Wie ein geschäftliches Engagement abgerundet wird

Eppingen - Beeindruckend Alles neu macht der Mai. Im Blumenmonat 2010 trifft dieser Spruch zumindest für die 175 Jahre alte Eppinger Palmbräu voll und ganz zu. Sudhaus-Technik, Energiezentrale, Flaschenfüllerei − es sind beeindruckende und hochmoderne Investitionen, die zum Jubiläum des Traditionsunternehmens diese Woche in Betrieb gingen.

Steter Tropfen höhlt auch in schwierigen Fällen den Stein

Eppingen - Beeindruckend Alles neu macht der Mai. Im Blumenmonat 2010 trifft dieser Spruch zumindest für die 175 Jahre alte Eppinger Palmbräu voll und ganz zu. Sudhaus-Technik, Energiezentrale, Flaschenfüllerei − es sind beeindruckende und hochmoderne Investitionen, die zum Jubiläum des Traditionsunternehmens diese Woche in Betrieb gingen. Wer hätte daran vor eineinhalb Jahren geglaubt, als die Existenz der insolventen Brauerei mehr als auf der Kippe stand? In diesem Fall hat sich ein weiterer Spruch bewahrheitet: Wunder gibt es immer wieder.

Reizvoll Unterstrichen wird die Innovationsfreude beim "Stolz des Kraichgaus" durch ein neues Produkt. Das naturtrübe Bio-Pils eröffnet der Brauerei gute Chancen, zusätzliche Käuferschichten zu erschließen. Mit Bedacht hat sie den 42-jährigen Ralph Zimmermann als neuen Braumeister an Land gezogen. Der gebürtige Bamberger hat in den vergangenen zwei Jahren als technischer Betriebsleiter bei der Neumarkter Lammsbräu gearbeitet − und die ist größter deutscher Biobierhersteller. Pioniergeist bringt der Franke mit. "Es ist immer wieder reizvoll, einen Betrieb quasi von Anfang an aufzubauen", sagt er. Was ihn am meisten fasziniert hat, war der Rückhalt, den die Palmbräu in der Bevölkerung genießt. Er kann jetzt durch seine Arbeit dazu beitragen, dass dies so bleibt.

Quirlig

Mit Zimmermann ist für ein Nachfolger für den reaktivierten Altbraumeister Rudolf Gögl gefunden, der das Eppinger Bier im ersten Jahr nach dem Neuanfang auf Vordermann gebracht hat. "Wir sind noch nicht am Ziel", meint der 71-Jährige. Er sieht weitere Verbesserungsmöglichkeiten in Sachen Technologie und Qualität. Und so denkt Brauereichef Wolfgang Scheidtweiler bereits an neue Investitionen. Als Nächstes kommt die Filtrationsanlage dran, die zwar technisch perfekt, aber für die jetzt hergestellten Biermengen zu groß dimensioniert ist. Auch der Drucktankkeller steht auf der Maßnahmenliste. Es würde zu dem quirligen Unternehmer nicht passen, gäbe er sich mit dem Erreichten zufrieden.

Bereichernd

Da passen die Pläne ins Bild, die Familie Scheidtweiler auf der Sulzfelder Ravensburg verwirklichen will. Das im vergangenen Jahr von ihr übernommene Restaurant soll erweitert und die nicht mehr zeitgemäße Küche in einem Anbau neu eingerichtet werden. In den kommenden Wochen geht es ans Baugesuch, die Realisierung ist über den Winter vorgesehen. Nächstes Jahr will die Familie das Lokal dann verpachten. Wenn der Betrieb weiterhin so gut läuft, soll in der Vorburg ein kleiner Hoteltrakt mit Fremdenzimmern gebaut werden. Keine Frage, dass dies an einem der attraktivsten Ausflugsziele des Kraichgaus eine Bereicherung für den Tourismus wäre.

Begeistert

Eppingen, Sulzfeld − und nun Sinsheim. Es verwundert nicht, dass Scheidtweiler auch in der Kraichgaumetropole Flagge zeigt. Er wird die Hälfte des Bahnhofsgebäudes erwerben und sanieren. Bis Ostern 2011 soll dort eine deutsche Erlebnisgastronomie einziehen − rechtzeitig zur Fußball-WM der Frauen. Pächter wird die Familie Schmidt sein, die den Alten Schlachthof in Wiesloch betreibt. Das Sinsheimer Rathaus ist vom Investor begeistert. Der Schachzug des Bierbrauers macht Sinn: Palmbräu hält an prominenter Stätte Einzug und stärkt seine Position im Kraichgau. Und das Engagement der Scheidtweilers im Hügelland wird abgerundet. Mal sehen, was sie noch alles auf Lager haben. Womöglich liegt das nächste Objekt in Heilbronn, wo Palmbräu verlorenes Terrain zurückgewinnen könnte.

Wie ein geschäftliches Engagement abgerundet wird
Den linken Teil des Sinsheimer Bahnhofsgebäudes will die Familie Scheidtweiler sanieren und eine Erlebnisgastronomie einrichten.Foto: Peter Boxheimer