Bibi bibbert mit Braga, José jubelt für Hoffenheim

Ittlingen  Für eine deutsch-portugiesische Familie im Kraichgau ist das Europa-League-Duell in Sinsheim kein Spiel wie jedes andere.

Von Florian Huber

Bruderduell: Abilio (links) und José Oliveira fiebern heute mit. Foto: privat

Es war der letzte Abend im Urlaub von Familie Oliveira/Merz im Norden Portugals. Der 10. Geburtstag von Leandro Merz wurde an diesem 24. August gefeiert, die portugiesische Verwandtschaft trudelte nach und nach ein. Vor der Feier waren etliche Geburtstagsgäste im Stadion. So wie immer eben, wenn der Sporting Clube de Braga spielt. Die Laune bei den Geburtstagsgästen passte, Sporting hatte sich mit einem 3:2 gegen FH Hafnarfjödur aus Island für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert.

Marco Merz, der Vater des Geburtstagskindes, gab den Propheten: "Braga trifft jetzt bestimmt auf Hoffenheim", sprach der Sportdirektor des Fußball-Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union am Tag vor der Auslosung der Europa-League-Gruppenphase. Einen Tag später, zurück in Deutschland, musste Marco Merz lachen, als der Nachrichtensprecher via Autoradio die Gruppengegner der TSG Hoffenheim verkündete und Braga natürlich dabei war.

Geographische und emotionale Nähe

Am Donnerstagabend (19 Uhr/Sky) kommt es nun zum Aufeinandertreffen im Kraichgau. Seit der Auslosung gibt es im Hause Oliveira/Merz natürlich kein anderes Thema als das Duell der beiden Clubs, zu denen der Familienclan eine geographische und emotionale Nähe hat.

"Das ist ein echtes Traumlos für die ganze Familie", sagt Abilio Oliveira, der mit Tanja, der Schwester von Marco Merz verheiratet ist, der wiederum hat Oliveiras Schwester Celeste geheiratet. Nun geht ein Riss durch den deutsch-portugiesischen Clan. Es ist ein kleiner, temporärer nur. Wenn es aber um den Lieblingsverein geht, dann kennt man eben keine Freunde und Verwandte. Die Oliveiras in Portugal halten zu ihrem SC Braga.

Die Oliveiras, die im Kraichgau in und um Ittlingen herum leben, sie fiebern mehrheitlich mit der TSG Hoffenheim. Gleich sieben Dauerkartenbesitzer gibt es in der Familie, José Oliveira ist einer von ihnen. Er sitzt am Donnerstagabend im Familienblock. Sein Bruder Abilio, also seine Familie, kann genau dort nicht dabei sein. "Ich darf da in meinem Braga-Trikot nicht rein", sagt Abilio Oliveira, den alle nur "Bibi" nennen. Mit einem Cousin wird der Braga-Anhänger die Partie aus dem Gästeblock verfolgen.

Familienausflug mit 13 Fans

Beim Familienausflug sind insgesamt 13 Fans dabei. "Ich mag Hoffenheim, aber mein Herz schlägt für Sporting Braga. Ein 0:0 wäre für uns schon ein Erfolg", sagt der Selbstständige, der in Kirchardt-Bockschaft lebt und einst bei der SG Kirchardt in der Landesliga spielte, später dort Co-Trainer war.

Abilio wurde vor 47 Jahren in Guisande geboren, acht Kilometer von Braga entfernt. Im Alter von sechs Monaten ging es dann nach Deutschland. Als Teenager lebte Oliveira in Portugal und kickte einst für die Jugend des SC Braga. "Das ist einfach mein Herzensclub", sagt Bibi Oliveira, der jedes Braga-Spiel via TV verfolgt. Nun hat er heute Abend einen fast so kurzen Anreiseweg zum Stadion wie in Portugal. Ein Auswärtsspiel daheim, praktisch vor der Haustüre.

Ehrenplatz für Souvenir-Schal

Abilio Oliveira freut sich heute besonders auf eins: Auf den Souvenir-Schal, dessen eine Hälfte Hoffenheim-Blau ist, die andere Braga-Rot. "Ich sammle die, dieser Schal bekommt sicherlich einen Ehrenplatz", sagt er. Ist ja schließlich eine Art Familienschal.

Die blau-roten Freundschaftsschals werden noch einmal zum Einsatz kommen. Beim Rückspiel am 23. November im Norden Portugals, wenn die TSG Hoffenheim im imposanten Estádio Municipal de Braga gastiert, das über nur zwei große Tribünen verfügt, weil es inmitten von Felsen erbaut wurde. "Da werden wir eine große Kraichgauer Reisegesellschaft mit vielen Hoffenheim-Fans sein, die Flüge sind bereits gebucht", sagt Abilio Oliveira.