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Zwischen den Füßen der Freiheitsstatue
Von Stefanie Kurtz
Unaufhörlich plätschert der Regen auf die Sitze und füllt die blauen Schalen mit Wasser. Dunkle Wolken verdecken die Sicht auf den Bodensee. Einige Besucher ziehen sich den Kragen der Regenjacke ein Stück nach oben, während sie sich einen der trockenen Sitzplätze vor der Bregenzer Seebühne ergattern. Noch sind die Stühle leer. Noch fünf Stunden, dann soll das Opernspektakel „Aida“ auf der Bühne beginnen.
75 Leser unserer Zeitung bekamen bei ihrer dreitägigen Reise durch die Schweiz und Österreich einen nicht ganz trockenen, dafür aber umso spannenderen Einblick hinter die Kulissen der Verdi-Oper.
Technik
„Schön, dass sie bei diesem Sauwetter gekommen sind“, kommentiert Corinna Loader, Touristenführerin von den Festspielen den Regenguss nüchtern und geht einen Schritt unter das Dach. Die Leser sind gut ausgerüstet mit warmen Schuhen und Regenjacken. „Der Blick hinter die Kulissen ist schon einer der Höhepunkte auf der Reise“, sagt Erika Horenberger.
Politano Vittorio, der sich auf die große Seebühne wagt, ergänzt: „Das ist eine tolle Kombination von Technik und Kunst.“ Und tatsächlich kann man nur staunen, wie viel Technik und künstlerischer Aufwand hinter der Aufführung steckt:
Ein Highlight der Kulisse sind die 15 Meter hohen Holzfüße – das ist etwa Schuhgröße 2400 – das Fragment einer zerbrochenen Freiheitsstatue. Zwei rund 50 und 70 Meter hohe Kräne ziehen Schauspieler und Kulissenteile in die Höhe und setzen ein zentrales Teil der Bühne zusammen: Eine riesige Maske, die die Züge der Freiheitsstatue hat. Der Bodensee soll nicht nur als Kulisse dienen, sondern Bestandteil des Stücks sein, das in Ägypten spielt, so ist das Konzept.
Damit die Tänzer scheinbar auf dem Wasser tanzen, gleitet eine Fläche rund 20 Zentimeter unter Wasser. „Damit nichts passiert, sind immer zwei Taucher da“, sagt Loader. Ein Schwimmabzeichen ist für jeden Darsteller dennoch Pflicht. Für den Klang sorgt ein Lautsprecherband vergleichbar mit 2800 Stereoanlagen.
Nächstes Jahr muss die Kulisse allerdings für eine Neue weichen. „Recyceln können wir da wenig“, erklärt Loader. Aus den Füßen werde dann wohl Brennholz, es sei denn jemand findet sich, „der viel Platz hat“, ergänzt die Österreicherin schmunzelnd.
Kulturtour
Ob die Aufführung allerdings wirklich auf der Seebühne oder im Festspielhaus stattfindet, hängt vom Wetter ab. „Wenn eine Gefahr besteht, müssen wir die Vorstellung eben nach drinnen in den Saal verlegen“, erklärt die Touristenführerin. Schade, vor allem für fast 5500 Besucher mit „normalen Karten“, denn drinnen gibt es nur Platz für rund 1600 Gäste, nicht für über 7000. Der Rest muss nach Hause gehen.
So erging es dann auch der Besuchergruppe. „Wir waren ja doch froh, dass es ausgefallen ist, wir wären ja total nass geworden“, sagt Irene Brand. „Nein, die Enttäuschung ist nicht groß,“ sagt Erika Horenberger. „Zum Glück gibt es ja ein gutes Rahmenprogramm.“ Denn trotz Regen: Die Gruppe hat drei Tage die Schweiz abseits vom Massentourismus kennengelernt. Die Kantonhauptstadt St. Gallen mit der berühmten Stiftsbibliothek, Winterthur oder Appenzell, wo die Leser erfuhren, wie der berühmte Käse ganz naturgetreu gemacht wird oder die Kartause Ittingen.
Was bei den Lesern bleibt, ist nicht die Enttäuschung, sondern ein Einblick in zwei Länder und ein Blick in die Opernwelt, die trotz der technischen Perfektion auf die unberechenbaren Kräfte der Natur angewiesen ist.
Hintergrund: Bregenzer Festspiele
Das Spektakel „Aida“ auf der Seebühne feierte 2009 seine Premiere. Die Oper geht dieses Jahr zu Ende. Im nächsten Sommer kommt André Chénier von Umberto Giordano in die Stadt am Bodensee. Weitere Infos unter www.bregenzerfestspiele.com. sk
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