Wie sich das Dorf seit 1890 verändert hat

Bad Rappenau - "Habt ihr noch alte Fotos?" Diese Frage stellten Margret und Helmut Niklaus fast zwei Jahrzehnte ihren Mitbürgern. "Wir haben alle Leute nach Bildern von Häusern, aus der Schulzeit oder von Personen gefragt", erinnert sich Margret Niklaus. Irgendwann sei das zum Selbstläufer geworden, meint sie, die Leute brachten alte Fotografien vorbei.

Von unserer Mitarbeiterin Gabriele Schneider

Wie sich das Dorf seit 1890 verändert hat
Margret und Helmut Niklaus sammelten mehr als 800 Bilder.Foto: Schneider

Bad Rappenau - "Habt ihr noch alte Fotos?" Diese Frage stellten Margret und Helmut Niklaus fast zwei Jahrzehnte ihren Mitbürgern. "Wir haben alle Leute nach Bildern von Häusern, aus der Schulzeit oder von Personen gefragt", erinnert sich Margret Niklaus. Irgendwann sei das zum Selbstläufer geworden, meint sie, die Leute brachten alte Fotografien vorbei. "Um die Erinnerung zu bewahren."

Sehenswert

Fast 800 der Bilder hat das Paar nun auf einer DVD geordnet und mit Texten zu vielen Themen versehen. Im Stadtarchiv und im Generallandesarchiv in Karlsruhe forschten die beiden, telefonierten mit Behörden und anderen Stellen. "Treschklingen 1890 − 2011" heißt das Werk, das Anfang Dezember fertig wurde. Auf DVD gebrannt hat es schon so mancher als Erinnerung oder Geschenk gekauft. Auf der glänzenden Scheibe findet sich ein sehenswerter Querschnitt an Fotos und Texten zu Themen wie Kindheit und Jugend, Alltag und Feste oder dem Vereinsleben. Viele Häuser sind zu sehen, die längst abgerissen sind, bei anderen dokumentieren Bilder den Wandel von 1890 bis heute. "Man sieht, wie sich der Ort verändert hat", so Margret Niklaus, "seit es drei Läden, drei Wirtschaften, Schule, Milchhäusle und Viehställe mit Misthof gab."

Leser erfahren, dass der Heinrich-Keppele-Ring nach einem 1738 nach Amerika ausgewanderten Treschklingener benannt ist, der dort die Deutsche Gesellschaft gründete, um anderen Einwanderern zu helfen. Der "Weinkauf", eine Art Vorläufer der Internetplattform ebay, ist Thema: In den Wirtshäusern lag ein Buch, in dem Waren angeboten wurden. Bieter hatten zwei Wochen Zeit, ihre Gebote einzutragen, das höchste bekam den Zuschlag. Auch dass der Dorfbach, der seit 1973 unterirdisch verläuft, früher weiblich war, erfährt man: "Die Bach" oder "die Dorfbach" wurde er genannt und schlängelte sich an der Straße entlang. Bilder belegen dies.

Polnischer Arbeiter

Auf einem Foto ist der Name des Schützenvereins zu sehen; erstaunlich, denn nichts anderes belegt dessen Existenz. Erinnern möchten die Autoren auch an Viktor Kania, einen polnischen Arbeiter, der seit 1940 auf dem Gutshof arbeitete, nach dem Krieg nicht zu Frau und Sohn zurückkehren konnte und darum blieb. Kanias Grablaufzeit endet demnächst. Ohne die DVD würde bald nichts mehr an ihn erinnern, weiß Margret Niklaus. Zeitdruck hat sich das Paar bei der Arbeit nie auferlegt, schließlich war anfangs alles nur für die eigene Familie gedacht. Die Idee zu Publizieren kam den Mittsiebzigern erst, als die Menge immer mehr anwuchs. Eine Konkurrenz zum Heimatbuch von 2004 soll die Dokumentation nicht sein. "Wir haben versucht, andere Bilder zu verwenden und neue Themen aufzugreifen", erläutert Margret Niklaus. Das Stadtarchiv hat bereits sein Exemplar erhalten. Um ein Gespür für die Datenmenge zu bekommen, zeigen die Autoren die einzige ausgedruckte Version: Sie umfasst einen dicken Aktenordner und vier Ringbücher.

Für 25 Euro beim Ehepaar Niklaus erhältlich: 07268 346.