TV-Koch Alexander Herrmann im Stimme-Interview

Interview  Der TV-Koch spricht im Stimme-Interview über schwäbische Lieblingsgerichte, Weihnachtskatastrophen und seine neue Late-Night-Koch-Show, mit der er im Februar in die Harmonie kommt.

Von Stefanie Sapara

Hinweis der Redaktion: Das für 27. Februar geplante Bühnenprogramm „Die Koch-Late-Night-Show“ mit Alexander Herrmann fällt aus. Mehr dazu...

 

Alexander Herrmann im Stimme-Interview

Foto: Sebastian Drüen

 

Die schnelle Zubereitung von einfachen und gesunden Gerichten − klingt verlockend in den Ohren all jener, die wenig Zeit zum Kochen, aber auch wenig Lust auf Convenience-Produkte haben. TV-Koch Alexander Herrmann verspricht, in seiner neuen Live-Show, mit der er auch nach Heilbronn kommt, einiges zum Thema "Schnell mal was Gutes" zu verraten. Wobei: Gegen so ein paar Ravioli aus der Dose hat er ab und zu auch nichts einzuwenden, wie er im Interview mit der Heilbronner Stimme verrät.

 

Herr Herrmann, bis vor Kurzem waren Sie mit "The Taste" im Fernsehen zu sehen, für die Dinner-Show Palazzo in Nürnberg kreieren Sie das Menü, diverse Bücher haben Sie auch schon geschrieben − jetzt die Live-Show: Bleibt da noch Zeit zum Kochen?

Alexander Herrmann: Tja, manchmal auch vor Wut (lacht). Nein, im Ernst, man muss dazu ganz klar sagen: Was ich jetzt erlebe, das ist das Ergebnis aus 22 Jahren Aufbauarbeit. Das heißt, für Gourmet-Restaurant und Bistro, aber auch für den Palazzo in Nürnberg gilt: Das sind keine Dinge, die von heute auf morgen kamen, das sind gewachsene Strukturen. Somit gibt es da natürlich ein Team, das diese Tagesleistung immer wieder auf sehr hohem Niveau bringt und auf das ich sehr stolz bin. Das ist der Hintergrund, warum das alles überhaupt möglich ist.

 

"Schnell mal was Gutes − Die Koch-Late-Night-Show" heißt ihr neues Tourprogramm − was erwartet die Zuschauer?

Herrmann: Im Grunde ist die Show auf drei Säulen aufgebaut. Bei einer echten Late-Night-Show im Fernsehen steht da zuerst einmal ein Schreibtisch: Mein Schreibtisch ist der Herd und an dem bin ich der Coach für mein Publikum. Es geht mir nicht darum, Rezepte eins zu eins mitzugeben, sondern darum, Verständnis zu schaffen. Zum Beispiel zeige ich, wie man ein wirklich perfektes Steak hinbekommt. Dabei geht es um ein paar ganz simple Verständnisdinge. Wenn man die kennt, kriegt man alles rosa hin. Ich zeige auch, wie eine Ente im Ganzen knusprig und genial wird, habe aber auch sowas wie ein Fleischpflanzerl dabei und viele Gemüsezubereitungen. Und ich verspreche, meine eingelegten Kirschtomaten sind eine Weltsensation (lacht).

 

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Fotos: Sebastian Drüen  

Und dann gehören zu einer Late-Night-Show noch die Stand-up-Einlagen.

Herrmann: Das ist die zweite Säule. Ich werde aus meinem Leben erzählen, gehe kritisch mit meiner Branche um, spreche über Hobbykochtypen, über die schwierigsten Gäste, die man so haben kann, aber auch über persönliche Pannen in einer Fernsehshow mit fünf Köchen, bei der so dermaßen alles schief ging, dass sich der Moderator am Ende beim Pizzaservice bedankt hat. Die dritte Säule ist der Part, bei dem sich Moderatoren einer Late-Night-Show gerne mal selbst aufs Korn nehmen und genau das werde ich auch tun. Ich bin ja bei "Verstehen Sie Spaß" hereingelegt worden und da gibt es noch einige Dinge, die nicht ausgestrahlt worden sind und die ich erzählen möchte. Und natürlich mache ich den ultimativen Test mit einem Zuschauer, der noch nie gekocht hat und maximal die Kaffeemaschine einschalten kann, und beweise, dass man unter richtiger Anleitung ein perfektes Dessert hinbekommt.

 

Auf der Bühne ist also Entertainment gefragt, wie wird man vom Koch zum Showmann?

Herrmann: Im Grunde ist die Show so langsam vor ungefähr zehn Jahren entstanden. Ich war damals im Kochtheater der Messe "Eat & Style" und stand vor 300, 400 Leuten. Da habe ich angefangen zu verstehen, welche Produkte auf einer Bühne funktionieren und wie der Funke überspringt. Damals habe ich schnell erkannt, wie viel Spaß mir das auf der Bühne macht. 2012/13 war ich dann ja schon einmal mit einer Live-Tour unterwegs, parallel lief im ZDF täglich die Sendung "Topfgeldjäger" und beides ging einfach nicht. Aber damals habe ich zum Beispiel auch schon den Versuch mit dem Nicht-Koch gemacht und das kam super an.

 

Jetzt gibt es ja aber mittlerweile viele Köche auf der Showbühne, wie kann man sich da noch absetzen?

Herrmann: Also erfunden hat das Ganze Jamie Oliver, groß gemacht hat es als erster in Deutschland Tim Mälzer. Danach waren fast gleichzeitig Horst Lichter und ich auf der Bühne und kurz danach kam Steffen Henssler. Steffen hat sich jetzt gerade zurückgezogen und Horst kocht ja weniger auf der Bühne, bei ihm geht es mehr um Parodien aus seinem Leben. Das heißt, jeder hat da einfach sein eigenes Profil.

 

Am 27. Februar sind Sie also in Heilbronn − waren Sie schon einmal hier?

Herrmann: Ja logisch.

 

So logisch ist das für viele nicht.

Herrmann: Naja, dadurch, dass ich aus Franken komme, ist das ja relativ nah.

 

Dann freuen Sie sich auf die schwäbische Küche?

Herrmann: Wenn man nur an den Zwiebelrostbraten denkt und auch an Schmorgerichte und Maultaschen: Das ist natürlich was Großartiges. Wir hatten vor 30 Jahren mal einen Koch bei uns, den nannten wir alle nur "Peter, der Schwob". Und der hat mir immer Maultaschen gemacht. Oder wie wir gerne dazu gesagt haben: Sausackerl.

 

In Ihrem Restaurant "Alexander Herrmann" geht es aber um etwas anderes, seit zehn Jahren hat das Restaurant einen Michelin-Stern − was macht Sterneküche für Sie aus?

Herrmann: Im Grunde teilt sich da ein bisschen die Welt. Da sind die einen, die handwerklich sehr klassisch und perfekt arbeiten. Daran gibt es nichts zu kritisieren. Und dann gibt es die anderen, die mit einem neuen Geist, einem anderen Mut und kreativen Willen rangehen. Und das ist natürlich eine Küche, die ist wesentlich überraschender und spannender − auch die muss handwerklich perfekt sein, keine Frage. Die klassische Sterneküche kenne ich sehr gut, die habe ich aber halt auch schon 20 Jahre lang gegessen. Ich finde, Essen darf dich nicht ins kulinarische Koma beamen, so nach dem Motto "jetzt wird es aber fad", sondern es muss Überraschendes dabei sein. Und von dieser Küche bin ich Fan.

 

Was zählt für Sie dazu?

Herrmann: Nicht einzelne Produkte. Es geht immer um die Kombination oder darum, auch mal mit den Temperaturen zu spielen.

 

Wie kann man sich denn generell das Leben in der Küche leichter machen?

Herrmann: Ich bin natürlich gegen diese von der Industrie vorgefertigten Convenience-Produkte wie Lasagne oder ähnliches. Manchmal brech" ich aber selbst mit der Regel, denn die Dose Ravioli, die auch nichts Besonderes ist, hat für mich irgendwie einen Kultfaktor. Aber ab und zu ist das ja auch nicht schlimm. Es geht nur darum, dass sich alle bewusst sind, dass da nix Gscheid"s drin ist. Ich sage immer: In der Einfachheit liegt oft echt der Schlüssel. Eine meiner Lieblingsspeisen ist zum Beispiel ein Schnittlauchbrot. Mehr Heimat gibt es ja kaum. Mit einem richtig tollen Holzofenbrot, nicht aus der Industriebäckerei, deutscher Butter, Salz drauf und Schnittlauch: Wenn du da reinbeißt, dann bleibst du bei dir, bei deiner Heimat, bei deiner Kultur, und das ist so, wie es ist, einfach großartig. Man muss nicht immer nach oben streben. Man kann auch mit wenig was machen, aber eben mit guten Produkten.

 

An Heiligabend kommt bei Ihnen aber sicher auch etwas Besonderes auf den Tisch. Haben Sie einen Tipp für die Feiertagstafel?

Herrmann: Wir haben ja im Restaurant und Hotel über die Feiertage Gäste, da gibt es Heiligabend natürlich ein Menü. Aber ich finde, das Wichtigste daheim am Herd ist, dass die Leute an Feiertagen nicht anfangen zu experimentieren. Zu der Zeit herrscht ja schon ein hoher Druck, die Weihnachtszeit ist gesellschaftlich echt nicht einfach, mental mitnehmend sozusagen. Und wenn du da jetzt noch hergehst und etwas Hochkreatives machen willst, dann zerreißt es dich. Deswegen ist mein ganz klarer Rat für Heiligabend: Macht das, was ihr könnt und was alle lieben. Experimentieren kann man das ganze restliche Jahr.

 

Live in Heilbronn

Mit "Die Koch-Late-Night-Show" kommt Alexander Herrmann am Dienstag, 27. Februar, 20 Uhr, in die Heilbronner Harmonie. Karten (36,75 bis 74,70 Euro) in den Geschäftsstellen der Heilbronner Stimme, Telefon 07131 615701, und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen (Abo-Vorteil: zehn Prozent Ermäßigung).