Brandanschlag Lauffen: Täter vermutlich kurdische Extremisten

Von Heike Kinkopf

Lauffen/Heilbronn Wer hinter dem Brandanschlag auf die Moschee in Lauffen steckt, ist nach wie vor offen. Die Polizei hat keine Kenntnisse, dass es in der Region Heilbronn eine organisierte Gruppe gewalttätiger Kurden gibt. Fest steht, dass es weitere Vorfälle mit ähnlichem Tatmuster gibt, bestätigt Achim Küller, Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn.

In einem Video werden mutmaßlich junge Männer gezeigt, die Molotowcocktails auf das Gebäude in Lauffen werfen. Foto: Screenshot

Im Fall der Attacke auf die Räume der Islamischen Gemeinschaft an der Seestraße in Lauffen sucht die Polizei fünf Männer. Sie sollen dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA) zufolge zu Fuß über die Brückenstraße in Richtung Stuttgarter Straße geflüchtet und dort vermutlich mit einem Auto weitergefahren sein.

Zu sehen sind vier der fünf Männer auf einem Video im Internet. Das LKA schätzt die Aufnahme als authentisch ein und bezeichnet die Internet-Plattform als "PKK-nah". Die Organisation PKK ist in Deutschland verboten.

Auch ein Auto brannte

Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich deshalb auf Angehörige extremistischer kurdischer Jugendorganisationen. Diese rufen auf der Website zu Aktionen vor allem in Deutschland auf, um gegen die türkische Militäroffensive im Norden Syriens zu protestieren.

Der Anschlag auf die Lauffener Moschee ist nicht der erste dieser Art in der Region. Bereits Ende Januar registriert die Polizei in Heilbronn einen Brandanschlag auf einen Kleintransporter. Auch in diesem Fall gibt es Bilder von der Tat im Internet, erläutert Achim Küller. Der Kommentar im Netz zu den Fotos: "In der Nacht auf den 23. Januar wurde aus Wut über den Einmarsch der faschistischen türkischen Armee ein Auto von türkischen Faschisten in Heilbronn angezündet."

Café in Sinsheim zerstört

Die Website nennt einen weiteren Vorfall im Februar in Heilbronn. Das Fenster eines türkischen Cafés ist mit Steinen zerstört worden. Laut Achim Küller befindet sich das Café allerdings in Sinsheim; der Fall werde vom Polizeipräsidium Mannheim bearbeitet. Im Netz seien diese Anschläge unter "40 Tage Rache für Afrin" beworben worden.

Rund 50 derartige Taten weltweit sind auf den einschlägigen Websites und in einem Blog zu finden; knapp 40 davon sind angeblich in Deutschland passiert. Neben dem Brandanschlag in Lauffen finden sich zum Beispiel fünf Attacken gegen türkische Einrichtungen in Stuttgart. Vergangenes Wochenende sind weitere Vorfälle in Deutschland hinzugekommen. "Zusammenhänge mit anderen, aktuellen Anschlägen werden in die Ermittlungen in Lauffen einbezogen", teilt das LKA mit.

Kurden distanzieren sich von Taten

"Durch den Einsatz des türkischen Militärs in Syrien hat sich die derzeit ohnehin angespannte Lage zwischen türkischen und kurdischen Personen auch in Baden-Württemberg weiter verschärft", heißt es aus dem Innenministerium Baden-Württemberg. Eine Zunahme von Straftaten oder gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Region stellt Polizeisprecher Achim Küller allerdings nicht fest. Wohl aber steigt die Zahl der Demonstrationen in Heilbronn und mit ihr die Zahl "versammlungstypischer" Straftaten wie dem Zeigen von verbotenen PKK-Abzeichen.

Kurden in Heilbronn und die Kurdische Jugend Deutschland verurteilen Anschläge wie den in Lauffen. "Egal was passiert, wir müssen unsere Gefühle zügeln", sagt Serzan Celik, stellvertretender Vorsitzender der Kurdischen Jugend in Deutschland, mit Blick auf die Vorkommnisse in Syrien. "Die breite Masse der Kurden in Deutschland und Europa demonstriert friedlich. Einzelne radikale Gruppen rücken unsere friedlichen Proteste für den Frieden in eine kriminelle Ecke."

Polizei sucht Zeugen

Von vier der fünf Täter, die den Brandanschlag in Lauffen verübt haben, liegt eine Beschreibung der Polizei vor. Die Männer waren dunkel gekleidet. Einer von ihnen trug eine auffällige Oberbekleidung, die an den Schultern farblich markant abgesetzt war. Ein weiterer Täter trug eine Baseballmütze, ein dritter einen Schal. Die Täter müssen nicht aus dem örtlichen Bereich stammen, so die Polizei. Wer beim Tatort oder im Großraum Stuttgart verdächtige Personen, Gruppen oder Fahrzeuge gesehen hat - etwa an Tankstellen, Rastplätzen oder Schnellrestaurants, meldet sich unter Telefon 07131 1044444. 

 

Brandsätze in das Gebäude geworfen

Im Fall des Brandanschlages auf die Gebets- und Unterrichtsräume an der Seestraße in Lauffen haben die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg die weiteren Ermittlungen wegen Verdacht des versuchtem Mordes übernommen und fahnden gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Heilbronn nach den bislang unbekannten Tätern.

Am Freitag gegen 1.45 Uhr hatten Unbekannte mehrere Molotowcocktails durch das Fenster der Moschee (IGMG) in Lauffen geworfen. Im betroffenen Raum, über dem zum Zeitpunkt der Imam und seine Frau schliefen, entstanden erhebliche Verrußungen an den Innenwänden, der Sachschaden beträgt nach vorläufiger Schätzung rund 5000 Euro. Niemand wurde verletzt. 

Diese Karte zeigt den Tatort in der Seestraße in Lauffen.