Ziehl-Abegg-Triathlon: 16-Jähriger läuft allen davon

Triathlon  Jakob Breinlinger aus Heidelberg gewinnt die Sprintdistanz beim 28. Ziehl-Abegg-Triathlon. Einen Neckarsulmer Sieg gab es bei den Frauen.

Von Marc Schmerbeck und Ranjo Doering


Die Routiniers mussten sich am Sonntag der Jugend beugen. Jakob Breinlinger lief allen davon. Der für St. Ingbert startende Heidelberger war beim Triathlon in Waldenburg nicht zu halten. Dem leichtfüßigen 16-Jährigen gelang über die Sprintdistanz (500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, fünf Kilometer Laufen) ein Start-Ziel-Sieg. „Das war ziemlich hart“, meinte Jakob Breinlinger trotzdem. „Am Anfang war es beim Laufen nicht so gut.“

Doch Moritz Bickel (Neckarsulmer Sport-Union) und Kevin Antoni (ETSV Lauda) liefen die Minute Rückstand nach dem Radfahren nicht mehr zu. „Er hat es schon richtig gemacht“, sagte Bickel anerkennend. Am Samstag erst war der Eberstädter beim Ligafinale am Schluchsee an den Start gegangen und holte dabei mit dem Neckarsulmer Landesliga-Team den Tagessieg. Das steckte ihm noch etwas in den Knochen. „Den Heimwettkampf muss man aber mitnehmen“, meinte er. 

Moritz Bickel und Waldenburg haben eine besondere Verbindung. Hier habe ich vor sechs Jahren mit 16 meinen ersten Triathlon gemacht. Damals noch mit dem Mountainbike“, sagte er. „Da bin ich dann infiziert worden.“ Seitdem startet Bickel regelmäßig in Hohenlohe. „Es hat Spaß gemacht“, meinte der Zweitplatzierte. Er hatte mit Antoni die Verfolgung auf den abschließenden fünf Laufkilometern aufgenommen. Bis auf 20 Sekunden schafften sie es zunächst zu verkürzen – viel mehr ging dann aber nicht. Breinlinger erreichte nach 59:43,9 Minuten das Ziel. Bickel war rund zehn Sekunden länger unterwegs.

Einsames Rennen

Breinlinger verblüffte schon im Wasser Routinier Markus Wiedemann (4.) – gewöhnlich der schnellste Schwimmer im Neumühlsee. Doch dieses Mal war der Heidelberger schneller und absolvierte ein einsames Rennen. „Ich war das erste Mal hier“, sagte der Sieger. „Für mich war es ein Vorbereitungswettkampf auf die deutschen Jugendmeisterschaften in zwei Wochen“, sagte er. Dort peilt Breinlinger einen Top-Sechs-Platz über die Sprintdistanz an. „Meine Trainerin meinte, ich soll vorher noch einen Wettkampf machen.“ Er entschied sich für Waldenburg, weil es nicht zu weit von Heidelberg entfernt ist. „Die Radstrecke ist anspruchsvoll. Vor allem der Berg gleich nach dem Schwimmen“, meint Breinlinger. Doch für ein Leichtgewicht ist das kein Problem.

 „Ich muss jetzt wohl langsam der Jugend den Vortritt lassen“, meinte Wiedemann. „Mit der Zeit kann ich zufrieden sein.“ 1:00,59 Stunden benötigte der 43-Jährige. Gegen die forsche Jugend reicht das aber nicht mehr. Vor allem nicht, wenn man das Jahr über in erster Linie für die Langdistanz trainiert. Erst vergangene Woche verpasste er beim Ironman in Frankfurt die Qualifikation für Hawaii nur knapp. „Für nächstes Jahr habe ich schon gemeldet.“

Neckarsulmer Sieg bei den Frauen

Aber das steckt natürlich in den Knochen. „Ich war schon auch etwas überrascht, dass da einer so beim Schwimmen wegzieht“, sagte er. 6:30 Minuten war Breinlinger im Wasser unterwegs, Wiedemann steig nach 7:25,6 Minuten aus dem Neumühlsee – die drittbeste Zeit. Antoni (7:14) war noch etwas schneller. „Beim Laufen habe ich Frankfurt dann schon noch gemerkt“, sagte Wiedemann. 

Einen Neckarsulmer Sieg gab es bei den Frauen durch Diana Langer (1:12,27). Sie war mit etwas Rückstand hinter Kerstin Pöhl (1:12,38) auf die Laufstrecke gegangen, zog nach drei Kilometern aber vorbei. „Es ist schön, mal wieder einen Gesamtsieg geholt zu haben. Das ist schon sechs Jahre her“, meinte sie. „Es war mein erster Triathlon dieses Jahr. Das war eine gute Premiere. Es ist aber ein tolles Event, sehr familiär und nicht so kommerziell.“ 

Die Algenplage im Neumühlsee, die im Vorfeld für Aufregung gesorgt hatte, war gestern kein Problem mehr. Umso erleichterter war dann auch Organisatorin Karin Bach. „Ich bin froh, dass doch alles geklappt hat“, meinte sie. 
 

Staffelrennen

Wie in jedem Jahr gab es auch dieses Mal in Waldenburg noch einen Staffelwettbewerb. Hier setzte sich das Team Ziehl-Abegg I (Anke Reschke, Stefan Wesemann, Christian Muth) mit einer Zeit von 1:02,533Stunden durch. Zweiter wurde das Berufskolleg Waldenburg – Tick, Trick und Daisy (Hanna May, Tobias Pöttger, Christian Werner/1:03,47) vor Team Förch II (Fabian Bruchmann, Klaus Heink, Sylvia Bach/1:03,48). Auf Rang vier landete Förch I (Sonja Schukraft, Marcel Bars, Michael Hölzle/1:04,21). Fünfter wurde Nerofit (Cosima Mücke, Christian Stecker, Till Federolf/1:04,29).

Insgesamt waren 41 Staffeln am Start, von denen mindestens eine Disziplin mit einer Frau besetzt sein musste und 219 Einzelstarter rund um Waldenburg unterwegs gewesen. Nachdem die Algenplage am Neumühlsee zunächst für verhaltene Voranmeldezahlen gesorgt hatte, war kurz nach der Entwarnung die Veranstaltung innerhalb von wenigen Tagen ausgebucht. Wie in diesem Falle üblich, musste Organisatorin Karin Bach daher einige Meldungen ablehnen. Da bleibt sie konsequent. Es würde sonst im See, aber auch auf einigen Streckenabschnitten zu eng werden. Für Triathleten, die nachmelden wollen, ist das bitter. Für die Starter gut, da die Bedingungen passen. 

 

 

Keine Bedenken beim Schwimmen im Neumühlsee

Keine Bedenken beim Schwimmen im Neumühlsee

Harter Wettkampf im Wasser: Rund 300 Einzelstarter und Staffelteams gingen beim Triathlon in Waldenburg an den Start.

Fotos: Ranjo Doering

Das Thermometer zeigt 22 Grad, die Sonne scheint und es geht ein leichter Wind − ideale Bedingungen für einen Triathlon. Rund 300 Einzelstarter und Staffelteams wuseln am Sonntagvormittag beim 28. Ziehl-Abegg Triathlon rund um den Neumühlsee, machen Dehn- und Fitnessübungen und bereiten sich auf die 500 Meter lange Schwimmdistanz vor.

Nichts deutet darauf hin, dass bis vor wenigen Tagen vom Baden im Waldenburger Natursee abgeraten wurde. Mitte Juni hatte das städtische Ordnungsamt noch eine hohe Belastung mit Blaualgen (Cyanobakterien)festgestellt. Anfang Juli wurde der See wieder freigegeben.

Die Sportler haben keine Bedenken wegen der Wasserqualität. Michael Scholl geht mit einem Staffelteam an den Start. Eine mögliche Algen-Belastung bereitet ihm keine Sorgen. "Es wurde ja alles gründlich untersucht und darauf verlasse ich mich", sagt der 46-Jährige aus Schwäbisch Hall. Scholl ist ein "alter Hase" beim Ziehl-Abegg Triathlon. Schon mehrmals war er mit einer Staffel dabei, im Einzelwettbewerb konnte er sogar schon gewinnen. Am Sonntag springt er als Trainer bei einem Jugendteam ein. Mit Nicklas (13) und Thorben (11) wagt er sich ins 23 Grad kalte Wasser.

Der Ziehl-Abegg Triathlon hat viele Fans

Keine Bedenken beim Schwimmen im Neumühlsee

Im Ziel angekommen: Michael Scholl mit Thorben (rechts) und Nicklas.

 Döring, Ranjo

Hanna May geht mit der Startnummer 337 ins Rennen. Die Sportlerin ist Teil des Staffelteams "Tick, Trick und Daisy" vom Berufskolleg Waldenburg. Sie gibt zu: "Vor zwei Wochen hatte ich noch Bedenken, als der See gesperrt war. Aber inzwischen hat es ja ordentlich geregnet. Deshalb sehe ich das jetzt ganz entspannt." May betreibt seit zehn Jahren Wettkampfsport, allerdings ist sie meistens in einem Schwimmbecken unterwegs. "Da findet man den See immer ein wenig eklig", sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Der Ziehl-Abegg Triathlon hat viele Fans. Einer von ihnen ist Jochen Heberlin aus Heilbronn. Der 61-Jährige ist froh, dass der Dreikampf in diesem Jahr stattfindet. "Ich hoffe, dass man für die Blaualgen-Problematik in Zukunft eine Lösung findet", sagt Heberlin.

Wie bei allen Badeseen üblich, führt das Gesundheitsamt weiterhin regelmäßige Beprobungen des Neumühlsees über die gesamte Badesaison hinweg durch, um die Güte des Wassers zu überprüfen.