Snooker: Ein neuer Erstligist in Heilbronn

Billard  Die TSG Heilbronn startet am Wochenende mit zwei Heimspielen in ihre Premierensaison in der höchsten deutschen Spielklasse. Doch auch in der Bundesliga ist Snooker nur ein Hobby.

Von Alexander Bertok

TSG-Premiere in der Snooker-Bundesliga
Soner Sari ist mit der TSG Heilbronn in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Ein Platz unter den Topteams ist für ihn durchaus realisierbar. Foto: Bertok

Poolbillard, das kennt wohl jeder. Viele haben es in ihrer Freizeit schon selbst das eine oder andere Mal gespielt, im Urlaub oder in einer Kneipe. Snooker, eine spezielle Variante dieses Präzisionssports, kennen viele dagegen nur aus dem Fernsehen.

Die erste Mannschaft der TSG Heilbronn hat sich im deutschen Snooker-Teamsport in der vergangenen Saison die Meisterschaft in der 2. Bundesliga erspielt, ist damit erstmals in der Vereinsgeschichte in die 1. Liga auf gestiegen.

An diesem Wochenende startet die TSG mit zwei Heimspielen im Billardzentrum des Vereinsheims Pfühlpark in die Saison 2017/2018. Am Samstag (14 Uhr) ist der Aachener Snookerclub erster Gegner. Sonntags wird ab 14 Uhr gegen den SC 147 Essen gespielt.

Zuversicht in Heilbronn

Nach dem souveränen Gewinn der Meisterschaft in Liga zwei im Frühjahr, geht die TSG Heilbronn mit viel Optimismus in die Premierenrunde der höchsten deutschen Spielklasse. "Können wir zu jedem Wettkampf in Bestbesetzung antreten, sind wir für Stuttgart sicherlich ein ernstzunehmender Gegner", zeigt sich Teamchef Pedro Chacon zuversichtlich. "Der BC Stuttgart 1891 ist amtierender Deutscher Meister und auch in dieser Saison der große Titelfavorit."

Um in der ersten Liga wettbewerbsfähig zu sein, wurde die Mannschaft verstärkt. Den bisherigen Topspielern Patrick Einsle und Soner Sari wurden in Richard Wienold und Ismail Türker zwei weitere Asse zur Seite gestellt.

"Mit diesem Team haben wir berechtigte Ambitionen vorne mitzuspielen", sagt Chacon. "Wir zählen uns zusammen mit Maien-Koblenz, Essen und Hannover zum Kreis der Konkurrenten für Stuttgart." Soner Sari spielt seit der Saison 2014/2015 für die Heilbronner. "Unser Ziel ist, unter die besten drei Teams zu kommen. Auch der Titel ist durchaus möglich", sagt der 28-Jährige BWL-Student.

Bundesliga als Hobby

Es auch mal als Profi auf der weltweit ausgetragenen Maintour zu versuchen, ist kaum realisierbar. "Dazu muss man finanziell in Vorleistung gehen, benötigt einen Sponsor. Aktuell gibt es in Deutschland nur einen Profi", erzählt Sari. Reich werden kann man im nationalen Snookersport nicht, das zeigt schon der Etat der TSG, der sich bis zum Saisonende im Mai auf 8000 bis 10.000 Euro belaufen wird. "Bundesliga, das ist Hobby. Was man dort verdient, reicht gerade mal um seine Unkosten zu decken. Snooker spielt man aus der Liebe zum Sport", sagt Chacon.

Das Auftakt-Wochenende ist für die Heilbronner gleich richtungsweisend. Gegen Mitaufsteiger Aachen ist ein Sieg Pflicht und nach dem Spiel gegen Essen weiß man schon in etwa, wo die sportliche Reise hingehen kann. Für die Heimspiele plant die TSG-Billard-Abteilung in ihren Räumlichkeiten im Untergeschoss des Vereinsheims eine kleine Fan-Tribühne aufzustellen. "Wir haben dann Platz für 30 bis 40 Zuschauer", hofft Chacon, dass es den ein oder anderen Interessierten in den Pfühlpark zieht.

Spielsystem mit Vierer-Mannschaften

Gespielt wird im Ligenbetrieb mit Vierer-Mannschaften, die in ein vorderes und ein hinteres Paar eingeteilt sind und sich mit dem Gegner in je zwei Spielen über Kreuz messen. Man pokert, auf welchen der vier Positionen die Akteure eingesetzt werden. Es wird taktiert. Lässt man seinen Topspieler auf eins oder auf drei antreten? "Bei der Aufstellung braucht man ein glückliches Händchen", erzählt Chacon.

Die TSG Heilbronn hat sieben Mannschaften im Spielbetrieb. Je ein Team in der 1. Bundesliga, Oberliga (3. Klasse) und Verbandsliga (4. Klasse). In der untersten Liga, der fünftklassigen Landesliga, spielen vier TSG-Teams, darunter eines bestehend aus Jugendspielern.

In der 1. Snooker Bundesliga spielen: TSG 1841 Heilbronn, BC Stuttgart 1891, SC 147 Essen, 1. Aachener Snookerclub, 1. DSC Hannover, 1. SC Mayen-Koblenz, Snooker-Fabrik Berlin, Snooker Ilmenau.

So funktioniert Snooker

Es gibt viele Kriterien, die den Snookersport vom bekannteren Billard unterscheiden. Auf den ersten Blick sind es die Maße der Spielflächen. Turnier-Poolbillardtische sind laut Norm 2,54 mal 1,27 Meter groß. Die Länge und Breite eines deutlich größeren Snookertisches betragen 3,556 mal 1,778 Meter. Zudem haben die Kugeln einen kleineren Durchmesser als beim Poolbilliard.

Beim Freizeit-Kneipenbillard geht es vereinfacht dargestellt darum, mit einem Stoß gegen die weiße Kugel die andersfarbigen Kugeln in eine der sechs Taschen zu befördern. Beim Snooker gibt es eine weiße, 15 rote sowie sechs andersfarbige Kugeln. Mit der weißen müssen jeweils abwechselnd eine rote (1 Punkt) und dann eine andersfarbige Kugel in der Reihenfolge gelb (2 Punkte), grün (3), braun (4), blau (5), pink (6) sowie schwarz (7) eingelocht werden.

Wobei die roten Kugeln in den Taschen verbleiben, während die andersfarbigen wieder an den Ursprungsort vor Spielbeginn platziert werden.

Die erreichbare Höchstzahl eines Durchgangs (Frame) beträgt 147 Punkte. Sieger im Bundesliga-Spielbetrieb ist der Spieler, der zuerst drei Frames gewonnen hat.