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Frust und Freude hinausgebrüllt
Von unserem Redaktionsmitglied Kathrin Baumann
Eishockey - Klack, klack. Zwei Mal klopfen die Eishockey-Fans am Heilbronner Hauptbahnhof auf ihre Bierdosen, öffnen sie zischend, stoßen an. Auf einen spannenden Freitagabend in Bietigheim, auf die Falken, auf den Sieg. Ihre weiß-blau-roten Trikots heben sich vom Bahnhofsdunkel ab. Als der Zug einfährt, beschäftigt die rund 70 Heilbronner vor allem eines: Wie viele Fans werden den Erzrivalen Bietigheim Steelers unterstützen? Ein paar Dosen Bier später lösen sich die Grübeleien in Gelächter auf, die Stimmung ist gelöst. Um kurz vor sechs hält der Zug in Bietigheim-Bissingen.
Nebel
Der Weg vom Bahnhof zur Eishalle im Ellental ist in Nebel getaucht. Stefan Speckner und Katharina Link überkommt ein mulmiges Gefühl, als sie die Wegbiegung passieren, an der beim 4:2-Derbyauswärtssieg der Falken im November Heilbronner Fans auf dem Heimweg attackiert worden waren. Damals gab es Verletzte. "Wir hatten Angst beim letzten Mal", gibt Speckner zu. Die Gewaltausbrüche sind für ihn unverständlich. "Für mich beginnt und endet es in der Eishalle." Über die Sprüche und Schmähgesänge gegen die Bietigheimer wollen beide nicht sprechen, nicht, wenn es in der Zeitung steht. Nur so viel: "Die Sprüche sind extrem", sagt Katharina Link. Auch wegen der vielen Kraftausdrücke sind gemeinsame Eishockeyabende mit ihrem sechsjährigen Sohn selten geworden.
Aus der Halle dringt Musik, aus der Schlange der Wartenden hört man rhythmische Rufe: "Wir hassen Bietigheim!" Die 22-jährige Heilbronnerin Sabrina Schlief fühlt sich "nicht wirklich sicher", schaut sich immer wieder um. "Heute machen wir Stress" − diese Ankündigung kennen sie und Freundin Marion Herrmann gut, von beiden Seiten. "Direkt angesprochen wurden wir noch nicht", sagt Sabrina, aber sie berichtet von Steelers-Fans, die sie in ihren Heilbronner Trikots gesehen und laut überlegt hätten: "Sollen wir, sollen wir nicht?" Ging es um Provokationen, gar eine Prügelei? Ja, mutmaßt die zierliche Frau. Trotzdem, die Vorfreude auf das Spiel ist ungebrochen. Auch mitgrölen wollen beide, "nur die schlimmen Sachen nicht".
Die 15- und 16-jährigen Bietigheimer Nico, Daniel, Jannis und Janos machen derweil einen aufgekratzten Eindruck − Derby-Atmosphäre eben. "Das ist was anderes, mehr Stimmung, es ist aggressiver." Das Risiko lockt die Teenager. "Ein bisschen was muss schon sein, sonst ist es nicht so...", beginnt Daniel. Er stockt kurz. "Interessant", sagt er dann und grinst. "Wir wissen, wie die Stimmung ist − heiß", sagt auch Karin Schneider. Aus Murr ist sie mit ihrem 13-jährigen Sohn Yannick gekommen. Angst hat sie nicht. "Die viele Polizei ist für mich als Mutter beruhigend."
Jubel
Kurz darauf beginnt ein intensives Eishockeyspiel. Die streng getrennten Fangruppen singen, springen, schimpfen sich in Stimmung. Am Ende feiern die Heilbronner den 5:4-Erfolg mit "Super Falken Heilbronn" und "Hier regiert der HEC". Während die Gäste noch laut jubeln, verlassen die Steelers-Fans die Halle − frustriert und erschöpft. Es war ein friedlicher Abend.
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