Im Einsatz für vergessene Tiere

Gemminger hilft in Indonesien bei der Rettung einer bedrohten Schweine-Spezies

Von Alexander Hettich

„Kümmern uns um weniger attraktive Tiere“: Der Verein, dessen Schatzmeister aus Gemmingen kommt, will die Java-Pustelschweine retten.Fotos: privat/ dpa

Artenschutz - Schön ist es nicht, das Java-Pustelschwein, dessen Überleben auf der indonesischen Hauptinsel akut gefährdet ist. Seien wir ehrlich: Das Tier ist hässlich. Das ist der Punkt. Öffentliche Aufmerksamkeit für die Bedrohung putziger Pandabären zu wecken, ist einfach. „Wir kümmern uns um die weniger attraktiven Tiere“, beschreibt Walter Schulz die Ziele der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP), die auf einige Erfolge verweisen kann. Im Dezember reiste der Gemminger für drei Wochen nach Indonesien, um ein Hilfsprojekt mit anzustoßen. Es sieht so aus, als habe Sus verrucosus noch einmal Schwein gehabt.

Im Visier von Jägern Sus verrucosus – das ist der wissenschaftliche Name der Pustelschweinart, die bei der javanischen Bevölkerung bislang keinen großen Stellenwert besaß. Der Bestand ist arg dezimiert, mitunter wurde das Borstenvieh zur Zielscheibe von Spaß-Jagdgesellschaften. „Wenn nichts geschieht“, schätzt Walter Schulz, „ist die Art in ein paar Jahren ausgerottet.“ Doch es passiert etwas. Das Pustelschwein ist ein klassischer Fall für die ZGAP. Der 58-jährige Gemminger ist Schatzmeister des Vereins, der seinen Sitz in München hat und bundesweit rund 800 Mitglieder zählt (siehe Stichwort). Ob Prinz-Alfred-Hirsche, Sulawesi-Erdschildkröten oder Philippinen-Uhus – die Tierfreunde machen sich überall auf der Welt zum Anwalt vergessener Tiere. Unter den Schützlingen sind Exemplare von eher derbem Äußerem wie kambodschanische Geier oder eben die javanischen Schweine, aber auch flauschige Tierchen wie der Rote Kleideraffe, der vor allem in Vietnam zu Hause ist. Dabei ist das Vorgehen meist wie im Fall des Indonesien-Projekts. „Mit einem relativ kleinen finanziellen Beitrag“, erklärt der Gemminger, „wollen wir etwas anstoßen, das dann weiter wachsen kann.“

Zuletzt waren es 5000 Euro, die der Artenschutzverein und der früh als Sponsor gewonnene Zoo von Los Angeles in ein bestehendes Rescue Center in dem kleinen Ort Cikananga investierten. Dort, etwa 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Jakarta, betreuen 16 Mitarbeiter verschiedene bedrohte Tierarten. Mit der Anschubfinanzierung aus Deutschland und den USA entstanden vier Gehege für die Pustelschweine. „Im Boden mussten wir 60 Zentimeter tief Beton einlassen“, erzählt der Tierschützer aus dem Kraichgau, der als Konstrukteur arbeitet. Die Borstentiere würden sich ansonsten unter dem Zaun durchgraben. Drei Java-Pustelschweine sind in der neuen Anlage schon untergebracht, weitere sollen hinzukommen, um eine richtige Zucht auf die Beine zu stellen. „Andere Zoos, etwa der in Singapur, haben schon Unterstützung signalisiert“, freut sich Schulz, der sich eigentlich vor allem für Papageien begeistert.

Wiedersehen 2017? Die persönlichen Kontakte des Münchner ZGAP-Vorsitzenden Roland Wirth öffneten viele Türen, auch der indonesische Staat ist mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und hat einen Experten aus Jakarta in die Südprovinz geschickt. Überhaupt sei in Schwellen- und Entwicklungsländern die Bedeutung des Artenschutzes gestiegen, so die Erfahrung des Gemmingers, der ZGAP-Projekte in Brasilien oder auf Kuba besucht hat. „Bei der jungen Generation ist ein ganz anderes Bewusstsein da.“

Das Schweineprojekt in Indonesien sieht der Tierfreund aus dem Kraichgau auf einem guten Weg: „Wir haben mit den Indonesiern ausgemacht, dass wir in spätestens zehn Jahren wieder nach Java kommen, um die Rettung der Art zu feiern.“

Fingertier "Mario" im Berliner Zoo
. . . für solche Fingertiere aus Madagaskar und Dutzende anderer Arten.  
Kleideraffen
Der Verein ZGAP fördert seit 25 Jahren Schutzprojekte für Kleideraffen, . . .  
Der Gemminger Walter Schulz bei seiner Indonesienreise im Dezember.
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