Bist du noch ganz echt?

Andreas Dittes treibt sich im virtuellen Zweitleben Second Life herum

Von Adrian Hoffmann

Bist du noch ganz echt?
In Second Life hat jeder Spieler seinen eigenen Avatar - mit der Realität haben die virtuellen Stellvertreter selten was zu tun.

Abbildungen: obs/Hamburg@work / Dittes

SULZFELD - Andreas Dittes hat einen Hubschrauber und einen Panzer. „Was man halt so braucht“, sagt er. Man will am Wochenende ja auch etwas Spaß haben. Zusammen mit ein paar Freunden trifft er sich dann im virtuellen Zweitleben, das derzeit überall im Gespräch ist: Second Life. Geschwätzt wird über Internettelefonie, und so entscheiden sich die Jungs auch, wohin sie fliegen oder sich teleportieren.

Was verstanden? Second Life hört sich für Laien kompliziert an, und das ist es wohl auch. Deshalb erklärt Andreas Dittes dieses Programm in einem gesonderten Beitrag (siehe unten). Er selbst ist mit seinen 22 Jahren voll drin in der Szene, schreibt im Internet in Foren, so genannten Blogs. Er verfolgt allerdings weniger ein Ziel in der 3D-Welt als viele andere, sondern möchte einfach nur auf dem Laufenden bleiben. Beobachtet, wie Firmen sich dort platzieren, beobachtet, auf welch abgefahrene Ideen die Benutzer immer wieder kommen.

Zuletzt war er bei der seit ein paar Tagen eröffneten Vertretung des Landes Baden-Württemberg zugegen. „Dort habe ich eine Schulrektorin kennen gelernt und mich mit ihr auf auf einer virtuellen Couch über Second Life unterhalten“, erzählt er. Momentan gibt es viele Wirbel um Second Life. Viele registrierte Nutzer, aber viele davon Karteileichen. „Die Frage ist, was dahinter kommt“, sagt Andreas Dittes. Seiner Ansicht nach bietet SL, so das Kürzel, einige Chancen - um wirklich erfolgreich zu sein, müsse es sich aber noch weiter entwickeln. Angefangen bei der Grafik, die bei einem normalen Computerspiel besser ist als bei Second Life.

„In Second Life kann man zwar viele seiner Träume ausleben“, sagt Andreas Dittes, „aber man sollte sein First Life und damit die Realität nicht aus den Augen verlieren.“ Schlussendlich spiele sich unser Leben in der realen Welt ab. Insofern steht der in der Szene bekannte Blogger der 3D-Simulation auch durchaus kritisch gegenüber. „Es besteht eine große Gefahr der Realitätsflucht“, findet er. Wenn sich etwa jemand so sehr davon fesseln lässt, dass er nicht mehr merkt, wie schnell die Zeit vergeht.

Dittes tritt in der Parallelwelt bescheiden auf, hat sich keinen extravaganten Avatar - so heißen die virtuellen Stellvertreter - ausgewählt. Auch der Bezug zur Realität scheint nicht zu schwinden. Sein letzter Satz im Interview: „So, jetzt erst mal den Abend und das geile Wetter genießen.“

Bist du noch ganz echt?
So sieht Andreas Dittes aus, wenn er sich bei Second Life einloggt.