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Ein Kreuz aus Kerzen spendete den Menschen Trost (14.10.)
Von Steffan Maurhoff
So voll war die katholische Kirche in Siegelsbach schon ewig nicht mehr. Obwohl sogar noch Stühle gebracht wurden, fanden nicht alle einen Sitzplatz. Doch das war nebensächlich. Das Wichtigste am Fürbittegottesdienst für die Opfer des Sparkassen-Überfalls war das gemeinsame Gedenken.
Nach dem Fürbittegottesdienst trug die Gemeinde Kerzen von der katholischen Kirche zur Sparkassenfiliale, wo man ebenfalls Lichter entzündete und der Opfer des Verbrechens gedachte. (Foto: Steffan Maurhoff)
fh"Bagdad, Kabul, Siegelsbach. Die Nachrichten nennen diese drei Orte schon in einem Atemzug", stellte der evangelische Pfarrer Daniel Fritsch aus Siegelsbach fest, der gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen Roman Gumbel und den Pfarrern Christian Ihrig aus Hüffenhardt und Walter Schnaiter aus Hilsbach sowie dem Notfallseelsorger Bruno Streibel den ökumenischen Gottesdienst am Dienstagabend gestaltete.
"Abgründe der menschlichen Seele haben sich aufgetan. Unsere heile Welt ist jäh zersprungen", umschrieb Fritsch jene Tragödie vom vergangenen Donnerstag, die das kleine Siegelsbach tagelang in den Mittelpunkt der bundesdeutschen Aufmerksamkeit rückte. Schockiert und sprachlos sei man, "und doch dürfen wir nicht schweigen".
Das Wort Gottes boten die Geistlichen zum Trost. Und die Mahnung Paulus' an die Römer: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten." Mit Blick auf den unter dringendem Tatverdacht festgenommenen Bäcker aus dem Dorf unterstrich Fritsch ausdrücklich, dass die Polizei in alle Richtungen ermittle und ein Verdächtigter so lange als unschuldig zu gelten habe, bis seine Schuld erwiesen sei.
Bei der Fürbitte beteten die versammelten Christen, die aus dem weiten Umland nach Siegelsbach gekommen waren, für die Opfer, die 65-jährige Ermordete aus Hüffenhardt, ihren schwer verletzten Mann und den 29-jährigen Sparkassenangestellten aus Hilsbach. Gebetet wurde auch für den Täter, der "nicht nur das Leben anderer, sondern auch sein eigenes und das seiner Familie zerstörte".
In die Fürbitte eingeschlossen wurden auch die Menschen, die die Opfer vorfanden, die Einsatzkräfte, die Polizei und diejenigen, die zur Tatzeit dort hätten sein sollen oder wollen. Auch die Medienvertreter, die verantwortungsvoll über das Geschehen berichten sollten. Doch als die Gemeinde ausgerechnet für sie ein Wort bei ihrem Schöpfer einlegte, waren sie urplötzlich nicht mehr da. Nurmehr lokale Berichterstatter vernahmen, was an ihre gesamte Zunft gerichtet war.
Bewegend, wie vielen Menschen es ein Anliegen war, im Gottesdienst zu getragener Musik selbst eine kleine Kerze anzuzünden und auf ein Kreuz vor dem Altar zu stellen. Viele hatten versteinerte Gesichter, viele weinten. Das gemeinsam entzündete Licht der Hoffnung trug die Gemeinde nach dem Gottesdienst von der Kirche hinüber zur Sparkasse. Am Tatort wurden auch Kerzen in Form eines Kreuzes aufgestellt, und Notfallseelsorger Bruno Streibel erinnerte nochmals, wie wichtig es sei, dass die Menschen nun einander beistehen.
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