Im Netz auf der Couch lümmeln und übers Programm reden

Sulzfeld/Bretten - Früher war die Welt so einfach: Die Familie saß abends vor dem Fernseher, drei Programme gab's zur Auswahl und damit genügend Gesprächsthemen. Jetzt ist man übers Bundesgebiet verstreut, sitzt womöglich allein vor der Mattscheibe, doch das Bedürfnis nach dem Gespräch übers Programm bleibt. Das jedenfalls sagten sich Andreas Dittes, der aus Sulzfeld stammt, und Hannes Schippmann und Heiko Seebach. Sie gründeten das Internetportal Telewebber - die virtuelle TV-Couch, sagt das Trio.

Von Simon Gajer

Im Netz auf der Couch lümmeln und übers Programm reden
Fernsehen in der Gemeinschaft: Einst versammelten sich Familien und unterhielten sich übers Programm. Nun geschieht das im Netz.Fotos: Colourbox/privat

Sulzfeld/Bretten - Früher war die Welt so einfach: Die Familie saß abends vor dem Fernseher, drei Programme gab's zur Auswahl und damit genügend Gesprächsthemen. Jetzt ist man übers Bundesgebiet verstreut, sitzt womöglich allein vor der Mattscheibe, doch das Bedürfnis nach dem Gespräch übers Programm bleibt. Das jedenfalls sagten sich Andreas Dittes, der aus Sulzfeld stammt, und Hannes Schippmann und Heiko Seebach. Sie gründeten das Internetportal Telewebber - die virtuelle TV-Couch, sagt das Trio.

Geschäftsmodelle

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat die Firma mit Sitz in Bretten vergangenes Jahr sogar ausgezeichnet. Beim Gründerwettbewerb „Mit Multimedia erfolgreich starten“ gewann das Unternehmen. Es biete eine Reihe interessanter Geschäftsmodelle, lobte die Jury.

Der 24 Jahre alte Andreas Dittes erinnert sich gut an seine Kindheit. Werberaten war bei ihm zu Hause angesagt, erzählt der Geschäftsführer, der fürs Marketing zuständig ist. Lief der Werbeblock, galt es im Hause Dittes, so schnell wie möglich auf die Unternehmen dieser Spots zu kommen. Auch ohne solche Spielereien gilt: „Fernsehen ist das Medium, das sehr viel Kommunikation anregt.“ Und wenn der direkte Gesprächspartner fehlt, geht's eben ins Netz. Das war der Anlass des Trios, das Portal zu gründen. Sie wollten etwas dafür schaffen, was die Anwender ohnehin schon fasziniert. Vor allem Jugendliche, die viele Medien gleichzeitig nutzen, surfen und sehen fern zur selben Zeit, weiß Dittes. Und gern tauschen sie sich darüber aus. Von mehreren Tausend registrierten Nutzern berichtet er. Bei Spielfilmen halten sich die Gespräche auf dem Portal in Grenzen, zu abwechslungsreich ist die Handlung. Besser sind Serien oder Fußball, „dazu kann man sehr viel schreiben“. Sehr gut liefen die Internetseiten während „Bauer sucht Frau“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder „Dr. House“. Bei emotionalen Themen unterhielten sich die Menschen gern, sagt der 24-Jährige.

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Andreas Dittes

Für die Marktforschung

Mit konkreten Zahlen über Nutzer hält sich die Firma bedeckt. Dafür spricht Andreas Dittes gern über die Chancen des jungen Unternehmens. Vor allem in der Marktforschung sieht er Chancen zu wachsen: In Zeiten, in denen die Wirtschaft unsicher in die Zukunft schaut, bräuchten die Unternehmen eben Auskunft darüber, wie gut ihre Werbung ankommt. Eine Chance bietet eben das Werberaten wie einst im Hause Dittes. Ansonsten setzt das Brettener Unternehmen auf Spielereien, die das Trio zusätzlich zu den Gesprächsforen programmiert hat. Wie gut kommt eine Sendung in welcher Minute an, dazu können sich die Nutzer äußern. Liegt's etwa am Schauspieler? Zukunftsmusik wäre, dass die Fernsehsender ihn aufgrund der Telewebber-Kritik auswechseln.

Die Macher sind bereits in Gesprächen mit Fernsehsendern, auch an Wegen arbeiten sie, für jeden Anwender spezielle Fernsehtipps zu erstellen. Den Preis des Wirtschaftsministeriums sieht Dittes als Ansporn, weiterzumachen. Die Jury verdeutlichte schließlich: „Wir machen nicht alles falsch.“