Das Heimatbildergeschichtskochbuch

Von Alexander Hettich

Das Heimatbildergeschichtskochbuch
Prall gefüllt mit Rezepten und Geschichten ist das Kraichgau Kochbuch aus der Feder von Renate Hörner (links) und Waltraud König.Foto: Alexander Hettich 

Kraichgau - Wollte man das Buch mit einem Gericht vergleichen, ein Eintopf käme der Sache wohl am nächsten. Schmackhafte Zutaten, von allem ein bisschen. Ein wenig Heimatgeschichte, Anekdoten, Bilder von Bauten oder Landschaften und natürlich dutzende Rezepte fügen sich zu dem Werk zusammen, das die beiden Brettenerinnen Waltraud König und Renate Hörner am Dienstag in Gondelsheim unter dem Titel „Kraichgau Kochbuch“ vorgestellt haben.

Mischküche Wie schmeckt der Kraichgau? Was hat der Landstrich zwischen Rhein und Neckar an kulinarischen Köstlichkeiten hervorgebracht? Autorin Waltraud König überlegt kurz. „Verheierte zum Beispiel, das ist typisch Kraichgau.“ Schon. Doch was dem Brettener seine Verheierte, ist dem Stuttgarter sein Gaisburger Marsch. Kartoffelschnitz und Spätzle eben. Hier liegt das kleine Dilemma eines Kraichgau-Kochbuchs. „Wir haben eine Mischküche, die von allen Seiten beeinflusst wurde“, weiß Bernd Röcker. Der Chef des Heimatvereins Kraichgau hat das Rezept zur Fleischspezialität namens Kurz und Lang beigesteuert, die vor allem rund um Eppingen geschätzt wird. Ob die Speisen nun nur im Kraichgau auf den Tisch kommen oder auch anderswo. Schwamm drüber.

Leicht nachzukochen „Wir haben Gerichte aufgenommen, die man mit Zutaten kochen kann, die hier in der Region wachsen“, erklärt Renate Hörner. Die meisten Rezepte stammen aus dem Familienfundus ihrer Freundin Waltraud König. „Alles Dinge, die unsere Mütter schon gekocht haben.“ So reicht das Spektrum der Leckereien von Gondelsheimer Speckküchle über Schwäbischen Zwiebelrostbraten bis zum Tiramisu. Wichtig ist den Verfasserinnen: „Das kann eigentlich jeder nachkochen, da muss man kein Spitzenküchenchef sein.“

Der Verlag war auf die Brettenerinnen aufmerksam geworden, weil sie bei den Landfrauen Ruit aktiv waren und schon eine Broschüre mit Kochideen herausgegeben hatten. Sieben Monate lang hat Waltraud König Rezepte gesucht und die Region mit dem Fotoapparat durchstreift. Renate Hörner steuerte gut zwei Dutzend Geschichten und Anekdoten bei, die von der Historie des Kraichgaus, von Persönlichkeiten und Bräuchen erzählen. Philipp Melanchthon, dem großen Sohn Brettens, ist ebenso ein Kapitel gewidmet wie der Maultasche oder den Besenwirtschaften. Auch die Löfflerin, die berühmte Kürnbacher Köchin, kommt zu Ehren. Herausgekommen sind also gleich mehrere Werke. Ein Koch-, ein Heimat-, ein Bilder- und ein Geschichtsbuch in Einem, das offenbar schon viele Anhänger gefunden hat. Bereits vor dem Verkaufsstart habe sie mehr als 100 Exemplare unters Volk gebracht, erzählt Waltraud König.

Nach Überzeugung von Brettens Oberbürgermeister Paul Metzger, der bei der Buchvorstellung als Vorsänger das Badnerlied schmetterte, wird das Buch dazu beitragen, den Ruhm der Region zu mehren. Bald sei der Kraichgau nicht mehr nur als Toskana Deutschlands bekannt. „Die Italiener werden vielmehr sagen, die Toskana sei der Kraichgau Italiens.“ Beim Tiramisu hat der kulturelle Austausch schon prima geklappt.

Das Kraichgau Kochbuch (ISBN 978-3-86037-330-9) ist im Agrimedia-Verlag, Clenze, erschienen und kostet 19,90 Euro.




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