Nur jeder Vierte ist fest angestellt

Bretten  Bretten - Es war nur ein kleiner Infostand in der Fußgängerzone - und doch ein weiterer Baustein in einer Debatte, die seit einigen Tagen die Große Kreisstadt Bretten bewegt. Denn es geht um den größten Arbeitgeber am Ort, um Werkverträge und Leiharbeiter, um deren Unterbringung und Immobilien, die von der Stadt dafür zur Verfügung gestellt werden sollen.

Von unserem Redakteur Heiko Fritze

Nur jeder Vierte ist fest angestellt

Ende der Nachtschicht: Drei von vier dieser Arbeiter sind wohl nicht bei Deuerer angestellt, sondern als Leiharbeiter oder mit Werkvertrag tätig.

Foto: Arnd Waidelich

Bretten - Es war nur ein kleiner Infostand in der Fußgängerzone - und doch ein weiterer Baustein in einer Debatte, die seit einigen Tagen die Große Kreisstadt Bretten bewegt. Denn es geht um den größten Arbeitgeber am Ort, um Werkverträge und Leiharbeiter, um deren Unterbringung und Immobilien, die von der Stadt dafür zur Verfügung gestellt werden sollen.

Im Zentrum der Diskussion steht der Tierfutterhersteller Deuerer, der jüngst erstmals bundesweit in den Schlagzeilen war, als er beim Konkurrenten Vitakraft einen 20-Prozent-Anteil erwarb. Das Familienunternehmen ist in den vergangenen Jahren rapide gewachsen und kommt inzwischen auf eine Belegschaft von zeitweise 1600 Personen.

Jedoch: Nur etwa 400 sind fest angestellt, knapp 800 sind als Leiharbeiter tätig, der Rest mit Werkvertrag. Und in dieser letzten Gruppe gebe es vor allem viele Ungarn, die zum Teil in sehr beengten Verhältnissen untergebracht sind, deckten Journalisten jüngst auf.

Das Brisante daran: Die Stadt Bretten stellt offenbar mindestens ein Gebäude aus ihrem Besitz für eine ungarische Werkvertragsfirma zur Verfügung.

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Für heute hat Oberbürgermeister Martin Wolff die Fraktionschefs des Gemeinderates eingeladen, um über die Lage zu informieren und das weitere Vorgehen zu beraten, sagt Norman Liening von der städtischen Pressestelle. "Er will die Sache angehen." Ein Imageschaden für die Stadt werde zurzeit nicht befürchtet. "Man muss differenzieren zwischen den Gewerbetreibenden, die Werkvertragler einsetzen, und der Stadt an sich", meint Liening.

Beim Infostand der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) bekam deren Sekretär Christian Schick aber anderes zu hören. "Die Leute sind nicht begeistert, dass Bretten auf diese Weise in schiefes Licht gerät", erzählt er. Die Gewerkschaft fordere von Deuerer, möglichst viele Leiharbeiter zu übernehmen. "Bei diesen Umfängen und Umsatzgrößen kann von Auftragsspitzen keine Rede mehr sein", glaubt Schick.

Immerhin habe sich das Klima zwischen Unternehmensleitung und Gewerkschaft in den vergangenen drei Jahren gebessert. 2008 habe noch die Gründung eines Betriebsrats gerichtlich durchgefochten werden müssen, inzwischen gebe es Lohnerhöhungen, so dass die Stammbelegschaft mehr als den geforderten Mindestlohn von 8,50 Euro verdiene, erzählt der Gewerkschafter. "Wir wollen aber den Mantel- und Lohntarifvertrag umsetzen."

Von Hans-Jürgen Deuerer selbst war am Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten. In einem Interview vor einigen Tagen hatte er den Einsatz der Fremdarbeiter mit jederzeit möglichen Produktionsumstellungen begründet.