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Palmbräu: Neustart mit Naturhopfen (02.04.2009)
Von Peter Boxheimer
Eppingen - Die frisch geputzten Scheiben des Sudhauses blinken in der Frühjahrssonne. Endlich liegt der von vielen vermisste Malzgeruch wieder über der Innenstadt. Bei der Eppinger Privatbrauerei Palmbräu hat heute die neue Zeitrechnung begonnen.
Einen Tag nach der Übernahme des Betriebs startet die Pforzheimer Familie Scheidtweiler wieder die Bierproduktion.
Die ersten 240 Hektoliter kochen in der Würzpfanne. „Das gibt Unser Bestes – unfiltriert“, erläutert Braumeister Achim Müller. Als letzte Gabe kippt Andrea Scheidtweiler einen Korb Naturhopfen in den Kupferkessel. Acht Minuten später wird der Gerstensaft ausgeschlagen.
"Harte Arbeit, aber alles gelungen"
„Palmbräu ist wieder daheim“, umschreibt Brauereichef Wolfgang Scheidtweiler den symbolischen Akt, der viele Kraichgauer angelockt hat. Dass er Anfang April vor dem Sudhaus stehen würde, hätte er vor drei Monaten nicht gedacht. 500 Brauereien in Deutschland haben seit 1970 zugemacht. Es hätte nicht viel gefehlt, und die insolvente Palmbräu wäre unter ihnen gewesen.
Doch es kam anders. Die herzliche Aufnahme in Eppingen bestärkte die Kaufinteressenten. Der Einsatz von Insolvenzverwalter Karl-Heinz Branz und seiner Mitarbeiterin Martina Sandel beeindruckte. Scheidtweiler: „Ohne sie stünden hier heute Lastwagen, die die wenigen noch brauchbaren Teile der Brauerei weggeschafft hätten.“
Damit den Eppingern dies erspart blieb, musste das Pforzheimer Brauhaus die „Quadratur des Kreises“ lösen, wie es sein Chef formuliert: die Einigung über Brauerei, Kunden und Markenrechte. 240 Stunden hat der Anwalt der Scheidtweilers allein an den Verträgen gearbeitet. „Es war eine sehr harte Arbeit, aber es ist alles gelungen“, bilanziert der neue Palmbräu-Besitzer.
Frisches Bier zum Verbraucher
Er will jetzt mit seiner Mannschaft in Eppingen so richtig loslegen. Ende April kommen die ersten Biere auf den Markt. „Es wird sich nichts Wesentliches ändern. Sie werden nur noch einen Touch besser“, kündigt Scheidtweiler an.
120.000 Hektoliter hat die Palmbräu in ihren Glanzzeiten pro Jahr produziert. Die neuen Eigentümer geben sich erst mal bescheiden und peilen 30.000 Hektoliter an. In den nächsten Wochen und Monaten wollen sie die Technik verändern und dafür sorgen, dass das Bier handwerklich in kleineren Chargen gebraut wird. Frisch soll es zum Verbraucher kommen; deshalb wird auch das Haltbarkeitsdatum zurückgenommen. Scheidtweiler: „Das wird eine Herausforderung sein.“
Um die Qualität zu verbessern und eine Wirtschaftlichkeit herbeizuführen, haben die Pforzheimer ihren Seniorbraumeister Rudolf Gögl reaktiviert. „Manchmal sind die Oldtimer noch zu was zu gebrauchen“, schmunzelt der 70-Jährige, der 55 Jahre Branchenerfahrung mitbringt. Sein erstes Urteil über die Technik in Eppingen: „Die Töpfe sind viel zu groß.“ Beim Brauen will Gögl nur Aromahopfen einsetzen, der aus der Hallertau und der Tettnanger Gegend kommt. Der Eppinger Palmbräu-Mannschaft stellt er ein gutes Zeugnis aus. „Die Leute sind sehr aufnahmefähig und willig“, betont der Bayer.
„Für Eppingen ist es ein sehr schöner Tag“, strahlt Oberbürgermeister Klaus Holaschke. Er bekundet die Verbundenheit zwischen Kommune und Brauerei. Arbeitsplätze in der Stadt seien gesichert worden – und das in diesen schwierigen Zeiten. Der neuen Besitzerfamilie wünscht das Stadtoberhaupt viel Glück und Erfolg und verspricht: „Wir tragen unseren Teil dazu bei.“
Hintergrund: Natürtrübes Pils
Bei den Biersorten will Palmbräu erst einmal nichts ändern. Eine Innovation ist aber geplant: Das unfiltrierte Pils, das gestern zur Braupremiere ausgeschenkt wurde, soll es künftig im Fass und in der Bügelflasche geben. „Das hat den vollen Geschmack“, begründet Wolfgang Scheidtweiler die von der neuen Geschäftsführung getroffene Entscheidung, das Flaggschiff „Unser Bestes“ auch in naturtrüber Form anzubieten.
02. April 2009
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