Rugby wird dank den AMS Sevens immer bekannter

Rugby  Die NSU-Rugger werden am Montag im Rathaus empfangen. Der Bundesligaaufsteiger beginnt am Mittwoch mit dem Training.

Von Lars Müller-Appenzeller


Wenn ein Siebener-Rugby-Turnier zum siebten Mal stattfindet, dann ist das ein Jubiläum. Es wurde bei den „AMS Sevens 2017“, einem der größten Rugby-Turniere Europas, von Freitag bis Sonntag auf dem Eberwin-Sportgelände in Obereisesheim gebührend gefeiert. 30 Mannschaften aus Deutschland, Frankreich und Rumänien pflügten und flitzten an den drei tollen Tagen über die Spielfelder, erstmals waren es in Summe knapp 700 Sportlerinnen und Sportler – die am Sonntagvormittag auf dem Neckarsulmer Rossmarkt ausgetragenen ersten „AMS Junior Sevens“ sorgten für Zuwachs. Als Folge der olympischen Premiere des Siebener-Rugby vor einem Jahr in Rio de Janeiro?

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„Wir merken: Mehr Menschen wissen, wie das Spiel funktioniert“, sagte Organisator Dominik Hoffmann von der Neckarsulmer Sport-Union. Rugby-Abteilungsleiter Marcell Kapolla sagte es so: „Unser Sport wird bekannter – ob durch die Olympischen Spiele oder die jüngsten Erfolge der Nationalmannschaft.“ Umso cooler war das Aufwärmen der am Ende sieben Junioren-Teams aus fünf Vereinen am Sonntagvormittag mit drei gestandenen Nationalspielern, darunter Jacobus Otto vom Heidelberger RK.

Von Organisation beeindruckt

„Das sah richtig gut aus bei den Kids, sie hatten Spaß“, sagte der Star des Deutschen Rugby-Verbandes. Der aus Südafrika stammende Otto war das erste Mal in Obereisesheim dabei und war vom Drumherum, der Organisation und auch vom Sport beeindruckt: „Da sind ein paar gute Mannschaften dabei“, sagte der Muskelmann im Nationaltrikot.

Bei der Siebener-Variante des (zu-)packenden Kontaktsports sind eher drahtige und ausdauernde Athleten gefragt. Bei den Frauen waren die Schriesheim Finest das Maß aller Dinge, gewannen das Finale gegen StuSta München mit 31:0. Beim gut besuchten Finale der Männer führte der RK Heusenstamm nach den ersten sieben Minuten 21:0, am Ende war der SC Neuenheim mit 28:12 besiegt worden.

Und die Gastgeber?

Hielten sich spätestens in den entscheidenden Momenten zurück. „Wir sind immer sehr, sehr höflich“, flachste NSU-Trainer Mark Kuhlmann. Bei der 10:26-Halbfinalniederlage gegen Neuenheim habe man sich zu dumm angestellt, zu viele kleine Fehler gemacht. Im Spiel um Platz drei unterlagen die Gastgeber artig mit 12:54 gegen die Rudergesellschaft Heidelberg. „Siebener-Rugby haben wir nicht groß trainiert“, sagte Mark Kuhlmann. Der spielende Abteilungsleiter Marcel Kapolla ergänzte: „Dennoch spielen wir, um zu gewinnen.“ Ab dem ersten September-Wochenende wieder mit 15 Spielern im Ligabetrieb. 

Angesprochen auf den Trainingsbeginn am Mittwoch, lachte Marcel Kapolla und sagte: „Meine Sommerpause ist der Montag.“ Wobei die Mannschaft am Montag um 17 Uhr einen wichtigen Termin hat: Der Aufsteiger in die 1. Bundesliga wird im Rathaus von Oberbürgermeister Steffen Hertwig empfangen. Er wird bei dieser Gelegenheit mit Sicherheit vom einen oder anderen in ein Gespräch in Sachen Bundesliga-Spielstätte für die Saison 2017/18 verwickelt werden. Denn der Rossmarkt, beziehungsweise die dortige Umkleidesituation ist nicht gerade erstklassig.

Mark Kuhlmann hat in seiner Mannschaft zwei Abgänge aus Altersgründen, will das Team „punktuell noch ein bisschen verstärken und dann schauen, wofür das reicht“. Aus der eigenen Jugend kämen „ein bis zwei ganz interessante junge Kerle“ hinzu, besser wären vier oder fünf. Aber im Rugby ist der Übergang von der Jugend zu den Aktiven ungemein schwerer als im Fußball – Rugby ist viel körperlicher. Mark Kuhlmann hofft, dass sich die Basis seines Sports verbreitert. Rio hilft: „Im Gespräch mit Eltern ist Olympia schon ein Faktor.“ Das Jubiläum der AMS Sevens hilft auch.