Brand zerstört Wallfahrtskapelle in Walldürn

Von Adrian Hoffmann

Walldürn Die bekannte Wallfahrtskapelle mit Lourdesgrotte in Walldürn im Neckar-Odenwald-Kreis ist am frühen Montagmorgen bei einem Feuer zerstört worden.

 

 

„Für die Gläubigen aus unserem Ort, aber auch für die vielen Pilger ist das sehr schlimm“, sagt Rainer Kreis vom Pfarrgemeinderat der katholischen Kirchengemeinde St. Georg.

Aufgeregt stehen am Montag wenige Stunden nach dem Brand Mitglieder der Kirchengemeinde am Absperrzaun. „Wie konnte das nur passieren?“, fragt eine Frau fassungslos. Sie kommt alle paar Tage hierher. Zwar steht für Gläubigen in Walldürn der sogenannte Blutaltar in der wenige Meter entfernten Wallfahrts-Basilika im Vordergrund, aber auch in der Lourdesgrotte werden Andachten gehalten und Opferkerzen angezündet.

Feuer durch Kerze ausgelöst?

Der Innenraum der Kapelle ist komplett zerstört, die Bänke verkohlt, die Wand mit den Andachtskarten der Pilger ebenso. Überreste eines verkohlten Rosenkranzes sind zu sehen. Eine Jesus-Figur ist vom Kreuz gerutscht. Mesner Markus Weigand: „Ob man die Muttergottes restaurieren kann, werden wir sehen. Sie ist aus Porzellan.“ Sie sei auf den ersten Blick wenig beschädigt, nur die Farbe sei abgegangen.

Die Polizei beziffert den finanziellen Schaden in ersten Schätzung auf 250.000 Euro. Es sei aber nicht nur ein Sachschaden entstanden, „sondern vor allem ein ideeller“, sagt Rainer Kreis vom Pfarrgemeinderat. Man mutmaße, dass eine Kerze das Feuer verursachte, sagt Kreis in Bezug auf Angaben der Feuerwehr. Es sei nicht erlaubt, normale Wachskerzen in der Grotte anzuzünden – ein Aushang habe darauf hingewiesen. In den Devotionalien-Geschäften in Walldürn würden spezielle, raucharme Brenner angeboten. Die klassischen Grabkerzen sind in ihrer Hülle standfester als normale Kerzen. Nicht immer sei es aber leider so, dass von den Pilgern nur die Grabkerzen verwendet würden.

Das Feuer ereignete sich ausgerechnet wenige Tage nach Beginn der Wallfahrtszeit. Zur Heilig-Blut-Wallfahrt kommen traditionell zehntausende Pilger nach Walldürn. Sie ist eine der größten Wallfahrten in Europa und dauert noch bis zum 9. Juli. Auch aus der Region Heilbronn und Hohenlohe pilgern regelmäßig Gläubige dorthin.

Kapelle wurde frisch renoviert

Die geschätzte Kapelle sei erst vor wenigen Jahren renoviert worden, so Pfarrgemeinderat Kreis. Jetzt stehe erneut viel Arbeit an. Im laufenden Wallfahrtsjahr könne damit sicher nicht begonnen werden, denn das würde die Pilger stören. Jetzt warte man erstmal das Brandgutachten ab, sagt Mesner Markus Weigand. Die Spurensicherung der Polizei wird auch prüfen, ob Kerzen vielleicht zu dicht beieinander standen oder auch das heiße Wetter eine Rolle gespielt haben könnte.

Mitarbeiter der Wallfahrtsleitung hatten den Brand am Montagmorgen gegen 7 Uhr entdeckt und die Rettungskräfte verständigt. Die Kapelle brannte vor Jahrzehnten bereits einmal. Als Lourdesgrotte werden Mariengrotten bezeichnet, die Nachbildungen der Grotte von Massabielle bei Lourdes in Südfrankreich und Unserer lieben Frau von Lourdes darstellen.

 

Die Wallfahrt zum Heiligen Blut

Die Walldürner Wallfahrt „Zum Heiligen Blut“ geht zurück auf das Jahr 1330. Es wird erzählt, dass der Priester Heinrich Otto damals während der Messe versehentlich einen Altarkelch umwarf. Der geweihte Wein ergoss sich der Legende nach über das Leinentuch für die Hostie. Daraufhin soll sich das Bild von Jesus Christus auf dem Tuch abgezeichnet haben.

Der Priester, so heißt es, erschrak und versteckte das „blutige“ Tuch unter der Altarplatte. Erst auf dem Sterbebett erzählte er davon - woraufhin es gefunden worden sein soll. Das Ereignis wurde als Zeichen Gottes gewertet. Bald kamen die ersten Pilger zur Verehrung des „Heiligen Blutes“, das sie Jesus Christus zuschrieben.

Bis heute machen sich Pilger nach Walldürn auf den Weg, um den Heilig-Blut-Altar zu besuchen. Kranke erhoffen sich Heilung. Die jährliche Hauptwallfahrtszeit erstreckt sich über vier Wochen. Sie beginnt immer am Sonntag nach Pfingsten. Der Blutschrein im Seitenaltar bleibt während der vier Wochen geöffnet.