Ankunft in der Auszeit

Von Adrian Hoffmann

Südpazifik - Es kommt mir so vor, als würde ich einen verwelkten Blumenstrauß in der Hand halten. Ohne die Wurzeln der Pfefferpflanze Kava kommt ein Weißer nicht in ein Fidschi-Dorf. Ausgerechnet das, was die Menschen auf ihren Inseln in der Südsee im Überfluss haben, gilt als bestes Gastgeschenk. Es ist ein ungewohnter Gang für meine Frau Nina und mich, aber er soll sich lohnen. Wir machen uns auf die Suche nach dem richtigen Platz für unser Abenteuer.

Am liebsten würden wir mit der Unterstützung von Einheimischen unsere eigene, traditionelle Palmhütte bauen. Drei Dörfer im Norden Fidschis haben unser Interesse geweckt, und zu unserer Überraschung sind ihre Einwohner gleich für eine solche Idee zu begeistern. Vor allem gefallen ihnen die Wurzeln, die wir dabei haben. Je größer das Bündel, desto breiter ihr Lächeln. Die Höflichkeit gebietet es uns als Gästen, dem Dorfchef das Bündel nicht direkt zu übergeben, sondern es auf die Matte auf dem Fußboden in seinem Haus zu legen. Sevusevu nennt sich das Ritual, das aus einer Art Sprechgesang und einem Willkommensgruß besteht.

Ganz gelassen

Was wir in diesem Jahr in Fidschi wollen, ist gar nicht so viel. Wir dachten daran, ein paar Fische zu fangen und eine neue Gelassenheit zu finden. Die besichtigten Plätze eignen sich perfekt, tagelang wägen wir ab – und zum Schluss schenkt uns der Zufall eine Perle, wie sie schöner nicht sein könnte. An einer Bucht im Norden der kleinen Insel Qamea entdecken wir eine verwahrloste Holzhütte, die wir aufpeppen könnten. Eine fidschianische Familie kümmert sich heute um die Hütte, die einst ein Australier hinterließ.

Der Bootsmann des Dorfes Vatusogosogo hat uns in dieses Paradies gebracht. Über einen Dschungelpfad gelangen wir auch zu Fuß nach Vatusogosogo, wo wir später, wie uns Dorfchef Moseses gestattete, unsere Palmhütte bauen können. So hätten wir also unsere ersehnte Mischung aus Abgeschiedenheit und dörflicher Gemeinschaft.

Jetzt leben wir uns aber erst mal ein. Alles dauert etwas länger. Fijitime, sagen die Fidschianer. Bei der Familie am anderen Ende der Bucht sind wir bereits zum Kavatrinken eingeladen. Das Zeremonialgetränk ist graubraun und schmeckt leicht scharf. Mit einem Mörser zerstoßen die Menschen den Rauschpfeffer zu einem Pulver, das sie mit Wasser aufgießen und mit einer halbierten Kokosnussschale aus einer Holzschüssel schöpfen. Kava betäubt die Zunge und die Lippen. Und es macht schöne Träume.

Info: Adrian Hoffmann ist Redakteur der Heilbronner Stimme und lebt mit seiner Frau Nina ein Jahr lang auf den Fidschi-Inseln. In seiner Flaschenpost berichtet er von Abenteuern zwischen Kokosnüssen und Korallenriff.  Mehr im Inseltagebuch: www.fijiblog.de

 



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