Erinnerung wach halten

Bad Rappenau Jugendliche enthüllen in Heinsheim einen Gedenkstein für deportierte Juden

Von Gabriele Schneider

Erinnerung wach halten
Gegen das Vergessen (von links): Lena Baumgart, Daniel Holl, André Pfeil, Yannick Heumaier und Florian Dreiseitel beim Heinsheimer Gedenkstein.Foto: Gabriele Schneider

Bad Rappenau - Fünf Heinsheimer Jugendliche haben sich in den vergangenen Monaten mit dem Schicksal von 6000 Juden befasst, die am 22. Oktober 1940 aus 137 badischen Gemeinden ins französische Lager Gurs verschleppt worden waren. Unter den Opfern befanden sich auch vier Heinsheimer Bürger. Im Rahmen des ökumenischen Jugendprojekts Mahnmal, initiiert von der Evangelischen Landeskirche Baden und der Erzdiözese Freiburg, entwarfen und gestalteten Lena Baumgart, Florian Dreiseitel, Yannick Heumaier, Daniel Holl und André Pfeil zwei identische Gedenksteine.

Kerzen Einer wurde am Freitagabend im Beisein von etwa 100 Heinsheimern eingeweiht, dem Abend, an dem im jüdischen Leben der Ruhetag Sabbat beginnt. Auf dem Platz vor der ehemaligen Synagoge informierten die 15- und 16-Jährigen über die Geschichte und Deportation von Moses Ottenheimer, seiner Tochter Hedwig Freudenthaler sowie der Enkelinnen Anna und Hilde. "Das alles darf nicht vergessen werden", mahnte der katholische Pfarrer Wolfgang Gätschenberger. Nach Gebeten, Flötenspiel und einer "Litanei für die Entrechteten" entzündete Lena Baumgart die Kerzen am siebenarmigen Leuchter. Mit Grablichtern zogen die Gäste zum Lindenplatz.

Dort enthüllten die Jugendlichen ihren Stein, die Gäste platzierten die Lichter um ihn herum. Das Werk besteht aus Mühlbacher Sandstein, aus dem auch die Heinsheimer Burg Ehrenberg erbaut wurde. Der quaderförmige Stein bildet die Form des Burgfrieds ab. Die Ortsnamen Heinsheim und Gurs sind eingemeißelt, ebenso eine abgeknickte Rose, die in der jüdischen Symbolik für zu früh beendetes Leben steht. Eine Bronzeplatte mit Abguss des Hochzeitssteins der Synagoge und dem jüdischen Sprichwort "Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung" ist an der Oberseite angebracht.

Die drei Firmlinge und zwei Konfirmanden wurden von Pfarrer Gätschenberger und Pastoralassistentin Sandra Bergheim betreut. Bei den Steinhauer-Arbeiten unterstützte zudem Steinmetz Markus Stark. Durch das Projekt hätten die Jugendlichen "erfahren, welches Unrecht sich vor der eigenen Haustür abgespielt hat", so Gätschenberger. "Heute ist schwer verständlich, wie etwas so Schreckliches entstehen konnte", erklärte Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen. Laut Akten habe es keinen Aufschrei gegeben, alles sei "geordnet abgelaufen". Die Nachkriegsgenerationen treffe keine Schuld, so der OB weiter. "Aber es ist unsere Pflicht, die Erinnerung wach zu halten und den festen Vorsatz zu haben, derartiges künftig im Keim zu ersticken."

Dokumentation Mit dem Gedenkstein hätten die Heinsheimer "ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt und den Opfern des Naziregimes eine Gestalt gegeben". In einer 18-seitigen Dokumentation haben die Jugendlichen zudem viele Informationen zum Projekt und über die Deportierten zusammengetragen. Der zweite, identisch aussehende Gedenkstein wurde am Sonntag auf dem zentralen Mahnmal in Neckarzimmern eingeweiht, das die Form eines 25 mal 25 Meter großen Davidsterns hat. Dort ist Platz für Steine aller badischen Deportations-Orte.