Der Bäcker richtete seine Opfer regelrecht hin (23.12.04)

Von Franziska Feinäugle

Es muss eine regelrechte Hinrichtung gewesen sein in der Sparkassenfiliale von Siegelsbach. Die Details, die die Heilbronner Staatsanwaltschaft gestern herausgegeben hat, ergeben ein noch grausameres Bild vom 7. Oktober als bisher bekannt. Gegen den Bäckermeister von Siegelsbach ist jetzt Anklage erhoben worden.

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Von Hagen Stegmüller

Ein Mord, zwei versuchte Morde, räuberische Erpressung mit Todesfolge und zweimal gefährliche Körperverletzung: So liest sich die juristische Version dessen, was dem bislang nicht vorbestraften 46-Jährigen vorgeworfen wird.

Die Anklageschrift geht von folgendem Tatablauf aus: Unmaskiert und mit einer geladenen Pistole betritt der Bäcker kurz vor 14 Uhr unmittelbar nach dem 29-jährigen Bankangestellten die Sparkassenfiliale. Im Schalterraum richtet er seine Waffe auf den Mann. Aus Angst um sein Leben öffnet der Angestellte den Tresor und gibt dem Räuber rund 33 000 Euro.

Um den Bankangestellten "um jeden Preis als Zeugen auszuschalten" (Staatsanwaltschaft), zwingt der Bäckermeister den 29-Jährigen auf die Knie. Mit dem Griff seiner Pistole schlägt er ihn von hinten mehrfach heftig auf den Kopf. Mit einem lebensgefährlichen Schädelhirntrauma und Trümmerbrüchen der Schädeldecke und an den Augenhöhlen sackt der junge Mann zusammen.

"Im Glauben, sein Opfer würde wie beabsichtigt sterben", will der Räuber die Bank verlassen, als ihm im Windfang ein Ehepaar aus dem Nachbarort Hüffenhardt entgegenkommt, das er vom Sehen kennt. Mit vorgehaltener Pistole dirigiert er die unliebsamen Zeugen in den Kundenraum, wirft den 66-jährigen Rentner bäuchlings über einen Stuhl, setzt ihm die Pistole in den Nacken und drückt ab. Der 65-Jährigen schießt er zweimal ins Gesicht. Sie stirbt noch am Tatort. Im irrigen Glauben, auch den Ehemann tödlich getroffen zu haben, steigt er in sein Fahrzeug und flüchtet. Was er nicht ahnen kann: Sowohl der Niedergeschossene als auch der Bankangestellte werden überleben und ihn eindeutig als Täter benennen.

Er habe mit der Tat "definitiv nichts zu tun", ist das Letzte, was der 46-Jährige zu den Vorwürfen gesagt hat - das war bei seiner Verhaftung am 9. Oktober. Seither haben sich zusätzlich zu den detaillierten Aussagen der beiden Augenzeugen immer mehr erdrückende Indizien gegen ihn angesammelt. So wurde am gestrigen Mittwoch offiziell bekannt, dass Blutspuren im Jagdfahrzeug des Bäckers und Hobby-Jägers vom Bankangestellten stammen; ebenfalls von dem 29-Jährigen ist die Handflächenspur auf einer der Banknoten, die an mehreren Stellen auf dem Bäckerei-Anwesen sichergestellt wurden, alles in allem über 20 000 Euro.

Die Summen passen zusammen: Keine vier Stunden nach der Tat zahlte der verschuldete 46-Jährige 10 000 Euro bei der Siegelsbacher Volksbank-Filiale ein. Laut Landgerichtssprecher Roland Kleinschroth wird dem Bäcker "nicht vor März" der Prozess gemacht.


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