Im Oberhaus angekommen: Rugby-Spieler der NSU sind erstklassig

Rugby  Die Neckarsulmer Sport-Union steigt nach dem 42:17-Sieg gegen Aachen in die erste Bundesliga auf, Erfolgstrainer Mark Kuhlmann bleibt an Bord - es gab am und um den Neckarsulmer Rossmarkt viel zu feiern.

Von Stephan Sonntag

Für einen Moment erinnerte Heinz Albers an Franz Beckenbauer anno 1990. Wie der Fußball-Teamchef nach dem WM-Titel, schritt der Wegbereiter des Rugbysports im Unterland nach dem Triumph gedankenverloren über den Platz. "Heute schließt sich ein Kreis. Das allererste Spiel unserer Rugby-Schul-AG war vor 16 Jahren in Heidelberg gegen Aachen. Einige Spieler von damals standen heute auch auf dem Feld und haben gegen Aachen den Aufstieg in die 1. Bundesliga geschafft", verriet der Obersulmer, was ihm durch den Kopf ging.

Um ihn herum war die Party schon in vollem Gange. In überzeugender Manier hatte die Neckarsulmer Sport-Union am Samstag die Kaiserstädter mit 42:17 (16:5) geschlagen. Mehr als 500 Zuschauer waren zum Rossmarkt-Sportplatz gekommen, um das Team auf seiner letzten Etappe zu unterstützen.

Die Taktik: gleich Gas geben

Und die hatten sich im Unterschied zum Halbfinale gegen Hausen eine Überrumpelungstaktik zurechtgelegt. "Wir wollten soviel Gas geben, dass die gar nicht wissen, was hier gerade passiert", erklärte Trainer Mark Kuhlmann. Die böse Überraschung für den Gegner gelang. Ein verwandelter Straftritt von Florian Lehmann − der sein letztes Spiel für Neckarsulm bestritt − und zwei Versuche durch Daniel Tully und Marcel Kapolla bescherten der Sport-Union nach 20 Minuten eine überraschend deutliche 16:0-Führung.

Die Blau-Schwarzen waren drauf und dran, diese Führung auszubauen, als ein leichtfertiger Ballverlust weit in des Gegners Hälfte die Gäste erstmals ins Spiel brachte. Den Gegenangriff schlossen die Aachener mit ihren ersten fünf Punkten zum 16:5-Halbzeitstand ab.

Viele Neckarsulmer Erfolge

Mit einem erneuten Blitzstart in den zweiten Durchgang erhöhten Kapolla und Tully auf 28:5. Aachen verkürzte nochmal auf 17:28, doch Brian Nyaude und der überragende Tully mit seinem dritten Versuch sorgten für den verdienten Endstand. "Heute gibt es keine Sperrstunde für euch", gab der NSU-Vorsitzende Rolf Härdtner seinen jüngsten Aufstiegshelden im Verein mit auf den Weg. Rugby, Handball, Fußball, Triathlon − in Neckarsulm reiht sich gerade Erfolg an Erfolg.

"Sportpolitisch sind die Möglichkeiten einfach besser als in Heilbronn. Hier durften die Jungs ihre Selbstständigkeit ausleben, die ich ihnen immer vermittelt habe", sagte Albers. Der Vereinswechsel von der TSG zur Sport-Union sei ein Erfolgsfaktor gewesen, der zweite sei der Trainer. "Marks Verpflichtung war ein Segen. Ich tauge als Vaterfigur, aber die Jungs brauchten auch einen bösen Wolf, der uns hier hoffentlich noch lange erhalten bleibt."

"Arbeit fängt jetzt erst an"

Isegrim Kuhlmann wurde da gerade von seinen Spielern in einer Ehrenrunde über den Platz getragen, holte sich dann einen innigen Siegerkuss bei seiner Frau Stephanie ab und setzte zwei verbale Achtungszeichen. Erstens: "Nächste Saison werde ich Trainer bleiben − so ist es mit dem Verein vereinbart. Die richtige Arbeit fängt jetzt erst an."

Für die 1. Bundesliga soll der Kader verbreitert, aber auch in der Spitze verstärkt werden. Zum Nulltarif − wie bisher meistens − wird das nicht möglich sein. Zweitens: "Mit zusätzlichen 50.000 Euro im Budget werden wir deutscher Meister", warb Kuhlmann für zusätzliche Sponsoren. Denn nachdem sich nun ein Kreis geschlossen hat, soll fortan ein neuer begonnen werden.

Neckarsulmer Sport-Union: Kapolla, Mascaró, Schumacher, Feucht, Nyaude, Sack, Alzogaray, Mannoury, D. Zamfir, Carter, Fleisch, Tully, Murphy, V. Zamfir, Koch, Vogt, Keskin, Kleinknecht, Vedric, Bauer, Abu Alfeilat.