Synagoge sorgt für Gesprächsstoff

Bad Rappenau - Verein Jüdisches Leben Kraichgau wird auf verfallendes Gebäude in Heinsheim aufmerksam. Die marode Synagoge wurde unterschiedlich genutzt, zuletzt als Schlosserei-Werkstatt. Vieles spricht für eine Sanierung.

Von Steffan Maurhoff

Bad Rappenau - Die Idee, die ehemalige Synagoge von Heinsheim zu bewahren, zieht Kreise. Kaum hatte Elisabeth Hilbert vom Verein Jüdisches Leben Kraichgau in der Kraichgau Stimme von der Möglichkeit gelesen, das ehemalige Gotteshaus aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken, griff sie auch schon zum Hörer. Auch wenn der Verein das Vorhaben bestenfalls begleiten, keinesfalls aber finanzieren könne, findet die Vereinsvorsitzende: "Eine Grundsicherung muss erfolgen."

Werkstatt

Wie berichtet, befindet sich die ehemalige Synagoge heute in Privatbesitz. Anfang der Dreißigerjahre hatte sie der Landwirt August Kühner von der schrumpfenden jüdischen Gemeinde erworben. Kühner wurde nach Kriegsende als Bürgermeister der Nachfolger von Christoph Berg; auf Kühner folgte dann Bürgermeister Josef Müller.

Die Synagoge wurde unterschiedlich genutzt, zuletzt als Schlosserei-Werkstatt. Der derzeitige Besitzer denkt an den Ruhestand, weshalb der aus Heinsheim stammende Stadtrat Fritz Abel angeregt hatte, die sich bietende Chance zu nutzen. Die Stadt Bad Rappenau steht dem nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber − hat aber nicht genügend Geld, weshalb Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen sagt: "Der Kauf wäre sicherlich der kleinere Akt. Aber dann kämen Dinge von der Verkehrssicherungspflicht bis zur Sanierung auf uns zu."

Der Zustand des Gebäudes ist schlecht. Der vor einigen Jahren erneuerte Außenputz bröckelt, das Dach ist marode, die Fallrohre der Regenrinnen sind löchrig. Ein Teil der ursprünglichen Fenster mit Holzrahmen sind durch große Kunststofffenster ersetzt worden.

Wie die Synagoge sich davor präsentierte, ist in einem Buch von Joachim Hahn, einem anerkannten Fachmann, zu sehen: Ein Schwarzweiß-Foto zeigt das Gebäude in den 80er-Jahren noch mit den alten Fenstern. Die Existenz der ehemaligen Synagoge ist Fachkreisen schon lang bekannt, neu ist jedoch die Möglichkeit des Erhalts.

Barock

Elisabeth Hilbert denkt, sie müsse gerettet werden: "Das ist in unser aller Verantwortung." Zumal es die einzige verbliebene Synagoge im Bad Rappenauer Stadtgebiet sei. Im Verbreitungsgebiet der KS gibt es außer in Heinsheim nur noch in Eppingen eine erhaltene Synagoge.

In Heinsheim, davon ist Hilbert überzeugt, steht "eine schöne, alte Dorfsynagoge aus der Barockzeit". Im sogenannten Hochzeitsstein mit Davidstern und hebräischen Schriftzeichen ist die Jahreszahl 1796 eingemeißelt. Das Krüppelwalmdach sei für Synagogen aus jener Zeit regelrecht charakteristisch, weiß die Vorsitzende. Mit finanziellen Mitteln kann der Verein Jüdisches Leben aber ebenso wenig dienen wie die Stadt. "Wir können das nur begleiten", sagt Hilbert.

Deshalb habe sie Fritz Abel Kontakte zum Landesdenkmalamt und zum Landesamt für politische Bildung vermittelt. "Wir versuchen Netzwerke zu bilden", schildert sie eine der Stärken des 2008 gegründeten Vereins. Wesentlich sei es allerdings, nicht nur das Gebäude zu sanieren, sondern auch ein Konzept für die Nutzung zu finden. "Sonst wäre es nur eine Frage der Zeit, dass die Synagoge wieder sich selbst überlassen wird."

In Heinsheim erkennt Hilbert gleich mehrere Anknüpfungspunkte: Hier liegt einer der bedeutendsten jüdischen Verbandsfriedhöfe Süddeutschlands, auf dem lange Zeit Juden aus dem gesamten Raum beigesetzt wurden. Außerdem sind in Heinsheim zahlreiche Judenhäuser erhalten geblieben, und es gibt einen Gedenkstein, der an die Verschleppung jüdischer Mitbürger durch die Nazis ins französische Internierungslager Gurs erinnert.

Synagoge sorgt für Gesprächsstoff
Einst Gotteshaus, heute Schlosserwerkstatt: Über Geldgeber für die Sanierung und die künftige Nutzung der Heinsheimer Synagoge wird diskutiert.Foto: Steffan Maurhoff