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Aus für Rumänienhilfe?
Von unserer Redakteurin Vanessa Müller
Eppingen - Wieder ein Paket vor der Tür. Mit Kraft schiebt Renate Funke den großen Karton ins Innere der Alten Süßmosterei. Dann öffnet sie die Pappdeckel. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, als sie ein paar Rollerblades, Knieschoner und Sturzhelme hervorzieht. "Das muss alles mit der nächsten Lieferung mit", sagt sie. "Die Kleinen drüben haben doch sonst nichts, über das sie sich freuen können." Dann zeigt die Vorsitzende des Humanitären Vereins für vergessene Kinder auf ein paar Fotos an der Wand gegenüber. Auf einem ist ein halb zerfallenes Haus in Rumänien zu sehen. "Dort haben zwei Kinder gelebt, ganz auf sich allein gestellt", erinnert sie sich. "Bis eine unserer Helferinnen sie entdeckt hat." Sie habe sich dafür eingesetzt, dass die beiden einen Betreuer bekommen. Und nicht mehr zwischen Schutt leben müssen. "Wo vorher das Loch in der Wand geklafft hat, steht jetzt ein Buffet aus Eppingen", weiß Funke.
Seit neun Jahren unterhält der Verein in der Alten Süßmosterei ein Lager, in dem jeden Samstag ein Flohmarkt veranstaltet wird. Die Möbel, elektrischen Geräte, Spielsachen, Platten oder Bücher sind in der Hauptsache Spenden, andere stammen aus Wohnungsräumungen. Sie werden gegen kleine Geldbeträge verkauft. Mit dem Erlös organisiert Renate Funke unter Mithilfe von elf weiteren Vereinsmitgliedern Transporte der verbliebenen Gegenstände nach Rumänien.
Schrecklich
Auch Medikamente, gespendet von örtlichen Ärzten, oder Lebensmittel gehen mit. Rund 3000 Euro kostet eine Fuhre nach Osteuropa, vier bis sieben im Jahr versucht Funke auf die Beine zu stellen. "Die Zustände in Rumänien sind so schrecklich", sagt die Eppingerin. Dann treten ihr Tränen in die Augen. Denn unter Umständen droht Ende April das Aus für ihren Verein. Die Stadt Eppingen, die der Rentnerin die rund 400 Quadratmeter Fläche unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, musste die Räumlichkeiten zum 30. April dieses Jahres kündigen. Der Grund: Die Alte Süßmosterei wird abgerissen. Stattdessen soll ein Parkdeck errichtet werden. "Wir sind vor neun Jahren eingesprungen, als der Hilferuf des Vereins kam", sagt Rathaussprecher Sönke Brenner. "Aber immer unter dem Vorzeichen, dass das Lager geräumt werden muss, sobald das Konzept für die Innenstadt weiter voranschreitet." Man stehe den Anliegen der Vereine immer offen gegenüber, könne derzeit aber keine mietfreien Räumlichkeiten als Ersatz anbieten. "Wir haben einfach nicht die Möglichkeit", so Brenner.
Eigene Kasse
Seit Renate Funke die Nachricht im Januar bekommen hat, sucht sie verzweifelt nach einem neuen Platz für das Lager. Ohne Erfolg. "Wir haben zwar ein Angebot bekommen, aber dort müssten wir 1200 Euro im Monat bezahlen." Ein Betrag, den die ehemalige Altenpflegerin nicht stemmen kann. "In manchen Monaten nehme ich gerade einmal 400 Euro ein", sagt sie. "Dann schieße ich Geld aus meiner eigenen Kasse zu. Aber ich habe ja selber nicht viel." Es gehe ihr nicht darum, die Modernisierung der Stadt Eppingen aufzuhalten. Aber es seien ja nicht nur die Kinder in Rumänien, die ohne den Verein noch weniger Chancen hätten als ohnehin schon. Auch die Menschen in Eppingen, die nicht das Geld haben, sich neue Möbel zu kaufen, gerieten ins Hintertreffen. "Ich hoffe so sehr, dass sich vielleicht ein Privatmann meldet, der uns mit Räumlichkeiten weiterhilft", sagt Funke. "Damit wir nicht aufgeben müssen."
Start der Abrissarbeiten
Im Rahmen der Weiterentwicklung der Innenstadt soll die Alte Süßmosterei einem Parkhaus weichen. „Momentan geben Investoren ihre Bewerbung ab. Wir hoffen, noch vor den Sommerferien einen Kaufvertrag unterzeichnen zu können“, sagt Rathaussprecher Sönke Brenner. Man gehe davon aus, dass der Abriss noch in diesem Jahr erfolge.
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