Schaffe, schaffe, Häusle baue

Von Monika Hillemacher, dpa

Die Kosten zu drücken, ist der Hauptgrund für Bauherren, selbst Hand anzulegen. Bei einem Einfamilienhaus kommen nach einer Rechnung des Bauherren-Schutzbundes in Berlin zwischen 10 000 und 25 000 Euro zusammen. Dafür müssen Bauherren aber mehrere Hundert Stunden malochen – in der Regel zusätzlich zur normalen Berufstätigkeit. Die ohnehin anfallende Bauorganisation kommt noch dazu.
 
Kenntnisse
Da muss die ganze Familie mitziehen. „Klare Absprachen treffen und einhalten“, fordert Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Wer seine Fähigkeiten richtig einschätzt, schützt nicht nur sich und seine Partnerschaft, er hat auch bessere Karten bei der Bank. Die Geldinstitute klopfen nämlich nach den Erfahrungen von Axel Drückler von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin die Vorstellungen der Bauherren genau ab. „Wer den Rohbau in Eigenleistung errichten will, muss darlegen, wie das passieren soll“, erläutert der Fachberater.
Tätigkeiten wie Klempnern trauen die Geldgeber einem Laien nicht zu, sind Bruder oder Schwager vom Fach, überzeugt das eher. Generell erkennen die Banken aber Arbeiten, die keine besonderen Kenntnisse erfordern, meist ohne Nachfrage an: „Tapezieren kann jeder.“ Weil auch Streichen oder Boden verlegen als vergleichsweise unproblematisch gelten, gehören sie zu den typischen Eigenleistungen.
Um die Arbeiten mit dem Familienleben zu koordinieren, rät Reinhold-Postina: „Das ideale Betätigungsfeld liegt möglichst weit weg vom Lebensmittelpunkt.“ Dach, Keller, Garten sind demnach optimal, weil dort seltener jemand in die Quere kommt oder sich gestört fühlt. Arbeiten an Statik, Strom und Wasser sind dagegen tabu.

Kalkulation
Es gibt verschiedene Methoden, den Wert der Muskelhypothek zu kalkulieren. Verbraucherschützer Drückler vergleicht die selbst erbrachte Leistung mit der eines Handwerkers: „Der Fliesenleger verlangt 5000 Euro. Davon sind 3000 Euro Arbeitskosten, die lege ich zugrunde.“ Eva Reinhold-Postina berücksichtigt den Gesamtaufwand: Der reinen Arbeitszeit stellt sie noch anfallende Zeiten für Fahrten sowie Material- und Gerätebeschaffung sowie mögliche Leihgebühren für Werkzeug gegenüber.
Auch das Entgelt für mithelfende Freunde und Verwandte fließt mit in die Berechnungen ein. Dabei ist zu beachten: Die Grenze zur Schwarzarbeit ist schnell erreicht. „Schon mit 500 Euro sind Sie dicke drin“, sagt der Münchner Rechtsanwalt und Baurechtsexperte Peter Oppler. Er rät, keine Einnahmen am Staat vorbeizuschleusen. Auf Nachsicht können Bauherren hier nicht hoffen – der Fiskus „zeigt eher Tendenz zur Strenge denn zur Nachsicht“, sagt Oppler.
Private Bauherren sind außerdem generell verpflichtet, ihre Helfer bei der Berufsgenossenschaft Bau gegen Unfälle abzusichern. Außerdem müssen sie für den Arbeitsschutz sorgen.

07. Dezember 2012



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