Anna Bühler jubelt über EM-Silber

Leichtathletik  Die Weitspringerin aus Forchtenberg strahlt bei der U23-Europameisterschaft in Polen nach 6,50 Meter und lässt sich mit der Deutschland-Fahne feiern.

Von Stefanie Wahl

Anna Bühler. Foto: Archiv/Veigel

Was für eine knappe Entscheidung: Nur sechs Zentimeter haben Anna Bühler von der ULG/TG Forchtenberg am Sonntagnachmittag zur Goldmedaille bei den Europameisterschaften der U23 in Bydgoszcz gefehlt.

Die 20-jährige Weitspringerin ist mit 6,50 Meter im sechsten und letzten Versuch zunächst in Führung gelegen, dann aber hat die Französin Yanis David nachgezogen und Bühler mit 6,56 Meter noch Rang eins samt Gold weggeschnappt. Die Beste aus der Qualifikation am Samstag, die Ukrainerin Maryna Bekh ist enttäuschte Dritte geworden (6,48 Meter).

Anna Bühler: "Ich bin total erleichtert" 

Anna Bühler aber hat der Europameisterin nicht nur als Erste fair mit einer Umarmung gratuliert, sondern eine Deutschland-Fahne ausgepackt, sich diese um ihre schmalen Schultern gelegt und für die Fotografen posiert. Das schöne Gefühl, eine internationale Medaille um den Hals gelegt zu bekommen, kennt die Hohenloher Sportlerin des Jahres bereits, denn 2015 ist Anna Bühler bei der U20-Europameisterschaft im schwedischen Eskilstuna ebenfalls Zweite geworden. „Ich bin total erleichtert und froh, dass es noch zu einer Medaille gereicht hat“, sagte Anna Bühler nur wenige Minuten nach der Siegerehrung. „Meine Gefühle kann ich gar nicht so recht beschreiben, es war ein Auf und Ab.“ 

6,62 Meter in der Qualifikation 

In der Qualifikation von Bydgoszcz hatte die Lehramtsstudentin, die seit Jahren von der Sporthilfe Unterland Heilbronn-Hohenlohe unterstützt wird, mit Wind unterstützten 6,62 Meter als Zweite überzeugt – und auch im Finale waren die Bedingungen unterschiedlich. Das hat besonders die Belgierin Hanne Maudens zu spüren bekommen. Sie schied nach zwei ungültigen Versuchen mit 6,12 Meter aus. Besser hat es Anna Bühler gemacht.

Das Talent aus der Stuttgarter Trainingsgruppe um Támas Kiss ist trotz zahlreicher Unterbrechungen durch Siegerehrungen hoch konzentriert an der Ablaufmarke gestanden, hat sich nach einem ungültigen ersten Durchgang und eher schwachem Beginn erst auf 6,40 Meter (vierter Versuch) und dann im finale furioso auf 6,50 Meter gesteigert. Zwischendurch wärmte sich die junge Frau mit dem blonden Pferdeschwanz immer wieder mit einer Decke die Oberschenkel, um keine Verletzung zu riskieren und hat immer wieder Tipps von Weitsprung-Trainer Uwe Florczak erhalten.

„Zu Beginn war es echt nicht gut, ich habe da auch ein bisschen an mir gezweifelt. Die 6,40 Meter waren ein Lichtblick, da habe ich gedacht, ich kann es doch und beim letzten Versuch dachte ich: alles oder nichts – und es hat ja gereicht zu Silber. Ich bin überglücklich.“

Auch die Hohenloherin trug auf ihrer Startnummer 1170 die Aufschrift I run clean – eine Initiative der Leichtathleten für sauberen Sport. Als Kaderathletin zählt Anna Bühler zum Kreis jener Athleten, die in das sogenannte Adams-Kontroll-System der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada aufgenommen ist und sich täglich auf einer Plattform an- und abmelden muss.