TSG Hoffenheim: Was in der neuen Saison wichtig wird

Fußball  Die beste Saison der Vereinsgeschichte liegt hinter der TSG 1899 Hoffenheim. In der zehnten Spielzeit in der Bundesliga betreten die Kraichgauer nun erstmals die europäische Bühne. Was ist in der neuen Runde zu erwarten?

Von Florian Huber

Neuzugänge unter sich: Serge Gnabry (links) und Haverd Nordtveit. Foto: dpa

Vom Abstiegsrang in die Champions-League-Qualifikation: Hält der Nagelsmann-Effekt auch in dieser Saison an?

Viel weiter raufgehen kann es nicht mehr für die Kraichgauer. Realistisch betrachtet. Eine Stabilisierung auf Vorjahresniveau oder knapp darunter wäre eine große Leistung. Julian Nagelsmann ist ein genauso fordernder wie fördernder Trainer. Spannend wird sein, wie der 30-Jährige mit Misserfolgsserien umgehen wird. So etwas hat der Trainer des Jahres 2017 bisher weder als Jugend- noch als Profitrainer erlebt.

Wer soll die Abgänge von Niklas Süle und Sebastian Rudy kompensieren, die nach München gewechselt sind?

In den vergangenen drei Jahren hat kein Verein einen so großen Transferüberschuss erwirtschaftet wie die TSG Hoffenheim. Mit Havard Nordtveit wurde ein Süle-Nachfolger für die rechte Position in der Abwehr-Dreierkette gefunden. Allerdings könnte die TSG künftig häufiger wieder mit einer Viererkette in der Defensive agieren. Gesucht wird noch ein Sechser von internationalem Format: Der Fluch des Hoffenheimer Erfolgs besteht darin, bezahlbare Profis zu finden, die das hohe Niveau noch heben. Die kosten aber 15, 20 Millionen Euro. Beträge, die man in Hoffenheim nicht ausgeben mag. "Wir müssen jemanden finden, der die Qualität hat, uns auf der Sechserposition sofort zu helfen", sagt Nagelsmann.
 

Hoffenheims prominentester Neuzugang heißt Hansi Flick. Was soll der ehemalige DFB-Sportdirektor bei der TSG genau machen?

Der Verein will vor allem vom vorzüglichen Netzwerk des 52-Jährigen profitieren. Im Polsterstüberl von Hinterstoder (Österreich) sprach Flick während des Trainingslagers der TSG davon "Wenn-Dann-Strategien zu entwickeln, weil im Fußball immer gewisse Dinge passieren können." Als er in fragende Gesichter blickte, schob Flick nach: "Ihr braucht jetzt gar nicht zu fragen, was ich damit meine."

Man muss ja eigentlich auch gar nicht nachfragen, Flicks Worte sind selbsterklärend. Julian Nagelsmann wird den Club eines Tages verlassen. "Ich werde nicht sagen, bis zu welchem Datum ich in Hoffenheim bin, weil ich es selbst nicht weiß", sagt Nagelsmann, der seinen Kontrakt bis 2021 verlängert hat. Die branchenübliche Ausstiegsklausel dürfte wohl inkludiert sein. Flick ist daher als Headhunter gefordert, der den passenden Nachfolger am Tag X parat hat. Eins ist jetzt schon klar: Hansi Flick wird sich nicht noch einmal auf die Hoffenheimer Trainerbank setzen, so wie er das schon in den Jahren 2000 bis 2005 getan hat.
 

Wie will Hoffenheim die Europapokalbelastung bewältigen?

Die Wörter Doppelbelastung und Gefahr stehen bei der TSG Hoffenheim vor dem Saisonstart auf dem Index. Gebetsmühlenartig spricht Sportdirektor Alexander Rosen davon, "die Gefahr nicht über die Freude zu stellen." Der Kader ist mit rund 30 Spielern so groß wie seit Trainingsgruppe-Zwei-Zeiten nicht mehr. Nagelsmann will mehr rotieren lassen, um die 26, 27 Spiele dank Champions League oder Europa League in der Hinrunde mit Tempofußball zu meistern.
 

Wird Hoffenheim der Verein aus dem kleinsten deutschen Ort, der je in einer Champions-League-Gruppenphase stand?

Dafür muss die TSG die Hürde FC Liverpool nehmen. Man hatte als deutscher Vertreter in einem Playoff-Spiel schon weit niedriger zu springen. Allerdings könnte 1899 Liverpool ganz gut liegen. "Gegen Neapel hätte ich noch weniger gern gespielt", sagt Nagelsmann. Denn gegen spielstarke Teams wie München oder Dortmund sah Hoffenheim zuletzt immer gut aus. Netter Nebeneffekt der zwei größten Spiele der Clubgeschichte: Zum ersten Mal seit den zwei Abstiegsendspielen gegen den 1. FC Kaiserslautern 2013 laufen zwei Hoffenheimer Spiele im öffentlich-rechtlichen Live-TV, die Fußball-Republik schaut auf den Kraichgau: "Für die Wahrnehmung des Clubs ist das super", sagt Trainer Julian Nagelsmann.