Lebendige Worte, berührende Musik

Kraichgau - Am Abend bevor das erste Lichtlein am Adventskranz entzündet wird, steht für viele Wollenberger und Menschen aus der Region seit Jahren ein besonderer Termin im Kalender. Zum siebten Mal in Folge hat Hermann Siegmann seine neueste Weihnachtsgeschichte vorgestellt.

Von unserer Mitarbeiterin Gabriele Schneider

Lebendige Worte, berührende Musik
Vorlesestarke Mannschaft (von links): der evangelische Pfarrer Daniel Fritsch, Autor Hermann Siegmann und OB Hans Heribert Blättgen.Foto: Schneider

Kraichgau -  Am Abend bevor das erste Lichtlein am Adventskranz entzündet wird, steht für viele Wollenberger und Menschen aus der Region seit Jahren ein besonderer Termin im Kalender. Zum siebten Mal in Folge hat Hermann Siegmann seine neueste Weihnachtsgeschichte vorgestellt. Zum fünften Mal fand die Benefiz-Buchtaufe in der vollbesetzten evangelischen Kirche statt.

Schicksalswege

Siegmann teilte sich die Lektüre mit zwei Vorlesern. Bad Rappenaus Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen las zum sechsten Mal mit dem Autor, Pfarrer Daniel Fritsch war zum ersten Mal dabei. "Schicksalswege, die Macht der Nächstenliebe", lautet der Titel von Siegmanns neuester Erzählung, die diesmal in Heilbronn beginnt und in der Kurstadt endet.

Ausgehend von der angsterfüllten Frage des fünfjährigen Markus, ob denn der böse König Herodes aus der Weihnachtsgeschichte noch lebe, taucht dessen Mutter Gabi tief in ihre eigene, schicksalhafte Vergangenheit ein. Siegmann, Fritsch und Blättgen hauchten den geschriebenen Worten viel Leben ein. Bewegend integrierte Siegmann gleich zu Beginn die Musik und schaffte damit zusätzliches Advents-Flair. Als nämlich Mama Gabi in der Erzählung dem kleinen Markus am Bett "Stille Nacht" vorsang, erklang das Lied von der Empore herab. Berührend sangen die Helmstedter Schwestern Barbara Kühne und Ingrid Landhäußer während der Lesung weitere Stücke. Die Jungscharkinder trugen zwei flotte Lieder vor, darunter "Hey, Jesus liebt dich" zur Melodie des Pippi-Langstrumpf-Lieds, und Evelyn Emmert verzauberte an der Orgel.

Ein Schicksalsweg, allerdings ganz ohne die Macht der Nächstenliebe, war vor 71 Jahren die Verschleppung von elf Wollenberger Juden ins französische Lager Gurs und ihre Ermordung durch die Nationalsozialisten. Wollenberger Konfirmanden bearbeiteten vor vier Jahren zwei Gedenksteine zur Erinnerung. Einer der Steine wurde im Ort aufgestellt, der zweite ist für die zentrale Gedenkstätte in Neckarzimmern im Rahmen des ökumenischen Jugendprojekts Mahnmal gedacht. Doch auch nach vier Jahren ist er noch im Bad Rappenauer Teilort. "Weil es Geld kostet", erklärte Siegmann, und die Kirchengemeinde die anfallenden 250 Euro Aufstellungskosten bisher nicht aufbringen konnte.

Verschleppte Juden

Mit dem Erlös aus dem Verkauf der gedruckten Geschichte möchte Siegmann seine Kirchengemeinde unterstützen. Allerdings knüpfte er daran die Bedingung, von einem Teil des Gelds müsse endlich der Stein aufgestellt werden. Siegmann betonte, ihm ginge es dabei weniger darum, eine bestimmte Volksgruppe zu unterstützen, sondern um die elf nach Gurs verschleppten Wollenberger.