Mehrdeutige Farbspiele

Der Speyerer Künstler Wolfgang Beck regt mit der Ausstellung »Im Licht der Farbe« zum Denken an

Von Werner Tewes

Wolfgang Beck neben einem seiner jüngeren Werke: Seit etwa zwei, drei Jahren widmet sich der Künstler Plexiglasmalereien.Foto: Werner Tewes

Sulzfeld - Frei nach dem berühmten deutschen Maler Paul Klee bringt es Laudator Thomas Bußjäger während der Eröffnungsfeier auf den Punkt: »Kunst soll nicht abbilden, sie soll sichtbar machen.« Anders ausgedrückt: Kunst muss hinter die Wirklichkeit schauen, subtil sein, Interpretationsspielraum lassen. Dass die Werke des Speyerer Grafikers Wolfgang Beck dazu imstande sind, wird bei der Ausstellung »Im Licht der Farbe« im Bürgerhaus Sulzfeld gut sichtbar.

Mehrere Ebenen 66 seiner Werke sind zu sehen - bis auf wenige Ausnahmen alles Bilder aus der jüngeren Schaffenszeit des Künstlers. Das heißt: Öl- und Acrylmalereien auf Plexiglas. Wahlweise auf einer Scheibe, auf zweien oder dreien. Teils kombiniert mit Leinwänden, auf denen das Glas angebracht ist. »Das Leben ist vielschichtig«, erklärt der Speyerer. »Deshalb arbeite ich mit verschiedenen Ebenen.«

»Blue Lovers« etwa zeigt auf der Glasfront schemenhaft schwarze Umrisse eines weiblichen Aktes, auf der Rückseite sind in satten Farben ein weiblicher und ein männlicher Körper erkennbar. Bei »Süden« ist auf der Leinwand im Hintergrund eine Bucht zu sehen. Vorne anmontiert sind verschiebbare Glasscheiben mit Gucklöchern, die dem Betrachter je nach Stellung unterschiedliche Perspektiven eröffnen. Der Clou: Durch das Glas verändert sich die Farbstimmung je nach Lichteinfall: Die Bucht scheint fröhlich warm bis unwirtlich kalt.

Zwei Hauptmotive lassen sich auf den Bildern Becks immer wiederfinden: Freiheit und Erotik. Beck bevorzugt es, weibliche Akte abzubilden. Auf einigen seiner Werke sind die Schlagworte der französischen Revolution versteckt: liberté, égalité, fraternité. Beck selber sieht sich als Verfechter individueller Freiheit, als Vertreter der Emotionalität. Seine Bilder sollen Menschen befreien und Gefühle in ihnen wecken, ohne jedoch kitschig zu sein, sagt er und ergänzt: »Der weibliche Körper vermag genau das zu erreichen.«

Interpretationen Allerdings: Trotz der Grundtendenz, seine Bilder lassen Platz für eigene Interpretationen. So wirken die Frauen trotz aller Wärme, die sie ausstrahlen, seltsam entrückt. Trotz der Verletzlichkeit durch ihre Nacktheit, wirken sie geschützt und fremd durch das Plexiglas, hinter dem sie zum Teil versteckt sind. Was das bedeuten soll, muss jeder für sich selbst herausfinden. Schließlich ist genau das die Aufgabe der Kunst: Menschen zum Denken anzuregen.

Die Ausstellung ist bis zum 16 November im Bürgerhaus zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags, 16 bis 18 Uhr, sonntags, 14 bis 18 Uhr.