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Kap-Erlebnisse und Weingenuss

Von Uwe Ralf Heer

Ein Land im Aufbruch: Zwei Wochen lang erleben Leser unserer Zeitung Südafrikas Postkartenidylle, Abenteuer in der Wildnis und unternehmen spektakuläre Gipfelstürme. Aber sie blicken am Kap auch hinter die Kulissen der Reiseprospekte.




Von Frankfurt aus geht es in der Woche vor Ostern mit South African Airways 9300 Kilometer in Richtung Süden. Nach knapp zwölfstündigem Flug erreichen die 30 Reisenden früh am Morgen Kapstadt. Einem Frühstück direkt am Strand folgt die Gondelfahrt auf den 1086 Meter hohen Tafelberg, wo es erste bemerkenswerte Ausblicke gibt. Es sollen nicht die letzten sein. Nach dem Besuch an der belebten Waterfront, wo exzellente Restaurants und jede Menge Top-Geschäfte um die Kunden buhlen, beziehen die Reisenden im President-Hotel ihr Quartier für die nächsten drei Tage und genießen am Abend ein afrikanisches Büffet.



Bei sommerlichen Temperaturen von 30 Grad im südafrikanischen Herbst geht es am Tag darauf ans Kap der Guten Hoffnung. Wo sich der Indische und der Atlantische Ozean treffen, erlebt Gross-Reiseleiterin Stefanie Sapara, die die Reisegruppe zwei Wochen lang umsichtig, professionell und zuvorkommend umsorgt, eine besondere Überraschung: Direkt am Kap gibt es einen Sektempfang aus Anlass ihres Geburtstages. Aber an Höhepunkten ist diese Reise ohnehin nicht arm, denn die ersten drei Tage in Kapstadt stehen unter anderem im Zeichen des abendlichen Bummels an der Waterfront oder des Besuchs einer Pinguinkolonie. Es folgen Einblicke in den botanischen Garten in Kirstenbosch und eine Tour nach Paarl und Stellenbosch mit einer edlen Weinprobe im Weingut Neethlingshof.

Straußenrennen und Garden Route

Am vierten Tag führt die Reise nach Mossel Bay. Nach dem Besuch eines Seefahrermuseums genießen die Reisenden herrliche Strandspaziergänge am Indischen Ozean – das Wilderness Hotel mit seinem kilometerlangen Sandstrand ist für zwei Tage die neue Heimat. Im irischen Hotel-Pub klingt der Abend aus – dabei erweisen sich trinkfeste südafrikanische Rugbyspieler als ganz besondere Zimmernachbarn. Ob prächtige Einblicke in ein riesiges Labyrinth von Tropfsteinhöhlen oder der Genuss von Straußenfleisch und die Live-Erlebnisse mit den größten Vogelwesen: Natur pur bestimmt den Ausflugsplan des folgenden Tages.


Bei der anschließenden Fahrt über die Garden Route in Richtung Port Elizabeth erzählt die sehr kompetente lokale Reiseführerin Hannelore viel über die ungeschminkte südafrikanische Realität, mit der die Urlauber immer wieder konfrontiert werden. Die hohe Kriminalität macht besondere Vorkommnisse nötig, das Land mit seinen 45 Millionen Einwohnern bietet zwei Jahre vor der Fußball-WM nicht nur Sonnen-, sondern auch Schattenseiten. Vor allem in den Townships, wo Drogen- und HIV-Probleme kaum Zukunftschancen für die jungen Menschen ermöglichen. Von oben genießen die Reisenden jedoch herrliche Ausblicke – beispielsweise auf dem Flug nach Durban, wo die zweite Etappe des afrikanischen Abenteuers, begleitet von der lokalen Reiseleiterin Barbara, beginnt.

Gipfelsturm und Zulu-Land

Am Goldstrand von Durban genießen die Besucher aus dem Unterland, Hohenlohe und Kraichgau bei 30 Grad die Wellen des Indischen Ozeans, ehe tags darauf die pulsierende Metropole nach dem Besuch eines typischen indischen Marktes verlassen wird und es weiter über Petermaritzburg – der Stadt der Elefanten – in die Drakensberge geht.

Mit einem Osterhasen aus der Heimat werden die Urlauber von Stefanie Sapara am Ostersonntag überrascht: Der Heilbronner Konditor Noller hat die süßen Leckereien für alle Reisenden spendiert – allesamt haben sie den Flug heil überstanden und werden nun genossen.

Weiterer Genuss wartet dann im Sanni Pass Hotel. Hier herrscht völlig abgeschiedene Ruhe – ein idealer Ausgangspunkt für das Abenteuer am achten Tag. Mit Allradjeeps geht es über nahezu unwegsame Krater- und Steinlandschaften den Berg steil hinauf ins Königreich Lesotho. Auf 2875 Meter Höhe erlebt man eine ganz andere Welt und das ursprüngliche Leben der Bevölkerung in ihren Hütten. Eine Belohnung für die spektakuläre Klettertour gibt es beim Besuch im höchsten Pub Afrikas – hier schmecken Bier und kulinarische Schmankerl mit einem Blick ins Tal nochmals so lecker.


Auf der nächsten Etappe darf ein Abstecher ins Shakaland nicht fehlen. Die Geschichte der Zulu-Krieger wird hier – allerdings sehr touristisch aufgeblasen – in einem nachgebauten Dorf erzählt. Ein Zwischenstopp auf der fünfstündigen Fahrt in den afrikanischen Busch, der eines deutlich macht: Jede Entdeckungsreise bietet ab und an auch Einblicke, auf die man verzichten kann.

Unverzichtbar sind die frühen Pirschfahrten. Beispielsweise nach der Übernachtung im noblen Hluhluwe Hotel, von dem aus es um 5 Uhr früh ins Wildreservat geht. Büffel, Nashorn, Zebra und Giraffen als erste Beispiele der eindrucksvollen Artenvielfalt. Nach dem Frühstück heißt es dann: Ab in Richtung Königreich Swaziland. Das nächste Hotel liegt majestätisch auf einem Hügel. Der dort arbeitende Holzschnitzer – er gilt als der Beste seines Landes – wird geradezu überrannt und verkauft geschnitzte Elefanten in allen Größen. Der Eindrucksvollste und Größte landet im Arm der Reiseleiterin und wird anschließend an der Bar „Swazifant" getauft.

Pirschfahrt und Tiervielfalt


Früh geht es am elften Tag der Reise weiter in den Kruegerpark. Seit 1889 ist dieses Areal, das ungefähr so groß ist wie Belgien, bereits ein Naturschutzgebiet. Schon auf der Anfahrt zum Olifants Camp gibt es erste Begegnungen mit einigen der rund 140 verschiedenen Säugetierarten. Mit großen Augen und ehrfurchtsvoller Stille werden die Elefanten an der Wasserstelle beobachtet, ehe am Abend aus luftiger Höhe ein prächtiger Blick über ein Flusstal genossen wird. Der nächste Tag gehört vom Sonnenaufgang an dann ganz der Beobachtung der Tiere. In offenen Jeeps geht es auf einer Strecke von rund 200 Kilometern kreuz und quer durch dieses einmalige Naturschutzgebiet. Zebra, Büffel und jede Menge Elefanten werden aus nächster Nähe entdeckt – dazu sogar sieben Löwen, die nur wenige Meter entfernt unter einem Baum liegen. Eine Ausbeute an Live-Erlebnissen, die selbst im Krueger-Park nicht an der Tagesordnung ist. Das alles bei rund 33 Grad und sengender Hitze – ein heißer Tag, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wie gut die Stimme-Gruppe funktioniert, zeigt sich am Abend: Im Berg-en-Dal-Camp wurden von der afrikanischen Reiseagentur zu wenige Doppelzimmer gebucht. Mit kleineren afrikanischen Problemen muss man fast immer rechnen. Doch ohne Murren finden sich Stimme-Reisende, die jeweils zu viert gemeinsam Familienbungalows beziehen und dennoch am Abend das Barbecue unter freiem Himmel wohlgelaunt genießen. Derart übersättigt mit grandiosen Eindrücken geht es einen Tag später weiter durch den Blyde River Canyon zur letzten Übernachtung im Hazyview Hotel. Abschied nehmen heißt es – was in dem Top-Hotel, bei dem prächtigen Essen und vor allem dem Abschiedssekt, gespendet vom Reisebüro Gross, schwer fällt. Am 15. Tag folgt schließlich die Fahrt über Pretoria nach Johannesburg von wo aus der Heimflug nach Frankfurt startet. Mit einstündiger Verspätung. Aber auch das ist Afrika. Alles ein wenig anders, aber eindrucksvoll.



 


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