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Kraichgau-Soja als regionaler Trumpf
Von unserem Redakteur Alexander Hettich
Eppingen - Bislang interessiert Soja die meisten Kraichgau-Bauern nicht die Bohne. Das soll sich ändern. Experten halten es für möglich, dass die Eiweißbombe unter den Feldfrüchten langfristig auf 1500 Hektar Ackerboden in der Region heimisch wird. Staatliche Fördergelder, die Gentechnikfrei-Philosophie des Genossenschaftsunternehmens Kraichgau-Raiffeisen-Zentrum und ein lokaler Absatzmarkt lassen die Sojaträume sprießen.
Futtermittel
Tonnenweise Futter benötigt der Rohrbacher Landwirt Georg Heiltinger täglich für seine mehr als 40 000 Hühner. Die Mahlzeit der Legehennen besteht zu rund 15 Prozent aus eiweißreichem Soja − und das stammt zumeist aus Übersee. "Man muss das nicht durch die ganze Welt schippern", fordert der Eppinger ein Umdenken, " Soja wächst auch hier." Genau diese Entwicklung zeichnet sich ab, wenn auch in zunächst bescheidenem Umfang. "Wir starten quasi bei Null", sagt Dieter Schleihauf, Getreideexperte des Kraichgau-Raiffeisen-Zentrums (KRZ). Schon ab April sollen auf 200 Hektar Ackerland der in der Kraichgau-Getreide-Erzeugergemeinschaft organisierten Bauern Sojabohnen wachsen. "Langfristig sehen wir ein Potenzial von 5000 Tonnen Sojabohnen und Erbsen", erwartet Schleihauf.
Fördergeld
Aus Soja lässt sich Tofu oder Milch für Konsumenten mit Lactoseunverträglichkeit herstellen. Der Löwenanteil landet aber im Tierfutter. Dabei deckt die heimische Produktion nur zehn Prozent des Bedarfs in Deutschland. Hier will die Politik mit Fördergeldern gegensteuern. Der Staat hält die Bohne auch deshalb für förderwürdig, weil sie ohne Stickstoffdüngung auskommt, die den Boden belastet. Das gleicht zu einem Teil aus, dass die bislang exotische Hülsenfrucht in der Ernte deutlich weniger abwirft als etwa Weizen.
Weiterer Faktor, der das Soja-Szenario spannend macht: "In den USA und Argentinien ist Soja zu fast 100 Prozent genetisch verändert", erläutert Schleihauf. Ein Ausschlusskriterium für das Raiffeisen-Zentrum, das seit 2010 bei seinen Futtermitteln mit dem Label "gentechnikfrei" wirbt. Ein technisches Hindernis ist aus dem Weg geräumt. Um als Basis für Futter zu taugen, muss Soja in Wärmeanlagen getoastet werden. Das konnten lange nur Anlagen, die Hunderte Kilometer vom Kraichgau entfernt lagen. Der Lkw-Transport hätte den Öko-Vorteil zunichte gemacht. Jetzt müssen die Bohnen nur bis kurz hinter Sinsheim reisen. "Mittlerweile", so Schleihauf, "hat die Ebert-Mühle in Dielheim entsprechende Kapazitäten."
Gemeinschaft
Bei Hühnerhalter Georg Heitlinger rennt das Raiffeisen-Zentrum offene Türen ein. Mit Kollegen hat er die Vermarktungsgemeinschaft "Drauf 08ten" gegründet, die unter anderem auf einen hohen Futteranteil aus heimischer Produktion setzt. Kraichgau-Soja passt da gut ins Konzept. "Das habe ich schon vor fünf Jahren gepredigt." Auf seinen eigenen Feldern will der Rohrbacher ebenfalls Soja ziehen. "Warm genug ist es hier, der Kraichgau gilt ja nicht umsonst als Toskana Deutschlands."
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