Auf den Spuren von Harry Potter

London  Einfach magisch: Die Warner Bros. Studios bei London entführen Fans mit Originalkulissen und -kostümen in die Filmwelt.

Von Stefanie Sapara

Es ist stockdunkel - finstere Nacht. Donnerschläge poltern durch den Wald, Blitze zucken. Überall knackt es. Grell leuchten plötzlich zwei große Augen auf, Sekunden später hat sich die Riesenspinne Aragog mit ihren fünfeinhalb Meter langen Beinen ins Sichtfeld geschoben. Zwei weitere seilen sich langsam vom Baum ab. Man weiß nicht so recht, wo man zuerst hinsehen soll. Fast erleichternd ist da ein paar Meter weiter der Anblick des weiß leuchtenden Hippogreifs Seidenschnabel - kurz darauf dann wieder helles Raumlicht - der Wald liegt hinter einem.

Was Hogwarts-Schülern streng untersagt ist, ist bei Besuchern der Warner Bros. Studios in der Nähe von London ausdrücklich erwünscht: der Besuch des Verbotenen Waldes mit seinen 19 täuschend echt aussehenden Bäumen. Es ist das neueste, erst im März eröffnete Filmset. Seit 2012 sind die Filmstudios in Leavesden, in denen alle acht Harry-Potter-Filme gedreht wurden, für Besucher geöffnet. Neben einer immensen Anzahl an Kostümen und Requisiten erleben die Besucher allem voran die extrem aufwendig gestalteten Kulissen.

Selbstgebastelte Weihnachtskarten

Wer möchte, nimmt sich für die Tour einen Audioguide zu Hilfe, noch spannender ist eine persönliche Führung und zwangsläufig faszinierend eine Begleitung durch eine ehemalige Komparsin wie Elise Williams. "Ich war in den letzten beiden Filmen eine Gryffindor, wir haben viele Szenen in der Großen Halle gedreht, mit 400 Schülern", erzählt sie mit leuchtenden Augen. Seither hat sie das Gelände nicht mehr losgelassen. Fünfeinhalb Jahre schon führt sie Kinder, Schüler und Erwachsene durch die Filmsets. "Aber auch ich entdecke immer wieder Details." Zum Beispiel die hübschen Weihnachtskarten im Jungszimmer des Gryffindor-Turms, in dem Harry, Ron und seine Freunde schliefen. "Die sind handgeschrieben von den Schauspielern", erzählt Elise Williams.

Auf den Spuren von Harry Potter

Überhaupt herrscht Weihnachtszeit bei Harry Potter, die Ausstellung ist aktuell mit "Hogwarts in the snow" übertitelt. Die langen Tafeln, an denen die Schüler einst aßen, sind festlich gedeckt, am Ende der Halle, dem Platz, an dem Schulleiter Dumbledore so oft stand, thronen ein reich geschmückter Baum und eine der Original-Eis-Skulpturen aus "Harry Potter und der Feuerkelch". Und auch der Gryffindor-Gemeinschaftsraum ist mit Requisiten dekoriert.

So prunkvoll der Rundgang durch die Studios beginnt - mit dem Betreten der Großen Halle mit ihren Tischen aus massiver Eiche und Kiefer, die geziert sind von Schülerkritzeleien -, so beeindruckend setzt sich die Tour fort. Hinter jeder Ecke ein neues Staunen: vor Hagrids Waldhütte, vor dem schiefen, selbstgezimmerten Wohnzimmer der Weasleys, das keinen einzigen rechten Winkel hat, wie Elise Williams erzählt, beim Treffen auf Charaktere wie Elf Dobby oder beim Betrachten der Kostüme und Perücken von Bellatrix Lestrange bis Voldemort.

Besonders groß ist das Wow am Ende des Rundgangs. Nachdem man Gleis 9 3/4 besucht hat und durch den Hogwarts-Express gelaufen ist, im Bistro ein Butter-Beer getrunken (oder noch besser: ein Butter-Eis gegessen) hat, danach den Privet Drive und den Knight Bus besichtigt hat und durch die Winkelgasse gelaufen ist, steht man irgendwann davor: vor Hogwarts Castle, der Schule für Hexerei und Zauberei. Genauer gesagt: Hogwarts Castle im Schnee, denn extra für das Sonderthema wurde das bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Modell im Maßstab 1:24 mit Kunstschnee beschneit.

"Jedes Mal, wenn man im Film das Schloss von außen sieht, sieht man dieses Modell", berichtet Elise Williams. Und während man um das imposante Gebilde herumläuft - 40 Personen waren sieben Monate mit dem Bau beschäftigt - laufen die tragenden Soundtrack-Melodien "Hedwig's Hymne" und "Harry in winter". "Dass es wirklich als so großes Modell existiert und auch die Erklärungen, wie man es benutzt hat, das ist ohne Zweifel die größte Überraschung für die Besucher", sagt Elise Williams.

Über Touchscreens erfährt man, wie visuelle Effekte entstanden sind, dass echte Steine verbaut und 2500 Glasfaserlampen eingearbeitet wurden. Das Auge kann sich gar nicht sattsehen an all den kleinen Details, vom Fenstersims bis zur umliegenden Szenerie, die an die schottischen Highlands erinnert. Und wie kommt der mühevoll drapierte Kunstschnee wieder weg? "Dafür schließen wir im Januar eine Woche lang die Studios", sagt Elise Williams und lacht. "Teilweise wird mit kleinen Handbesen gearbeitet. Es ist wirklich sehr aufwendig."

Eine Welt voll Fantasie

Dreieinhalb Stunden Zeit sollte man laut den Machern für die Tour einplanen. Wer jedoch das erste Mal zu Besuch in dieser so real wirkenden Harry-Potter-Welt ist, wird sicher länger verweilen. Allein schon deshalb, weil es in Leavesden ein wenig so ist wie in Disneyland: Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, der wird für eine kleine Weile eins mit dieser magischen, bis ins kleinste Detail durchgeplanten Welt. Einer Welt, die nicht nur die Fantasie beflügelt, sondern auch der Seele guttut, weil Liebe, Freundschaft und Gerechtigkeit alles überlagernde Themen der Harry-Potter-Welt sind.

Und wer das Studio am Abend nicht allzu ernüchtert verlassen möchte, weil ihn die reale Welt wieder einholt, der nimmt sein Souvenirbild auf dem fliegenden Besen und einen Zauberstab mit nach Hause. Die Filme sieht man fortan noch einmal mit ganz anderen Augen. Auch die Spinne Aragog.

 

Tickets

Die Tickets müssen vorab gekauft werden: Erwachsene 41 Pfund, Kinder 33 Pfund, Infos: www.wbstudiotour.co.uk/de/tickets

Die Warner Bros. Studio-Tour befindet sich in Leavesden, 32 Kilometer nordwestlich von London. Anreise ab London mit Bahn und Shuttlebus möglich. Oder: Zehn Minuten von den Studios entfernt liegt das Hotel The Grove: www.thegrove.co.uk

Besondere Events 2018

9. bis 19. Februar: "Introducing the Art Department" ; 9. und 10. Februar: Valentinsdinner in der Großen Halle; 30. März bis 23. September: "Harry Potter und der Feuerkelch"; 28. September bis 11. November: "Dark Arts"; 17. November bis 27. Januar 2019: "Hogwarts in the Snow"