Jetset-Glamour und Familienidylle

Wolf M. Günthner

Jetset-Glamour und Familienidylle
An der sonnenverwöhnten Küste Spaniens liegt auf 42 000 Quadratmetern der legendäre Marbella Club. Fotos: Marbella Club

Überall Hohenlohe. Das Familienwappen des Fürstenhauses schmückt das Eingangsportal, Besteck, Servietten und Speisekarten, viele Zimmer und Suiten, ja sogar Golfbälle. Und dies alles 2400 Kilometer vom Stammsitz des Hauses Hohenlohe-Langenburg entfernt, direkt in Marbella an der Costa del Sol. Dort steht kein Schloss, wie jenes oberhalb des Jagsttals, in dem die eine Linie der Nachkommen von Fürst Ludwig (1695-1763) lebt und wo derzeit Fürst Philipp der Schlossherr ist. An der sonnenverwöhnten Küste Spaniens liegt auf 42 000 Quadratmetern der legendäre Marbella Club; gegründet 1954 von Alfonso Prinz zu Hohenlohe-Langenburg, der die alte Bauern-Finca Santa Margarita umbauen ließ und mit 20 Zimmern, einem Salon, einem kleinen Restaurant und einer Bar einrichtete. Und so die Keimzelle des Marbella Clubs schuf, dessen 14 andalusische Villen, 78 Suiten, 37 luxuriöse Zimmer und die majestätische Villa del Mar, der paradiesische Garten mit duftenden Pflanzen und Bäumen sowie die beiden Pools immer noch Gäste aus aller Welt anziehen.

Wie im Bel Air Hotel in Los Angeles

Alfonsos Vater Max, der 1946 während eines Verwandtenbesuchs am Strand von Marbella rastete, fand die Gegend so beeindruckend, dass er seinen Sohn losschickte, dort 120 000 Quadratmeter Land zu kaufen − für 3600 Dollar. Max wollte nur die mediterranen Vorzüge genießen, Alfonso, der in Kalifornien Landwirtschaft studiert und in Hollywood und New York das Nachtleben genossen und sich mit Filmstars angefreundet hatte, war nach dolce vita. Alles sollte aussehen wie im legendären Bel Air Hotel in Los Angeles.

So entwickelte sich der Club zum Hotspot der Reichen und Schönen, die hier in den 60er- und 70er-Jahren rauschende Partys feierten. Könige und Staatsmänner, Schauspieler und Sportler, Wirtschaftsbosse und Künstler wie Gina Lollobrigida, Sophia Loren und Brigitte Bardot, Jackie Kennedy, Fürst Rainier, der Aga Khan, König Fahd, Edward VIII., Juan Carlos, Sean Connery, Cary Grant, Ava Gardner, Audrey Hepburn, Liza Minelli, Gunther Sachs, Jackie Stewart und Björn Borg, aber auch die Bismarcks, Fürstenbergs, Krupps, Rothschilds oder Windsors durchtanzten die Nächte oder sprangen vom Bootssteg ins Mittelmeer. "Der Stammbaum zählte mehr als die Kreditkarte", hieß es dazu in der Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen des Hotels. Franz-Josef Strauß und alle Alt-Kanzler waren ebenfalls Gäste, wie heute Claudia Schiffer oder Edmund Stoiber. Prinz Alfonso, der 1955 für einen Skandal gesorgt hatte, als er im Alter von 31 Jahren die 15-jährige Ira von Fürstenberg heiratete, starb im Dezember 2003 an Krebs. Einer seiner wichtigsten Weggefährten war Graf Rudolf von Schönburg-Glauchau-Waldenburg. Der Cousin von Prinz Alfonso wird in Marbella respektvoll Condé Rudi genannt und ist wie sein Cousin ein Marbella-Adicto − einer, den das Kleinod nicht mehr losgelassen hat. Obwohl sich beide Vettern nicht besonders gut kannten, ließ sich Graf Rudi 1956 von Alfonso überreden, das Club-Management zu übernehmen. Noch immer ist der Absolvent der Hotelfachschule in Lausanne täglich in seinem Büro im Club präsent. Mehr als ein Vierteljahrhundert hatte er als Direktor mit seiner persönlichen Handschrift und dem Ohr am Gast den Club zum Spitzenhotel aufgebaut. Auch die britische Familie Shamoon, der seit 1994 der Club und das Partnerhotel Puente Romano gehören, weiß die Präsenz des Deutschen zu schätzen. Condé Rudi (84) kennt die Legenden und Mythen, die sich um den Club ranken. Da der Graf immer dabei war, kann er diese unterhaltsam erzählen. Alfonso sei volksnah gewesen, er "hasste Krawatten und unnötiges Chichi". Dennoch sei Stil angesagt gewesen. "Oben ohne schwimmen, kein Problem. Oben ohne zum Lunch: auf keinen Fall."

"Bei uns war der Gast immer König. Und fast jeder König war hier Gast", erinnert sich der Condé. In den 80ern habe sich vieles geändert. Die Gäste seien nicht mehr so lange geblieben, wie etwa einst Prinzessin Ann-Mari von Bismarck, die sich beim Skilaufen in St. Moritz das Bein gebrochen hatte, zehn Monate in Marbella weilte und in dieser Zeit Verwandte und Bekannte aus der High Society empfing. "Die Aufenthaltsdauer wird kürzer und die Buchungen spontaner. Heute ist den Gästen Ruhe wichtig, nicht Glamour." Sie kämen nicht mehr, um verrückte Kostümpartys zu feiern, sondern wollten weg von der Hektik, erklärt der Ehemann von Prinzessin Marie Louise von Preußen, Urenkelin des letzten Kaisers Wilhelm II. Und er empfiehlt allen sein aristokratisches Motto: "Why worry?"

Als Maria Callas probte

Auch wenn Prinz Alfonso nur noch auf Fotos und in Erinnerungen präsent ist: Das Haus Hohenlohe-Langenburg ist immer noch vor Ort. Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg, der Alfonso "Onkel" nannte, war schon einige Male an der Costa del Sol. Und Hubertus Prinz zu Hohenlohe (57), Sohn von Alfonso zu Hohenlohe und Ira von Fürstenberg, ist im Marbella Club aufgewachsen.

Einmal beschwerte sich der junge Prinz über lauten Krach im Hotel; Alfonso klärte seinen Sohn auf, dass sich Maria Callas gerade einsinge. Jüngst hat Hubertus dem Hotel mit der Casa Hubertus Suite 269 eine besondere Note verpasst. Das Hotel sei ein Teil seiner Seele und ein Ort, "den ich Zuhause nenne", sagt Hubertus. Die Suite spiegele die "frische einladende Atmosphäre wider", die der Kern des Marbella Clubs sei. Hubertus selbst ist in einer Collage an der Duschwand abgebildet.

Das zweite Mitglied der Hohenlohe-Familie, das in Marbella lebt, ist Sandro Gamazo Hohenlohe. Der Großneffe von Prinz Alfonso erzeugt auf den Hügeln von Istan biologisches Olivenöl. Vor fünf Jahren kaufte der frühere Journalist eine alte Finca mit 3000 Olivenbäumen, überwiegend nicht züchtbare Acebuchina-Oliven. Dazu pflanzte er 300 Weißblatt-Oliven. Das Öl mit dem Namen "Belvis de Las Navas" ist nach dem Adelstitel von Gamazo Hohenlohes Großmutter benannt und wird im Marbella Club zum Brot gereicht. Hohenlohe ist immer noch überall.

Jetset-Glamour und Familienidylle
Jüngst hat Hubertus Prinz zu Hohenlohe dem Hotel mit der Casa Hubertus Suite 269 eine besondere Note verpasst.
Jetset-Glamour und Familienidylle
Wo früher die Privatvilla von Alfonso stand, findet sich heute ein großzügiger Kinder-Club: Familien sind mittlerweile eine der Zielgruppen des Hotels.
Jetset-Glamour und Familienidylle
Jetset-Glamour und Familienidylle