Über das jüdische Leben

Kraichgau - Eine große Anzahl interessierter Besucher fand sich in der Volksbank Bruchsal-Bretten ein, um erstmals die Wanderausstellung "Dem Vergessen entrissen: Jüdisches Leben im Kraichgau" zu sehen.

Von Nicole Theuer

Kraichgau - Eine große Anzahl interessierter Besucher fand sich in der Volksbank Bruchsal-Bretten ein, um erstmals die Wanderausstellung "Dem Vergessen entrissen: Jüdisches Leben im Kraichgau" zu sehen. Initiiert haben die Schau der Verein Jüdisches Leben Kraichgau und der Heimatverein Kraichgau, die für die Mitarbeit unter anderem Archivare der Landkreise Karlsruhe und Heilbronn gewonnen haben. "Im Kraichgau gab es eine große Dichte jüdischer Gemeinden, sie prägten über lange Zeit das wirtschaftliche und geistliche Leben", berichtete Bernd Röcker, der das Konzept der Wanderausstellung entwickelt hat und Vorsitzender des Heimatvereins Kraichgau ist.

Zielsetzung

Die Intention der Ausstellungsmacher ist deutlich: "Wir wollen vor allem viele junge Menschen erreichen, denn das Thema Judentum ist hochpolitisch." Teilweise waren in den Kraichgaugemeinden mehr als ein Drittel der Bevölkerung Juden. Daraus leitet sich das Leitmotiv von Dr. Esther Graf ab, die mit Manja Altenburg das Material der 25 Autoren geordnet hat. "Wir wollten das lebendige Moment betonen", sagte Esther Graf, Expertin für jüdische Kunst. "Auf keinen Fall wollten wir in eine Gedenkstarre verfallen, denn das Judentum definiert sich über das Leben und nicht über den Tod."

Die Ausstellung zeigt auf Schautafeln die Bandbreite des Lebens. Die Geschichte des Judentums wird ebenso beleuchtet wie die Religion an sich und das soziale Leben. "Leider gibt es heute keine jüdischen Gemeinden mehr, dafür aber eine sehr rege Erinnerungskultur", sagte Esther Graf.

Michael Heitz, Vorsitzender des Vereins Jüdisches Leben Kraichgau, beschäftigt sich schon seit einigen Jahren intensiv mit der Geschichte des Volkes. "Das, was Sie hier sehen, zeigen wir erstmals einer breiten Öffentlichkeit und hoffen, dass viele Menschen Gebrauch von dem Angebot machen werden", sagte er.

Lob für Schau

Zu den Besuchern gehörte Rabbi Shaul Friberg. "Die Ausstellung ist sehr interessant, Michael Heitz und seine Mitarbeiter haben wirklich sehr gute Arbeit geleistet", freute er sich. Der gebürtige Schwede lehrt in Heidelberg an der Hochschule für jüdische Studien und ist interessehalber nach Bruchsal gekommen. "Ich freue mich sehr über diese fantastische Ausstellung und wünsche mir, dass sie viele Besucher anschauen."

Eine Erfahrung hat Friberg in Deutschland gemacht. "Im Vergleich zu anderen europäischen Völkern wissen die Deutschen sehr viel über das Judentum." Einer davon ist Louis Schmidt, der in der Schule einiges über das Judentum gelernt hat. "Das Thema interessiert mich schon", erzählte er. "Einige Tafeln habe ich mir auch schon genau durchgelesen, das ist wirklich interessant." Dass das Thema Judentum in den Schulen gegenwärtig ist, zeigen jene zwölf Schautafeln, die von Kindern und Jugendlichen verschiedener Schulen zusammengestellt worden waren. "Wir wollen Schulen eine Plattform bieten, ihre Arbeiten sichtbar zu machen", sagte Vereinsvorsitzender Michael Heitz.