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Palmbräu-Brauer in Not (29.10.2008)
Von Simon Gajer und Alexander Hettich
Die wirtschaftliche Situation der Zorn Söhne GmbH und Co. KG, die das Palmbräu-Bier braut, spitzt sich zu. Das Unternehmen hat beim Heilbronner Insolvenzgericht Antrag auf Einleitung eines sogenannten Insolvenzeröffnungsverfahrens gestellt. Dieser Schritt sei deshalb nötig, weil die früheren Geschäftsführer Georg und Andreas Polster angeblichen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkämen, sagte Zorn-Söhne-Chef Rolf Adler der Kraichgau Stimme (KS).
Nach KS-Informationen geht es um mehrere hunderttausend Euro. Adler sieht nach wie vor Chancen, eine „gesundgeschrumpfte Brauerei“ am Standort Eppingen zu erhalten. „Das wird aber ein Tal der Tränen nach sich ziehen.“ Die Polsters hatten die finanziellen Forderungen zurückgewiesen und ihrerseits rechtliche Schritte angedroht. Zu den aktuellen Entwicklungen wollten die Ex-Geschäftsführer heute nicht Stellung nehmen.
„Wir sind nicht zahlungsunfähig“, stellte Adler gegenüber der KS klar. Dass es bald soweit komme, sei aber nicht auszuschließen. Mitte Oktober habe der Bericht eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers das Ausmaß der wirtschaftlichen Schieflage des Traditionsunternehmens zu Tage gefördert. Vom Bekanntwerden dieses Gutachtens, das sei der 16. Oktober gewesen, habe er 21 Tage Zeit gehabt, beim Insolvenzgericht vorstellig zu werden, so Adler. „Da habe ich rechtlich keine andere Wahl.“
Bei dem jetzt eingeleiteten Schritt handelt es sich im Grunde um die abgeschwächte Form eines Insolvenzantrags. Vorbehaltlich der Entscheidung des Gerichts ist es denkbar, dass Adler einen Sachverwalter zur Seite gestellt bekommt und die angestrebte Sanierung des Unternehmens weiterbetreibt. Ziel sei es, das Unternehmen „gesundzuschrumpfen“ und zu erhalten. Denkbar sei es, den umfangreichen Immobilienbesitz an der Ludwig-Zorn-Straße teilweise zu veräußern und die Palette der in Eppingen hergestellten Produkte zu begrenzen.
Personalabbau möglich
Auch dass weiter Personal abgebaut werde, sei „nicht auszuschließen“, so Adler. Im Rahmen eines Sozialplans hatten zuletzt sechs von 30 Mitarbeitern ihre Kündigung erhalten. Abfindungen seien vereinbart. Ob die Unternehmen dieses Zahlungen nun leisten könne, sei ungewiss, sagte Adler, der eine direkte Verbindung zum Streit mit den früheren Geschäftsführern sieht. Das Unternehmern fordert von den Brüdern Polster, die nach wie vor Firmenanteile haben, 300.000 Euro. Das geht aus einer internen Mitarbeiterinformation hervor, die der KS vorliegt. Demnach hätten die Polsters ein Gesellschafterdarlehen in dieser Höhe zugesagt, aber nie bezahlt. Weitere Forderungen in Höhe von 200.000 Euro stehen im Raum. In diesem Fall sollen unter der Polster-Ägide Zahlungen an Dritte „ohne erkennbaren Rechtsgrund und Zustimmung des Hauptgesellschafters“ geleistet worden sein.
Die Gebrüder Polster hatten beides gegenüber dieser Zeitung zurückgewiesen. Georg Polster sprach von „Rufmord“ und kündigte rechtliche Schritte an. Auch Rolf Adler will den Gang vor Gericht nicht auszuschließen, um die Forderungen einzutreiben.
Er gehe nach wie vor davon aus, dass der Mehrheitsgesellschafter Weldebräu zu seinen Aussagen stehe, sagte Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke heute auf Anfrage. Zugesagt sei: Erhalt der Marke Palmbräu, des Brauereistandorts Eppingen und eines Mitarbeiterstamms in der Produktion.
Die derzeit letzte veröffentlichte Bilanz der Brauer ist die des Geschäftsjahres 2006. Das Vorgängerunternehmen der jetzigen Zorn Söhne GmbH und Co. KG, die Palmbräu Zorn Söhne GmbH und Co. KG, hatte damals einen Jahresfehlbetrag von fast 261.000 Euro ausgewiesen. „Ein operatives Minus“, sagte Adler zu den Zahlen. Im Geschäftsjahr zuvor war noch ein Plus von etwas über 10.300 Euro erwirtschaftet worden.
Hintergrund: Zorn-Söhne und Palmbräu
Die Brauerei besteht seit der Umstrukturierung im Sommer aus zwei Unternehmen. Die Palmbräu Eppingen GmbH, 100-Prozent-Tochter der Plankstadter Weldebräu, ist offiziell Nachfolgerin der Traditionsfirma. Geschäftsführer ist Welde-Chef Dr. Hans Spielmann. An der Zorn Söhne GmbH und Co. KG mit Geschäftsführer Rolf Adler halten die früheren Geschäftsführer Andreas und Georg Polster Gesellschaftsanteile von 48 Prozent, weitere 48 Prozent gehören Welde, der Rest Dr. Spielmanns Gattin.
Zorn Söhne steht zur Palmbräu formal in einer Kunden-Lieferanten-Beziehung. Palmbräu macht Qualitätsvorgaben. Zorn-Söhne braut das Bier, lässt es abfüllen und verkauft es an die Palmbräu GmbH, die sich als Inhaberin der Markenrechte um den Vertrieb kümmert. ah
Kommentar: Am Abgrund
Von Alexander Hettich
Die Eppinger Traditionsbrauerei kämpft – einmal mehr – ums Überleben. Nachdem die Palmbräu bereits vor fünf Jahren an der Pleite vorbeigeschrammt ist, bleibt dem Nachfolgeunternehmen Zorn Söhne wieder nichts anderes als der Gang zum Insolvenzrichter. In dieser Situation ist das Klima unter den Gesellschaftern vergiftet. Die früheren Palmbräu-Chefs und die neue Firmenleitung drohen, sich gegenseitig mit Klagen zu überziehen. Hohen finanziellen Forderungen steht der Vorwurf des Rufmords gegenüber. Es ist schwer vorstellbar, wie in einer solchen Konstellation ein angeschlagenes Unternehmen vor dem Abgrund bewahrt werden soll. Jetzt gilt es, alle juristischen Mätzchen schnell beizulegen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Rettung eines Unternehmens, das im Kraichgau verwurzelt ist und dessen Schicksal viele Menschen umtreibt. Wer die Schuld an der misslichen Situation der Brauerei trägt, ist für Außenstehende nicht zu beurteilen. Für das Gerücht, die Welde wolle die Palmbräu schnell abwickeln und habe nie anderes im Schilde geführt, gibt es nach Lage der Dinge keine Anhaltspunkte. Man darf der neuen Geschäftsleitung abnehmen, dass sie an einer Sanierung ernsthaft interessiert ist. Klar ist auch: Sollte die Brauerei überleben, wird sie anders aussehen als bisher. Kleiner, möglicherweise mit weniger Mitarbeitern und einem eingeschränkten Sortiment. Was jetzt sicherlich nicht hilft, ist eine Verweigerungshaltung der Kunden. Schon einmal war es die Solidarität einer ganzen Region, die Palmbräu vor dem Aus gerettet hat.
29. Oktober 2008
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