Paukenschlag in Öhringen: Trainer-Duo verlässt die TSG

Fußball  Marius Müller und Dirk Sinzinger sind beim Hohenloher Verbandsligisten zurückgetreten. Zwei Spieler, die von den Trainern suspendiert werden sollten, spielen eine besondere Rolle in der aktuellen Situation.

Von Marc Schmerbeck

Paukenschlag in Öhringen

Dirk Sinzinger (links) und Marius Müller sind am Montagabend als Trainerduo des Verbandsligisten TSG Öhringen zurückgetreten. Foto: Marc Schmerbeck

 

Die Situation hat eine Eigendynamik entwickelt, die nicht mehr zu stoppen war. Marius Müller und Dirk Sinzinger gaben vergangenen Freitag der Mannschaft bekannt, dass sie nach dieser Saison bei der TSG Öhringen als Trainerduo Schluss machen würden. Die Rückrunde wollten sie aber noch mit aller Konsequenz angehen und idealerweise mit dem Verbandsliga-Klassenerhalt abschließen.

Um dieses Ziel zu erreichen, planten sie eine am Ende schwerwiegende Personalentscheidung. Sie forderten die Suspendierung beziehungsweise den Rauswurf zweier Spieler. Einer davon wird in der Rückrunde aus beruflichen Gründen nur noch bedingt zur Verfügung stehen. Was am Freitagabend dann mit Diskussionen begann, endete am Montagabend mit dem Rücktritt des Trainerteams.

"Wir hätten es im Vorfeld lösen, in der Vorrunde ein deutlicheres Zeichen setzen müssen", sagt Abteilungsleiter Michael Carle. "Das müssen wir uns alle vorwerfen. Sonst hätten wir jetzt eine ruhige Vorbereitung. Aber es ist auch ein schmaler Grat."

Es gab Sanktionen für zwei Spieler

Die beiden Spieler waren in der Vorrunde immer wieder disziplinarisch verhaltensauffällig geworden. Beide wurden von Seiten des Trainers öfter zum Gespräch gebeten, sanktioniert und teilweise aus dem Kader gestrichen. Die Maßnahmen fruchteten nicht so, wie es sich Müller und Sinzinger erhofft hatten. Kurz nach dem Jahreswechsel leisteten sich die beiden Spieler weitere Verfehlungen, die das Vertrauensverhältnis zum Trainerteam völlig zerstörten. Müller/Sinzinger fühlten sich hintergangen, wollten deshalb nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten, wollten, dass sie zumindest aus dem Verbandsliga-Kader gestrichen werden.

Der Verein trug in den ersten Vorgesprächen die Entscheidung bedingt mit. Als bei der Verkündung ein großes Raunen durch die Mannschaft ging − sich einige Spieler hinter ihre Kameraden stellten und gegen die scheidenden Trainer und wieder andere verunsichert waren − vermissten Müller/Sinzinger den Rückhalt von Seiten der Abteilungs- und Sportlichen Leitung. Es gab kein klares Bekenntnis zum Rauswurf, die Entscheidung wurde vertagt. Ein weiteres Problem: "Es wurden nicht alle Informationen an die Mannschaft weitergegeben", sagt Müller. Anscheinend gab es in der ganzen Geschichte einige Kommunikationsprobleme.

Diskussionen unter den Spielern, aber auch zwischen den Verantwortlichen und dem Trainerteam waren die Folge. Müller/Sinzinger fassten über das Wochenende schließlich den Entschluss, dass es am besten sei, wenn sie zurücktreten. Ihre Position war bereits deutlich geschwächt. "Das Vertrauensverhältnis zu einigen Spielern war nicht mehr da, so dass aus unserer Sicht keine Basis mehr für eine erfolgreiche Rückrunde bestand. Wir wollten lieber den Weg für neue Impulse durch einen neuen Trainer frei machen", sagt Müller.

Neuer Trainer spätestens zum Trainingslager

Noch haben die TSG-Verantwortlichen keinen konkreten Plan B. Spätestens bis zum Traningslager Anfang Februar sollte aber eine Lösung gefunden sein, damit eine vernünftige Vorbereitung möglich ist. Der Verein hätte nach vielen Diskussionen und Überlegungen mit dem Duo weitergemacht. "Wir wollten versuchen, die Mannschaft und die Trainer wieder zusammenzuführen", sagt der Sportliche Leiter Jürgen Birkert. Die Situation war aber zu verfahren. Zu retten gab es nichts mehr. "Weil wir aber mit den Trainern weiterarbeiten wollten, gab es noch keine Gespräche mit möglichen Nachfolgern", sagt Birkert. Er steht jetzt unter Zugzwang.

"Wir hoffen, dass sich die Unstimmigkeiten in der Mannschaft wieder klären und das Team wieder weiter zusammenrückt", sagt Müller. "Der Abschied nach der bislang so erfolgreichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit fällt mir schwer. Aber aus unserer Sicht hat der Verein nicht mehr mitgezogen. Aber jetzt sind wenigstens der Druck und der Stress weg. Wir stehen zu unseren Prinzipien, das Verhalten von einigen ist einfach nicht verbandsligatauglich. Wenn ich da nur an die Wochenendausflüge einiger Spieler denke."

Abteilung muss Lehren aus der Geschichte ziehen

Die TSG-Verantwortlichen hatten nach den Gesprächen am Freitag zunächst schlichtweg Angst, auch noch einige andere Spieler zu verlieren und bezogen deshalb keine klare Stellung. Dadurch hingen beide Seiten in der Luft. "Ingesamt bedauere ich, wie alles abgelaufen ist. Ich würde am liebsten die Zeit zurückdrehen.Wir müssen jetzt aber die Lehren daraus ziehen", sagt Birkert. "Eine ist, dass man nicht zu sehr auf Einzelmeinungen hören sollte. "

So waren es nur wenige Spieler, die sich gegen die Trainer aussprachen. Die anderen reagierten aber zu passiv. Stärkten dem Coach nicht den Rücken. Auch sie unterschätzten die Situation und die Eigendynamik, die daraus entstehen würde wohl. "Wir wären sicher nicht da, wo wir sind, wenn Marius und Dirk keine gute Arbeit geleistet hätten", sagt Carle. "Und auch jetzt lief zwischen uns alles fair und sachlich ab."