Wie bei der Impfung muss man den Bereich immunisieren, um nicht angreifbar zu sein“, sagte Driehorst und übte Kritik an der mangelhaften Betreuung von Profis durch die Klubs: „Was in der Bundesliga im Bereich Mental-Training passiert, ist Kapitalvernichtung.“ Durch die zu geringe mentale Betreuung würden Millionen Euro „verbraten“.
Simunic ist der erste derzeit noch aktive Bundesliga-Spieler, der öffentlich macht, dass er unter Depressionen gelitten hat. Ex-Bayer-Profi Sebastian Deisler galt vor dem Selbstmord von Hannovers Nationaltorwart Robert Enke vergangene Woche als prominentester Fall im Profigeschäft. Auch der frühere Münchner Michael Sternkopf hat jetzt bekannt, dass er eineinhalb Jahre Psychopharmaka genommen hatte.
Einnahme von Antidepressiva seit 2006 verdreifacht
Die Einnahme von Antidepressiva im Hochleistungssport hat sich seit 2006 verdreifacht. Das geht aus einer Studie der Sporthochschule Köln hervor. Nach einem Bericht der Sport Bild verheimlicht zudem ein Drittel der Sportler die Einnahme von Psychopharmaka. „Immer mehr Sportler können den mentalen Druck nicht verarbeiten und greifen zu Antidepressiva. Das ist nachgewiesen“, sagte Professor Mario Thevis.
Thomas Nickel, Leiter der psychiatrischen Ambulanz im Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, macht auf die Schwierigkeiten der Behandlung von Sportlern aufmerksam: „Man kann sie nicht einfach mal zwei Wochen krankschreiben. Dann fragt jeder sofort, was mit demjenigen los sei.“ lsw/sid
18.11.2009
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