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Zum Sieg gibt"s eine Wellness-Reise obendrauf

Von Oliver Färber

Forchtenberg - Wer in die alte Kelter nach Ernsbach kommt, bekommt sofort einen Platz. War beim Halbfinal-Spiel des deutschen WM-Teams gegen Spanien der Raum noch proppenvoll, bleiben diesmal einige Ränge leer. "Bisher hatten wir immer mindestens 200 Zuschauer ", berichtet Rolf Marmein, zweiter Vorsitzender des SSV Ernsbach.

Der Verein hat mit der evangelischen Kirchengemeinde und den Landfrauen zum gemeinsamen Fußballschauen eingeladen. Das Ernsbacher Motto, das von den Plakaten prangt, heißt "Anstoß zur Hoffnung".

Trotz der geringen Besucherzahl herrscht in der Kelter Stadionatmosphäre. Das liegt vor allem daran, dass es eine richtige Tribüne gibt. So kann jeder über seinen Vordermann blicken, dann beginnt das Spiel. Einige stehen zur Nationalhymne auf und singen mit. Applaus und Jubel beim Anpfiff. Dann wird es ruhig in der Kelter. Anfeuerungsrufe? Eher Fehlanzeige.

Zeit für Marmein, zu seinem Ringbuch zu greifen. Für einen Euro konnte jeder Zuschauer einen "Expertentipp" auf das Spiel abgeben, am Ende gibt es Preise, die Firmen gestiftet haben. "38 haben getippt, davon zwei auf Uruguay", sagt Marmein kommentarlos.

Das erste Tor für Deutschland fällt. Nur wenige hält es auf den Bänken. Ein paar Mädchen in der ersten Reihe tanzen. Aus den Lautsprechern ertönen die ersten Takte von "Seven Nation Army" von The White Stripes. Sie werden mitgegrölt. So groß die Freude, so groß die Enttäuschung wenig später, als in der 27. Minute Uruguay ausgleicht. Gesichter werden in den Händen vergraben. Wieder Stille.

In Südafrika fällt der Regen, in Ernsbach tropft der Schweiß. Inmitten der dicken Kelter-Mauern ist es zwar nicht so heiß, dafür steht die Luft. Den Jungs in der ersten Reihe wird es langweilig, sie diskutieren lieber über etwas anderes.

Während andere sich in der Halbzeit erfrischen, bleibt Walter Schäfer auf seinem Platz. "Wenn Deutschland spielt, bin ich dabei. Trotz meines Alters", erklärt der 84-Jährige. Er ziehe die Kelter dem heimischen Sofa zum Fußballschauen vor: "Hier ist mehr Leben drin, mehr Euphorie. Da lebt man auf." 3:1 tippt der Ernsbacher auf die Deutschen.

Der Ball rollt wieder. Uruguay geht 2:1 in Führung. "Was?", schreit ein Junge in den Raum und kann es kaum glauben. Der Ausgleich für Deutschland kommt für alle überraschend. Die Freude ist groß, die Leute beruhigen sich lange nicht. Ein Junge bläst in seine schwarz-rot-goldene Vuvuzela. Die ist erst wieder in der 83. Minute zu hören. Tor für Deutschland! Es steht 3:2, alle sind aus dem Häuschen.

Die Deutschen haben gewonnen, und die Ernsbacher Werner Bergert und Wilhelm Schuster haben es ihnen gleichgetan. Sie hatten richtig getippt und dürfen sich vom stressigen Fußball-Schauen bei einem Wellness-Wochenende erholen.

Zum Sieg gibt"s eine Wellness-Reise obendrauf
In Ernsbach schreit eine Zuschauerin ihre Freude heraus.Foto: Oliver Färber 
12.07.2010


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