Raum und Form
Robert Jacobsen, einer der wichtigsten Vertreter der Abstraktion nach 1945, gehört zu den zentralen Künstlerpersönlichkeiten in der Sammlung Würth. Besonders mit seinen Eisenskulpturen hat der 1912 in Kopenhagen geborene Däne international große Anerkennung erlangt.
In diesem Jahr wäre Jacobsen 100 Jahre alt geworden und das Museum Würth nimmt diesen Anlass gerne auf, um den vielschichtigen Künstler in einer retrospektiven Ausstellung zu ehren.
Robert Jacobsens künstlerisches Material ist das Eisen. Dieses beliebig formbare Material setzte er in additivem Verfahren zu räumlichen Gebilden zusammen, die ein Spiel von Gegensätzen aufzeigen wie Labilität und Stabilität, Dynamik und Statik, Offenes und Geschlossenes, Gleichgewicht und Ungleichgewicht, Schwere und Leichtigkeit, Kompaktheit und Transparenz. In Paris, wo er ab 1947 lebte, hatte er die entscheidenden Impulse empfangen, seine unverwechselbare Sprache als Bildhauer gefunden und mit großer Beharrlichkeit und Konsequenz weiterentwickelt. Dennoch verzichtete er nicht auf die figurative Gestaltung, weshalb er sich oft der Kritik seines Umfeldes aussetzte. Aus Eisenfundstücken schweißte er kleine Figuren zusammen, die er liebevoll „Puppen“ nannte. Diese sind durch primitive, ursprüngliche Kunst beeinflusst, sowohl durch nordische Sagenfiguren als auch durch afrikanische Idole und Ahnenfiguren, die Jacobsen selbst sammelte. Die magischen und teilweise sogar unheimlich wirkenden Puppen sind durch ihre unkonventionelle Gestaltungsweise geprägt, wodurch sie nicht selten einen humorvollen Wesenszug bekommen.
Mit rund 200 Skulpturen, Zeichnungen und druckgrafischen Blättern aus einem Zeitraum von beinahe fünf Jahrzehnten sind alle wichtigen Werkphasen überzeugend nachvollziehbar. Diese gipfeln in dem einmaligen Skulpturenensemble, das Robert Jacobsen 1992 für den großen Platz vor der Hauptverwaltung der Adolf Würth GmbH & Co. KG in Künzelsau schuf.
Neben dieser Auswahl aus Beständen der Sammlung Würth sowie Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen werden auch Arbeiten seiner Künstlerkollegen Jean Dewasne, Jean Deyrolle, Auguste Herbin, Alberto Magnelli, Richard Mortensen, Serge Poliakoff und Victor Vasarely präsentiert.
Unterschiedliche Berührungspunkte werden augenfällig und vermitteln über einen Einblick in das Œuvre Jacobsens hinaus eine Begegnung mit der französischen Abstraktion nach 1945.
Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem KUNSTEN Museum for Modern Art in Aalborg (Dänemark) statt, wo die Werke von Oktober 2012 bis Februar 2013 zu sehen sind. Es erscheint ein umfangreicher Katalog im Swiridoff Verlag.
Info
4. März – 3. Oktober 2012, täglich 11 – 18 Uhr
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