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Schlachten, Sklaverei, große Gefühle
Von Chris Melzer
Usa - Als sich im April dieses Jahres im Hafen von Charleston bärtige Männer in blauen und grauen Uniformen versammelten, trafen sie sich als Freunde. 150 Jahre zuvor wurden ihre Vorfahren an diesem Ort zu erbitterten Feinden, die sich mit Musketen, Kanonen und Bajonetten gegenseitig umzubringen versuchten − obwohl sie aus demselben Land kamen.
Am 12. April 1861 begann mit der Beschießung von Fort Sumter der amerikanische Bürgerkrieg, der blutigste Krieg in der Geschichte der USA. Heute gedenkt das Land mit Laiendarstellern in Uniform dem Gemetzel von damals. Aber der Süden der USA hat eineinhalb Jahrhunderte nach der Sezession einiges mehr zu bieten.
Bitteres Los
Charleston hat seine Glanzzeiten hinter sich. In den 100 Jahren vor dem Bürgerkrieg war es ein kulturelles, politisches und vor allem wirtschaftliches Zentrum der USA. Prächtige Häuser zeigen sich noch heute dem Spaziergänger, und an der Promenade am Atlantik ist noch etwas zu spüren vom Glanz des alten Südens. Vom großen Hafen an der Mündung der Flüsse Ashley und Cooper wurde Baumwolle in die ganze Welt verschifft. Hier kamen aber auch Sklaven in die USA. Das Old Slave Mart Museum erinnert an ihr bitteres Los. Aber von Charleston ging auch der Krieg aus, der zur Abschaffung der Sklaverei führte. 34 Stunden feuerten die Konföderierten auf die Festung im Hafen, letztlich gaben die Unionssoldaten auf. "Das ist für viele heiliger Boden hier, und ich finde auch, dass jeder Amerikaner mal hier gewesen sein sollte", sagt Rick Hatcher. Der Historiker trägt die grüne Uniform der Parkranger, Fort Sumter ist heute ein Nationalpark.
Die Ziegel für das Fort kamen von Boone Hall ein paar Meilen nordöstlich. Das Anwesen sei die "meistfotografierte Plantage Amerikas", behauptet die Eigenwerbung. Wer die lange Allee entlanggefahren ist, erkennt in dem Haus vielleicht einen alten Bekannten: In der Fernsehserie "Fackeln im Sturm" war Boone Hall als Mont Royal das Haus von Orry Main alias Patrick Swayze. "Wir bauen immer noch Baumwolle an", sagt Rick Benthall von den Betreibern. 250 000 Besucher kommen in jedem Jahr, denen das Haus und die Erinnerung an die Serie 18 Dollar Eintritt wert sind.
Weltruhm
Die Sklavenquartiere im Schatten der Allee sind hingegen an Armseligkeit kaum zu überbieten. Es sind kleine Holzschuppen mit nur einem Raum, in dem eine ganze Großfamilie lebte. Schulklassen werden oft hier durchgeführt und die meisten Kinder werden ganz still, die schwarzen wie die weißen. Auch manchem Touristen ist jetzt peinlich, dass er sich eben noch in der Pracht der Plantage gesonnt hat.
Die meisten deutschen Touristen haben allerdings ein anderes Ziel: Das Margaret-Mitchell-Haus in Atlanta. Das unscheinbare Holzhaus ist der Frau gewidmet, die mit nur einem Buch Weltruhm erlangte. Nach einem Reitunfall schrieb sie, immer nur ein Kapitel, von hinten nach vorn. Das Ergebnis ging als Buch und als Film in die Geschichte ein: "Vom Winde verweht".




