Palmbräu füllt wieder in Eppingen ab

Von Peter Boxheimer



Eppingen - Es ist das Happy End einer Biergeschichte. Knapp 16 Monate nach der Übernahme der insolventen Palmbräu durch die Pforzheimer Brauerfamilie Scheidtweiler hat das Eppinger Traditionsunternehmen gestern seine Wiedergeburt besiegelt. Drei große Investitionen mit einem Kostenvolumen von mehr als zwei Millionen Euro sind offiziell in Betrieb gegangen.

"Das war schon eine Herausforderung", blickt Brauereichef Wolfgang Scheidtweiler auf die vergangenen eineinhalb Jahre zurück. Er steht mitten im neuen Schmuckstück der Palmbräu. 10.000 bis 12.000 Bierflaschen pro Stunde werden hier gewaschen, gefüllt und etikettiert. 1,3 Millionen Euro hat die hochmoderne Anlage gekostet.
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Umweltschutz

Sie macht 400 Lastwagen-Transporte pro Jahr überflüssig − nicht nur ein Gewinn für die Umwelt, sondern auch für die Bierqualität. Bislang war der Eppinger Gerstensaft in Pforzheim und im fränkischen Hallendorf abgefüllt worden. Arbeitsgänge, die jetzt wieder vor Ort ablaufen. Auf Kronenkorken ist die Maschine ebenso ausgelegt wie auf Bügelverschlüsse.

"Für mich ist das eine Herzensangelegenheit", strahlt Reinhold Laub. Verständlich: Der Betriebsratschef der früheren Palmbräu war Kellermeister, als das Unternehmen noch eine eigene Abfüllanlange hatte. "Sie fehlte uns, um wirklich wieder ganz daheim zu sein", meint Wolfgang Scheidtweiler.

Viel hat sich auch im Sudhaus getan, wo die Brauerei weitere 600.000 Euro in eine komplett neue Technik investiert hat. Die alte Würzepfanne aus Kupfer wird künftig nur noch im Bedarfsfall als Vorlauftank benutzt. "Wir können jetzt sekundengenau die Sude individuell steuern", verdeutlicht der Brauereichef. Die Ausschlagmengen sind von 240 auf 145 beziehungsweise 175 Hektoliter reduziert und damit den Gefäßgrößen im Gärkeller angepasst worden. Bis zu sechs Sude kann die Palmbräu täglich herstellen.

Vier Schnelldampferzeuger haben die veralteten Dampfkessel abgelöst. Innerhalb von acht Minuten liefern sie die maximale Leistung von 1600 Kilowatt, die die Brauerei für die Bierherstellung braucht. Betriebsleiter Moritz von Waldthausen: "Das bringt uns eine Energieeinsparung um die 40 Prozent und einen wesentlich geringeren CO2-Ausstoß." 160.000 Euro wurden hier ausgegeben. Noch geplant ist eine Holzpelletanlage für die Grundlast.

Stolz

Das geschulterte Investitionspaket nötigt allen Gästen der Einweihungsfeier Respekt ab. "Wir sind sehr froh und ein bisschen stolz, dass Palmbräu zwischenzeitlich wieder heimisch geworden ist", bekennt Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke. Glückliche Umstände, aber auch viel Schweiß hätten dazu beigetragen. Eine gute Kunde hat der Rathauschef: Das Palmbräu-Grundstück ist jetzt Sanierungsgebiet. Wenn die Eigentümer an die Gebäuderenovierung gehen, winken Landesmittel für die städtebauliche Erneuerung.

Zur Feier des Tages gibt"s noch ein neues Bier: "Das Original", ein naturtrübes Pils, mit Biomalz und -hopfen gebraut. Ein Produkt, das im Trend liegt. "Entscheidend ist, dass man die Umwelt schont und die Inhaltsstoffe noch etwas ausgeprägter und feiner sind", erläutert Wolfgang Scheidtweiler.





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