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Von der Deutlichkeit sind alle überrascht
Von unserem Redakteur Steffan Maurhoff
Sinsheim - Es ist kaum was los am Morgen nach der Oberbürgermeisterwahl im Sinsheimer Zentrum. Die Läden öffnen gemächlich, die wenigen Fußgänger haben es bei der eisigen Kälte besonders eilig. In der Bäckerei Hollenbach sitzt eine Dame beim Kaffee und hält für ganz selbstverständlich, was noch 24 Stunden zuvor kein Mensch ahnen konnte: "Es war klar, dass er’s wird."
Gutes Gefühl
Sie meint Jörg Albrecht, der am 1. Mai nach Rolf Geinert (SPD) OB wird. Dass der mit Unterstützung der Sinsheimer CDU angetretene Kandidat und parteilose Noch-Bürgermeister von Mauer seinen Mitbewerber, den Sinsheimer Baubürgermeister Achim Keßler (SPD), derart deutlich aus dem Rennen werfen würde, hätte noch nicht einmal er selbst zu hoffen gewagt: "In den vergangenen eineinhalb Wochen habe ich gedacht, es müsste reichen", sagt der 43-Jährige rückblickend. Die Menschen seien auf ihn zugekommen, hätten ihn bestärkt: "Ich hatte ein gutes Gefühl." Aber dass gleich 77,2 Prozent der Sinsheimer ihn zum künftigen Stadtoberhaupt gewählt haben, das sei dann doch eine Überraschung.
So sieht es auch Friedhelm Zoller, Sprecher der CDU-Fraktion im Gemeinderat. "55 bis 60 Prozent − damit hätte ich gerechnet." Besonders habe es ihn überrascht, dass der künftige OB in sämtlichen Wahlbezirken vorn lag. Zoller habe Albrecht eher in den Ortsteilen vor Keßler gesehen. In Reihen etwa, wo der 51-jährige Baubürgermeister wegen eines umstrittenen Krematoriums in der Kritik steht, "hätte ich jede Wette gemacht", so Zoller. Doch nicht dort, sondern in Hilsbach heimste Albrecht mit 84,6 Prozent die größte Zustimmung ein.
"Die Deutlichkeit hat mich absolut überrascht", sagt auch Sabine Reithmeyer. Aber damit endet für die SPD-Stadträtin, die Achim Keßler im Wahlkampf unterstützt hatte, auch schon die Gemeinsamkeit mit der CDU vor Ort. Dieser wirft sie vor, in der Schlussphase einen unfairen Wahlkampf geführt zu haben. Die Argumente seien auf die angespannte Finanzlage der Kommune zugespitzt worden, eine differenzierte Betrachtung − auf der anderen Seite steht die rasante Entwicklung der Stadt − habe bei vielen Wählern gar nicht mehr stattgefunden.
Kritik an CDU
Übel nimmt Reithmeyer der CDU einen Mitgliederbrief, in dem die Partei der bisherigen SPD-Doppelspitze in Rathaus eine Reihe Fehlentscheidungen und armierende Finanzzahlen vorwirft: "Die haben die Entscheidungen mitgetragen und gegen die eigenen Beschlüsse Wahlkampf gemacht", empört sich Reithmeyer.
Ein Nachspiel dürfte ein Flugblatt haben, auf dem Achim Keßler als Schuldentreiber und Rechtsbrecher dargestellt wird. Verteilt worden sei es am Samstag vor der Wahl in der Sinsheimer Innenstadt. "Hier werden rechtliche Schritte eingeleitet", ist sich Reithmeyer sicher.
Der Wahlsieger Jörg Albrecht will ins Parteiengezänk nicht einsteigen: "Nicht die CDU hat Wahlkampf gemacht, sondern Jörg Albrecht", betont er. In den nächsten Wochen wolle er auf sämtliche politischen Köpfe in der Stadt zugehen und Gespräche führen: "Ich habe gesagt, dass ich mit allen auskommen will."
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